VII. Der Deltaplan des 21. Jahrhunderts

Im Jahr 2007 untersuchte die Kommission Veerman im Auftrag des niederländischen Parlamentes, welche Folgen die erwartete Klimaveränderung für die Niederlande haben würde. Sie beendeten ihren Auftrag mit der Feststellung, dass die Niederlande sich zwar noch nicht im Eiltempo, aber wohl dringend auf die Anforderungen des Klimawandels vorbereiten müssten.

Sie schlugen vor, ein Regierungsprogram zu errichten, das die Niederlande unter Leitung eines Deltakommissars auf die Aufgaben der Zukunft vorbereiten sollte. Dies war die Geburtsstunde des Delta-Programms, dem Deltaplan des 21. Jahrhunderts – unter Leitung des ersten Delta-Kommissars Wim Kuijken. Zum ersten Mal in der niederländischen Geschichte wird ein großes, umfassendes Regierungsprogram noch vor dem Eintritt einer Katastrophe errichtet.

Um die Kontinuität und die Handlungsfähigkeit des Programms zu garantieren, bekam es seine eigene Finanzierung (seit 2013 jährlich eine Milliarde Euro). Das Delta-Programm ist ein nationales Programm, was bedeutet, dass der Staat, die Provinzen, die Wasserschaften und die Kommunen gemeinsam daran arbeiten. Private und öffentliche Institutionen und Unternehmen sind in dem Prozess mit einbezogen. So können die unterschiedlichen Interessen schon früh in dem Planungsprozess mit einbezogen und mögliche Konflikte schon früh erkannt werden.

Im Delta-Programm wurden viele der Maßnahmen, die schon überall im Land ausgeführt werden, um die Sicherheit des Landes zu garantieren, zusammengefügt. Darunter fallen neben den meisten Deichverstärkungsprojekten auch Maßnahmen, um die Küste zu erhalten und den Flussläufen mehr Raum zu geben. Im Delta-Programm wird gleichzeitig untersucht, welche zusätzlichen Maßnahmen nötig sind, um die Zukunft des Landes bis zum Jahr 2100 zu garantieren. Das geschieht in neun Teilprogrammen, wobei jedes Teilprogramm einen Teil der Niederlande oder ein bestimmtes Thema bearbeitet.

Die Teilprogramme bereiten fünf Delta-Beschlüsse vor, die in 2014 dem Parlament vorgelegt werden sollen. Mit diesen Delta-Beschlüssen bestimmt die Niederlande die Richtung, die sie allgemein oder gebietsspezifisch zur Sicherheit vor Überströmungen und zur Sicherstellung von genügend Süßwasser einschlagen wird. Diese Delta-Beschlüsse bilden den gesetzliche Rahmen für alle Maßnahmen, die die Niederlande kurz- oder langfristig folgen wird.
Der inhaltliche Schwerpunkt des Delta-Programms liegt auf der Entwicklung von Maßnahmen, die das Land vor Überströmungen vom Meer oder von den Flüssen sichern sollen. Eine Überströmung ist allerdings nur dann ein Problem, wenn die Folgen ungewünscht sind. Darum wird auch untersucht, wie man die Folgen einer Überströmung durch raumplanerische Maßnahmen kontrollieren kann.

Zunehmend starke Regenfälle, Hitze und Dürre sind ebenfalls Thema des Delta-Programms. Die Sicherstellung von genügend Süßwasser bis zum Jahr 2100, die Sicherstellung, dass der Schiffsverkehr nicht durch niedrige Flusswasserstände beschränkt wird und die Anpassung von Städten an die Aufgaben der Klimaveränderung sind weitere Themen des Programms. In dem jährlichen Bericht „deltaprogramma“ kann man lesen, woran das Deltaprogramm im Moment arbeitet. Diesen Bericht übergibt das Kabinett jährlich am „Prinsjesdag“, als Teil des Staatshaushaltsplans, der Zweiten Kammer des Parlaments.

Autorin: Dagmar Keim
Erstellt: Mai 2014