Sportland Niederlande


I. Einführung

Sven Kramer
Eisschnellläufer Sven Kramer, Olympiasieger, zwölffacher Welt- und vierfacher Europameister, zählt zu den Besten seines Sports, Quelle: Soenar Chamid/NiB

Oranje, Schlittschuh und was dann? Eine Annäherung.

Sport in den Niederlanden? Wenigen Menschen nur dürften bei diesem Stichwort nicht die knallorangen Trikots vor dem geistigen Auge erscheinen, in denen die Auswahl des Koninklijk Nederlandse Voetbalbond regelmäßig bei großen Turnieren für Aufsehen sorgt. Die Spieler darin waren und sind Legenden: Cruyff und Neeskens, Van Basten und Gullit, Sneijder und Van Persie, solche und viele andere Namen wurden weltweite Gütesiegel, ähnlich wie die Clubs, von denen sie einst zu den größten Adressen Europas aufbrachen: Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam oder PSV Eindhoven.

Sport in den Niederlanden? Gleichsam automatisch gehen die Gedanken zu gefrorenen Seen und Kanälen, über die Schlittschuhläufer ihre eleganten Runden ziehen, zu Freizeitsportlern aller Altersstufen oder enthusiastischen Zuschauern entlang der Strecken der Freiluftwettbewerbe. Zum fieberhaften, hochgradig ansteckenden Wahnsinn der Elfstedentocht, die vielleicht, wie nicht wenige anlässlich des Klimawandels befürchten, nie wieder stattfinden wird, oder zum frenetischen Oval des Thialf-Eisstadions in Heerenveen: ein Tempel, mindestens, nicht selten gar als Mekka des Schlittschuhlaufens bezeichnet.

Jenseits von Fußball und Schlittschuh endet meist die Assoziationskette zum Thema Sport in den Niederlanden. Und genau hier beginnt dieses Dossier. Es handelt von Sportarten, die keine TV-Dauerpräsenz, aber dennoch einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung haben. Hockey, Schwimmen, Rudern, Wasserpolo, Radrennen und Dressurreiten: in diesen Disziplinen gewannen niederländische Athleten bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Gold. Weitere Medaillen gab es im Judo, Segeln sowie erneut Dressurreiten und Rudern. Die Ausbeute bei den Winterspielen 2010 entsprach wie so oft der Topographie: mit Ausnahme der Goldmedaille der Snowboarderin Nicolien Sauerbreij gingen sämtliche Medaillen auf das Konto der Schlittschuhläufer.

Unabhängig von der Jahreszeit ist die Statistik ein Schlüssel, denn viele der genannten Sportarten erfreuen sich zwischen Maastricht und Groningen steter Beliebtheit, sowohl aktiv als passiv. Internationale Spitzenleistungen niederländischer Athleten entsprechen meist einem soliden breitensportlichen Fundament und ausgeprägter sozialer Infrastruktur mit Vereinen, Sportstätten und Wettkämpfen. Welche Disziplinen bei welchen Bevölkerungsgruppen besondere Aufmerksamkeit genießen, darum soll es hier gehen. Neben einer Übersicht bedeutender Sportarten und ihrer Darsteller will dieses Dossier einen Blick hinter die Kulissen werfen, Geschichte und Zusammenhänge ergründen sowie einige besonders charakteristische Disziplinen vorstellen.

Vorgehen und Inhalt

Grundlage dieses Dossiers wird eine Übersicht sein, die zunächst die wichtigsten Fragen in puncto Sport in den Niederlanden beantworten will. Basierend auf Statistiken zeigt sie, welche Sportarten in der Beliebtheit vorne liegen, sowohl aktiv als auch passiv (Kapitel III). Dabei soll der Blick allerdings weiter reichen: Geschlecht, Alter, soziale Stellung, Herkunft, all das wird hier in Bezug zu sportlichen Vorlieben gesetzt (Kapitel IV). Gesellschaftliche Kategorien wie Integration und sportpolitischer Rahmen (Kapitel V) vervollständigen das Bild.

Im Abschnitt Blick auf die Praxis finden sich dann einige Exkurse in die Praxis, die ausgesuchte Sportarten aufgrund ihrer besonderen Bedeutung vorstellen. Diese sind indes nicht nach absoluter Beliebtheit oder Mitgliederzahl ausgewählt. Hockey (Kapitel VI) ist zum Einen als Sportart vertreten, die seit Jahren einen Boom erlebt, zum anderen seiner deutlichen sozialen Konnotation wegen, denn Hockeyspieler sind noch immer weitgehend als Kakkers, als Snobs verschrien. Zum Radrennen (Kapitel VII) haben viele Menschen allein schon wegen des täglichen Gebrauchs des eigenen Fahrrads einen engen Bezug. Zuletzt machten zahlreiche Rennen von internationaler Reputation in den Niederlanden Station, was sicher nicht zuletzt am Status des Großsponsors Rabobank liegt, der auch einen Rennstall unterhält. Der Blick aufs Segeln (Kapitel VIII) hingegen zeigt, wie eng der Verbreitungsgrad eines Sports mit den geographischen Bedingungen zusammenhängen kann. Ganz anders sieht das beim Korbball (Kapitel IX) aus: Hier sind die Niederlande nicht nur kaum angefochtene Weltspitze. Charakteristisch ist vor allem, dass das Spiel von aus Frauen und Männern gemischten Teams betrieben wird, was auch hier die soziale Komponente ins Blickfeld rückt. Im Reitsport schließlich (Kapitel X) erreichten die Niederlande zuletzt gigantische Erfolge, die zumeist auf das Konto einer herausragenden Athletin gingen.

Im Anschluss soll sich mit Erfolgen niederländischer Sportler und wie diese in der Öffentlichkeit wahrgenommen beschäftigt werden. Im abschließenden fünften Kapitel dagegen wird ein Blick voraus geworfen auf das ambitionierte Projekt Olympia 2028 – und wie die Niederlande ihre mögliche Kandidatur vorbereiten.

Zwei Bemerkungen seien an dieser Stelle gemacht: die erste betrifft die in der Übersicht verwendeten Statistiken zu den sportlichen Aktivitäten. Je nach Studie werden hier unterschiedliche Kriterien benutzt, etwa was Alter oder Herkunft angeht, was zum Teil unterschiedliche Ergebnisse hervorruft. Beides ist entsprechend vermerkt. Die zweite Anmerkung ist sprachlicher Art: um des flüssigeren Lesens Willen wird bei gemischten Pluralformen durchweg die männliche Endung verwendet.

Autor: Tobias Müller
Erstellt: Juli 2011


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Jungmann, Bart et al.: De Sportcanon. De sportgeschiedenis van Nederland, Amsterdam 2011.

Links

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Personen

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