Tourismus Deutschland-Niederlande


IV. Niederländer in Deutschland

„Holländer sind laut, lustig, trinken gerne und sind mit ihren Wohnwagen einfach überall anzutreffen“ – soweit das Klischee. Doch wer sich den heutigen niederländischen Urlauber immer noch so vorstellt, muss sein Bild inzwischen ziemlich korrigieren. Nur in einem Punkte nicht: in dem von der Omnipräsenz der Niederländer. Denn die Niederlande sind nach wie vor der wichtigste Herkunftsmarkt für den Deutschlandtourismus. Niederländer tätigen 16,6 Prozent (2006) aller Übernachtungen ausländischer Gäste in Deutschland. Die Ankunftszahlen stiegen in den vergangenen Jahren von 1,8 auf 2,3 Millionen (2004), die Übernachtungszahlen stiegen von 5,1 auf 6 Millionen (ohne Camping). Inklusive Camping lagen die Ankunfts- und Übernachtungszahlen 2006 sogar bei 3,2 beziehungsweise 8,7 Millionen.

Ankünfte und Übernachtungen, in Millionen (Beherbergungsstätten mit mehr als neun Betten)

Tourismuszahlen2012nlind

'95
'96
'97
'98
'99
'00
'01
'02 '03
'04*
A
1,8 1,8 1,8 1,8 1,9 2,1 2,1 2,1 2,2 2,8
Ü 5,1 5,1 5,1 5,1 5,3 5,5 5,5 5,7 5,8 8,0
Quelle: Statistisches Bundesamt;
* ab 2004 inkl. Camping
'05 '06 '07 '08 '09 '10
'11 '12
A
3,1 3,3 3,4 3,6 3,7 3,9 4,0 4,2
Ü 8,4 8,8 9,0 9,7 9,9 10,5 10,6 10,9

Die Niederländern stellen seit langem die größte ausländische Gruppe, die auf deutschen Campingplätzen ihren Urlaub verbringt. Insgesamt 0,7 Millionen Niederländer verbrachten 2006 ihren Campingurlaub in Deutschland. Mit 1,9 Millionen Übernachtungen im Zeitraum Januar bis September 2007 stellten sie dabei 61,6% aller ausländischen Aufenthalte. Im Verhältnis zu Gästen aus anderen Ländern ist dieser Trend jedoch rückläufig: 2004 waren es noch über 65% aller Übernachtungen. Dennoch behalten die Niederländer klar die Oberhand auf deutschen Campingplätzen.

Ende eines Klischees: Weiche Hotelbetten für die Niederländer

Trotzdem Camping nach wie vor eine liebe Urlaubsgewohnheit der Niederländer ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch die beliebteste Unterkunftsvariante ist. Ein Hotelzimmer mit Dusche oder Bad und WC muss es inzwischen bei 41 Prozent aller Deutschland-Urlauber sein, Tendenz steigend. 2001 betrug der Anteil der Hotelreisen noch 39 Prozent. Mittelklasse-Hotels profitieren am meisten von diesem Trend (25 Prozent) aber auch First Class Hotels sind mit 12 Prozent gut dabei. An zweiter Stelle folgt mit 24 Prozent das Ferienhaus (2001: 18 Prozent). Erst an dritter Stelle folgt mit 21 Prozent das Wohnen im Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil (2001: 22 Prozent). In Ferienwohnungen verbringen 7 Prozent der Urlauber ihre Ferien, 9 Prozent kommen bei Freunden, Bekannten und Verwandten unter.

Aktive Senioren aus der Bildungsschicht und städtischem Umfeld

Dass die Niederländer zunehmend lieber im Hotel absteigen als auf dem Camping-Platz logieren, hat wohl auch mit der veränderten Altersstruktur der Reisenden zu tun. Inzwischen sind 44 Prozent der Reisenden zwischen 55 und 74 Jahre und älter. 37 Prozent der Reisenden sind zwischen 35 und 54 Jahren, 19 Prozent der Reisenden sind zwischen 15 und 34 Jahren. Die Zahl der Familien mit Kinder ist mit 21 Prozent der Reisenden relativ gering.
Die meisten Touristen aus den Niederlanden kommen mit 41 Prozent aus den Ballungsgebieten der großen Städte im Westen der Niederlande. Aus den Ost-Niederlanden kommen 25 Prozent, aus den Süd-Niederlanden 23 Prozent. Die Nord-Niederlande sind mit 10 Prozent der Touristen am geringsten in Deutschland vertreten. Diese Verteilung hat sich in den vergangenen vier Jahren kaum verändert.

Schon 2001 stammten 77 Prozent der Deutschlandreisenden aus mittleren und gehobenen sozialen und Bildungsschichten. 89 Prozent der Deutschlandreisenden kamen aus kleinen und großen Städten. Der typische Deutschlandurlauber der Niederlande wird immer mehr zum aktiven Senior jenseits von 55 Jahren, mit guter Bildung und städtischem Hintergrund.
Ganzjahresziel Deutschland

Über die Hälfte der Niederländer ist in Deutschland zwischen Mai und August unterwegs (2004: 57 Prozent). Von September bis Dezember, wenn die vielen deutschen Weihnachtsmärkte locken, sind es 24 Prozent, von Januar bis April 18 Prozent.

Immer gut für einen Kurz-Tripp

Die Hälfte aller Deutschlandreisen waren 2006 Kurzreisen (maximal drei Nächte). Damit steht Deutschland als Kurzreiseziel an zweiter Stelle für die Niederländer. Nur in Belgien verbringen sie noch mehr Kurz-Tripps. Durchschnittlich bleiben die Niederländer fünf Tage in Deutschland.

Sparen ist angesagt

Gaben die Niederländer 2001 und 2002 noch pro Deutschlandreise durchschnittlich 365 Euro aus (2000: 289 Euro), wendeten sie 2006 nur noch 250 Euro pro Reise auf. Das entspricht 49 Euro pro Tag (2001: 74 Euro, 2000: 62 Euro). Dieser Trend bestätigt die Einschätzung der Deutschen Zentrale für Tourismus, dass die Niederländer sehr preisbewusst sind und gute Qualität zu gemäßigten Preisen haben möchten.

Beliebteste Reiseziele – Berlin an fünfter Stelle

Fast die Hälfte aller Urlaubsreisen der Niederländer in Deutschland führen in Feriengebiete, zum Urlaub in die Berge, aufs Land oder ans Wasser. Rund-, Städte- und Eventreisen kommen auf 27 Prozent. Von 6,4 Millionen Übernachtungen im Jahr 2006 (ohne Camping) entfielen 845.003 auf die vier deutschen Städte Berlin, Köln, Düsseldorf und München. Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind die beliebtesten Bundesländer für einen Urlaub. Baden-Württemberg folgt auf dem vierten Platz.

Ankünfte und Übernachtungszahlen in den drei beliebtesten Bundesländern
Quellen: Statistisches Bundesamt, Statistische Landesämter

Bayern
Rheinland-Pfalz
NRW

Ankünfte
Nächte
Ankünfte
Nächte
Ankünfte
Nächte
1999
402.138 813.220 354.278 1.477.524 419.487 1.155.725
2000
419.072 844.242 389.519 1.610.983 411.052 1.050.937
2001
433.731 854.332 354.946 1.499.597 439.424 1.194.279
2002
440.894 831.160 356.542 1.526.008 469.041 1.254.124
2003
426.215 841.118 355.447 1.501.010 506.700 1.309.539
2004
600.558 1.267.316 511.336 2.072.033 569.481 1.524.608
2005
- - 423.019 1.658.236 - -
2006
641.363 1.319.153 437.097 1.713.387 692.424 1.735.947
2007
- 1.367.030 - - 703.467 1.766.044
2008 681.025 1.413.462 600.922 2.431.232 751.956 1.852.264
2009 649.587 1.327.430 650.978 2.570.139 817.320 1.961.581
2010 687.784 1.382.621 576.600 2.200.000 888.875 2.109.688
2011 721.866 1.453.586 678.353 2.598.689 927.157 2.193.690
2012 761.539 1.516.058 732.021 2.764.593 976.255 2.325.106

Während Nordrhein-Westfalen in den vergangene Jahren zwei Mal hinsichtlich der Ankunftszahlen von Bayern auf Platz zwei verwiesen wurde, hielt Rheinland-Pfalz bis 2004 durchgehend seine Spitzenposition bei der Anzahl der Übernachtungen. Erst 2006 wurde das Land auch diesbezüglich von Nordrhein-Westfalen überholt. Inzwischen hat sich die Reihenfolge wieder umgekehrt.

Rheinland-Pfalz

Dass die Niederländer gerne wandern, bestätigt sich an ihrem Besuchsverhalten in Rheinland-Pfalz. Am liebsten fahren sie, so Ute Kienzle von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, zum Wandern in die Eifel. Die Verweildauer mit durchschnittlich über vier Tagen ist die höchste in ganz Deutschland. Obwohl die Niederländer relativ lange bleiben, steigen sie trotzdem gerne im Hotel ab. 40 Prozent der Urlauber wohnen im Hotel, 22 Prozent im Ferienhaus, 20 Prozent richten sich im Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil ein. Elf Prozent der Urlauber beziehen eine Ferienwohnung.

Nordrhein-Westfalen

Es sind auch hier die Wandergebiete, die die meisten Niederländer anziehen. Allerdings ist die Verweildauer mit durchschnittlich knapp vier Tagen kürzer als in Rheinland-Pfalz. Weitere Informationen zum Reiseland Nordrhein-Westfalen finden sich im Abschnitt „Niederländer in der Grenzregion“.

Bayern

Nicht nur wegen der Wandermöglichkeiten und der vielen Seen ist Bayern für die Niederländer interessant. „Immer mehr Studenten und jugendliche Cliquen kommen zum Aktivurlaub mit Fahrrad und Zelt nach Franken und machen ausgiebige Mountainbike-Touren“, berichtet Jens Huwald von der Bayerischen Tourismus Marketing GmbH über den neuesten Trend der niederländischen Gäste. Familien reisen nach wie vor gerne in den Bayerischen Wald zum Wanderurlaub, Senioren lieben die herbstliche Stimmung des Tegernsees für ihre ausgedehnten Spaziergänge. Während des Erholungsurlaubes auf dem Lande unternehmen die Niederländer auch gerne Abstecher in die bayerischen Städte. Für Städtetouren beliebt ist nicht nur die Landeshauptstadt München, sondern auch Passau und Regensburg. In der Weihnachtszeit kommen Niederländer in Bussen extra zum Nürnberger Christkindlesmarkt angefahren. Wintersport betreiben die Niederländer in Oberbayern und im Allgäu.

Winterurlaub

Deutschland als Winterurlaubsreiseziel wird für die Niederländer immer unattraktiver. Kamen im Winter 1992/93 noch 137.000 Gäste zum Urlaub im Schnee nach Deutschland, waren es im Winter 2003/2004 nur noch 82.000 Urlauber. Beliebtestes Urlaubsziel ist dabei Bayern (22.000 Urlauber im Winter 2003/04), gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. (Quelle: CBS)

Autoren: Stefanie Tyroller und Online Redaktion
Erstellt:
November 2005
Aktualisiert: Dezember 2013


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Weitere Informationen befinden sich im Kurzbeitrag Deutsch-niederländische Urlaubsbegegnungen

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