IV. Staatliche Aufgaben der Zukunft

Wettbewerbsfähigkeit

Die Wettbewerbsfähigkeit der Niederlande auf einem dynamischen internationalen Markt bleibt eine der großen Aufgaben der Zukunft. Um dieses Ziel zu erreichen, erfahren neun Wirtschaftszweige, die auf europäischer und globaler Ebene eine wichtige Rolle spielen, staatliche Förderung: Wasser, Ernährungswirtschaft, Gartenbau und Ausgangsmaterialien, Hightechsysteme und -werkstoffe, Biowissenschaften und Gesundheit, Chemie, Energie, Logistik und Kreativwirtschaft. Neben steuerlichen Maßnahmen, Expat-Regelungen und Werbung steht die Verbesserung von Standortsfaktoren im Mittelpunkt. Starke städtische Regionen mit hoher Lebensqualität, optimaler verkehrstechnischer Anbindung und guten (logistischen) Verbindungen zum Rest Europas und der Welt sind erforderlich. Die Raumplanung wird sich darum für die Stärkung städtischer Regionen einsetzten.

Die heutigen städtischen Regionen der Niederlande sind durch eine offene Struktur gekennzeichnet. Sie sind relativ kleinräumig und haben – im internationalen Vergleich – einen niedrigen Verdichtungsgrad. Sie sind umgeben von gut erschlossenen ländlichen Gebieten, die sich durch ihr kulturhistorisches Landschaftsbild auszeichnen. Im Allgemeinen wird die Lebensqualität der Städte hoch eingeschätzt. Die Verteilung der Bevölkerung auf eine Gruppe von Städten hat jedoch ihren Preis: Die Städte sind untereinander nicht ausreichend verbunden und Agglomerationsvorteile wie sie zum Beispiel durch die Konzentration von Arbeitnehmern, Universitäten und guter Infrastruktur entstehen, müssen in der Zukunft verbessert werden.

Gemäß Untersuchungen des Raumforschungsinstituts TNO wird die Niederlande immer interessanter für Ausländische Investoren. Auf einer Rangliste der zehn für ausländische Investitionen interessantesten Länder belegten die Niederlande im Jahr 2013 Platz fünf.

Verkehrstechnische Anbindung

Prognosen sagen voraus, dass die Mobilität in den Niederlanden in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen wird. Dabei werden vor allem die Verbindungen innerhalb der städtischen Regionen und die internationalen Verbindungen nach Deutschland und Belgien betroffen sein. Diese Verbindungen müssen angepasst werden.

Außerdem ist der Ausbau des Mobilitätsystems betroffen. Verbindungen müssen effizienter werden, so das der Zeit- und Kostenaufwand für eine Fahrt von Tür zu Tür kleiner wird. Daher wird die Entwicklung von Knotenpunkten verschiedener Mobilitätsnetzwerke in der Raumplanung eine zentrale Stellung einnehmen. Dabei geht es sowohl um lokale, regionale und nationale Knotenpunkte als auch um die vier wichtigsten Knotenpunkte im Netz internationaler Verbindungen: die Mainports Rotterdam und Amsterdam-Schiphol, der Amsterdamer Hafen und der Brainport Südostniederlande.

Wandlungstendenzen

Die regionalen Unterschiede nehmen in den Niederlanden aufgrund des Einflusses von Urbanisierung, Individualisierung und des demographischen Wandels immer weiter zu. Dies führt zu Wachstums-, Stagnations- und Schrumpfungsprozessen, die immer häufiger parallel stattfinden. Die zunehmenden regionalen Unterschiede haben Folgen für die Urbanisierung der Niederlande: Leerstand, sinkende Immobilienpreise, Zusammenlegung von Krankenhäuser und Schulen. Die Aufgabe besteht darin, den Wohnungs-, Gewerbe- und Büromarkt mit der Nachfrage des Marktes abzustimmen. Vor allem Standorte, die transformiert und neu strukturiert werden, bieten dazu Chancen.

Besonders hart trifft die Niederlande der Klimawandel. In einem Land, das zu 60 Prozent überflutungsgefährdet ist, sind Prognosen von zunehmenden extremen Wetterlagen, ein Anstieg des Meeresspiegels sowie eine Zunahme von Flusshochwasser alarmierende Signale. Das Land arbeitet im Rahmen des Deltaprogramms daran, sich auf diese mögliche Zukunft vorzubereiten. Dabei geht es auch darum, in Zeiten von Trockenheit die Süßwasserversorgung abzusichern.

Und auch geopolitische Verhältnisse, die Erschöpfung fossiler Energieträger und die Vorgaben zur Beschränkung der CO2-Emissionen machen eine nachhaltige Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen erforderlich. Wenn regenerative Energiequellen wie Wind, Sonne, Biomasse und Geothermie in Zukunft eingesetzt werden sollen, bedeutet das für die Raumplanung, dass genügend Flächen für die Stromerzeugung an Land und auf dem Meer sowie auch für den Transport der Energie eingeplant werden müssen. Die Sicherstellung der Energieversorgung und die landschaftliche Anpassung wird sicherlich ein wichtiges Thema der niederländischen Raumplanung werden.

Aber auch der Boden unter unseren Füssen muss effizient genutzt und geplant werden. So müssen in den gesamten Niederlanden zum Beispiel Räume für Rohrleitungen reserviert werden. Sie werden auch zum Transport von Gefahrenstoffe genutzt. Welche weitere Aufgaben noch auf die Niederländische Raumplanung zukommen wird, wird erst die Zukunft zeigen.

Autorin: Dagmar Keim
Erstellt: Oktober 2014