VIII. Tourismusförderung durch die Europäische Union

Grenzgebiete sind Randlagen, deren wirtschaftliche Entwicklung oft schwer zu stimulieren ist. Die Europäische Union fördert daher in Rahmen sogenannter Interreg-Programme die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Regionen, um wirtschaftliche und soziale Zentren über die Grenzen hinweg zu entwickeln. Im Rahmen von Interreg IIIa, das im Zeitraum 2000 bis 2006 die grenzübergreifende Zusammenarbeit benachbarter Gebiete fördert, wurden und werden auch im deutsch-niederländischen Grenzgebiet zahlreiche Tourismusprojekte entwickelt. Diese Interreg-Programme haben starke wirtschaftliche Impulse, da sie Investitionen von Seiten der Europäischen Union (der Europäische Fond für regionale Entwicklung (EFRE) übernimmt 50 Prozent der Projektkosten), aber auch von Seiten verschiedener lokaler Projektpartner und den Kommunen beider Länder generiert. Darüber hinaus werden Arbeitsplätze geschaffen und neue Tourismus-Produkte etabliert, die zu einer wirtschaftlichen Belebung der Grenzregionen führen können. Herausragendes Beispiel positiver wirtschaftlicher Effekte ist die Urlaubsregion Niederrhein in Nordrhein-Westfalen, die in sechs Jahren die Zahl ihrer niederländischer Urlaubsgäste verdoppeln konnte. Entlang der deutsch-niederländischen Grenze gibt es fünf sogenannte Euregios (Zusammenschlüsse von Gemeinden beiderseits der Grenze), die Tourismus-Projekte im Rahmen von Interreg IIIa entwickeln.

Projekte in der Euregio Rhein-Waal

Projekte in der Euregio Rhein-Waal Drei touristische Projekte hat die Euregio Rhein-Waal im Rahmen von Interreg IIIa mit einem Investitionsvolumen von 4,5 Millionen Euro bis jetzt ins Leben gerufen. Ein viertes Projekt zur Förderung des Tourismus in der gesamten Region entlang der Flüsse Rhein, Waal und Maas befindet sich noch in der Antragsphase. Beispiele:


Rheinradweg

Entlang des Rheins von der Quelle in der Schweiz bis zum Mündungsdelta in den Niederlanden besteht inzwischen eine durchgängig beschilderte Fahrradroute. Die Euregio Rhein-Waal schloss im Jahr 2005 an der deutsch-niederländischen Grenze die auf ihrem Gebiet noch bestehende Lücke. Ziel des Interreg-Projektes war, den Fahrradweg in der Region unter Einbeziehung etwas abseits liegender Sehenswürdigkeiten gut auszuschildern und anschließend zu bewerben.


Pilgertourismus in der Euregio Rhein-Waal

Die Euregio Rhein-Waal fördert den Pilgertourismus zu den "Euregionalen Erlebnisstätten Arnold Janssen" in Goch und Steyl. Arnold Janssen wurde 1837 in Goch geboren und wuchs dort auf. Nach seiner Weihung zum Priester im Jahr 1861 gründete er 1875 das weltweit tätige Missionszentrum in Steyl. Seine Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II erfolgte 2003. Das von der Euregio Rhein-Waal und der euregio rhein-maas-nord gemeinsam finanzierte Projekt wird durch Baumaßnahmen und Vermarktungsinitiativen den Pilgertourismus in der gesamten Region stärken.

Projekte in der Euregio Rhein Maas Nord

Über 3 Millionen Euro werden und wurden in fünf Projekte in der Euregio Rhein Maas Nord im Rahmen von Interreg III-A investiert. Beispiele:

2-Land, deutsch-niederländische Arrangements für Kurzurlauber

Das 2-LAND-Team erarbeitet seit April 2003 ein breites Spektrum an grenzüberschreitenden Tages- und Mehrtagesarrangements. Einbezogen werden dabei unter anderem die drei großen Nationalparks De Grote Peel, Maasduinen und De Meinweg und der grenzüberschreitende Naturpark Maas-Schwalm-Nette sowie kulturhistorische Gebäude und die Seen und Flüsse des Euregio-Gebietes. Die Arrangements sind direkt über die zweisprachige Internetseite buchbar.

Per Mausklick durch die Euregio: Radwandern über die Grenze

Das Projekt will für Radfahrer ein Routennetz mit ca. 20 neuen Verbindungen zwischen dem bestehenden deutschen und niederländischen Wegenetz entwickeln. Als Ergänzung zum bereits erschienenen Katalog mit fahrradfreundlichen Hotels in der Euregio sollen die Routen auch interaktiv planbar sein. Dazu wollen der Kreis Viersen in Zusammenarbeit mit dem Kreis Kleve, Touristik-Agenturen und Regio-VVV’s (Regionale Touristikagenturen in Noord- und Midden-Limburg) eine zweisprachige Internetplattform aufstellen. Diese soll mehrere mögliche Routen ermitteln, die auch sofort auf Sehenswürdigkeiten und evtl. Übernachtungsmöglichkeiten hinweisen. Neben der Internetplattform soll auch eine Broschüre mit Informationen zu den neuen Verbindungen bereitgestellt werden. Zusätzlich sollen die Strecken mit einheitlichen Schildern markiert werden.

Projekte in der Euregio Maas-Rhein

Mehr als 5,4 Millionen Euro werden in sechs Tourismusprojekten im Rahmen von Interreg IIIa in der Euregio Maas-Rhein investiert. Die Euregio Maas-Rhein umfasst neben deutschen und niederländischen Gebieten auch belgisches Terrain. Entsprechend umspannen die touristischen Investitionsprojekte meist alle drei Länder. Beispiele:


Coeur(s) de Ville

Ziel des Projektes ist es, die gesamte Dreiländer-Region als einen gemeinsamen Wirtschafts- und Kulturraum zu begreifen. Voraussetzung für eine solche Identität ist eine erhöhte Mobilität der Menschen aus der Region. Die Städte Maastricht, Aachen, Hasselt, Heerlen und Lüttich wollen als Hauptstandorte des Wirtschafts- und Kulturlebens ihre Innenstädte systematisch und koordiniert als Orte der euregionalen Begegnung prägen und nutzen. Anknüpfend an das Projekt „Shopping Plus“, in dem seit 2003 abwechselnd eine der Städte zu einem kultur- und eventreichen Shopping-Samstag einlädt, sollen die Angebote der Kultur und des Einzelhandeln jeweils stärker herausgearbeitet und entsprechend die Information der Bürger verbessert werden. Dies geschieht unter anderem durch eine intensivierte Informations- und Pressearbeit.


ZeitReisen

Im Rahmen des Projektes „ZeitReisen“ sollen weniger bekannte kulturhistorische und kulturelle Attraktionen der Euregio für neue Zielgruppen erschlossen werden. 38 Kommunen haben sich zu dem Verein „CulTour Euregio“ zusammengeschlossen und wollen in diesem Rahmen ihre lokalen kulturtouristischen Werte euregional und europaweit vermarkten. Jede Gemeinde nutzt eine Kern-Attraktion, um die herum alle übrigen kulturellen und touristischen Angebote vermarktet werden. Über Printpublikationen (halbjährlich erscheinendes CULTour-Journal, in drei Sprachen publiziert), eine Internet-Homepage, Anzeigenkampagnen und durch die Schaffung buchbarer Packages soll die Vermarktung der ZeitReisen beschleunigt werden.


Projekte in der Euregio

Elf Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 10 Millionen Euro realisieren Projektpartner in der Euregio Gronau im Rahmen von Interreg IIIa. Beispiele:

Tourismusoffensive Euregio

Antragsteller ist die Euregio e.V. in Kooperation mit den regionalen Fremdenverkehrsorganisationen Gelders Overijssels Bureau voor Toerisme (GOBT) in Deventer, Fremdenverkehrsverband Grafschaft Bentheim in Nordhorn, Tourismusverband Osnabrücker Land e.V. in Osnabrück und Münsterland-Touristik Grünes Band e.V. in Steinfurt sowie den Emsland-Gemeinden Emsbüren, Salzbergen und Spelle. Innerhalb des Projektes sollen verschiedene touristische Produktentwicklungsstragien umgesetzt werden. Dazu gehören die Informationsbündelung und –bereitstellung von Werbemitteln für entsprechende Zielgruppen des jeweilig anderen Marktes, oder die Etablierung grenzüberschreitender Informations- und Kommunikationsnetzwerke. Ziel des Projektes, in das ungefähr 4 Millionen Euro investiert werden, ist ein erfolgskontrolliertes Marketing von der Produktdefinition über die Kommunikation bis zur systematischen Absatzförderung für die niederländischen und deutschen regionalen Tourismusverbände auf den jeweiligen "anderen“ Märkten inklusive der Vermarktung grenzüberschreitender Produkte.

Kulturtouristische Vermarktung der Musikfestivals in der Euregio

Das Projekt beinhaltet die Durchführung eines gemeinsamen Marketings für eine effektive kulturtouristische Vermarktung unter Ausnutzung der jeweiligen Potenziale der Musikveranstaltungen mit ihren besonderen Schwerpunkten. Zur Stimulierung des grenzüberschreitenden Kulturtourismus und der Erreichung neuer Zielgruppen soll es bei den Musikfestivals im Gebiet der EUREGIO bereits im Planungsprozess zu einer stärkeren Abstimmung und in der Vermarktung zu neuen und frühzeitigen Strategien kommen. Umgesetzt werden sollen unter anderem eine zweisprachige Internet-Präsenz, zweisprachige Broschüren und Folder, HörBars, Filmspots für die Präsentation in Kinos und Hörfunk-Spots.

Ziel des Projektes ist es, den regionalen Tourismusverbänden beiderseits der Grenze durch den Marketingzusammenschluss der Musikfestivals ein attraktives Produkt für eine kulturtouristische Vermarktung anzubieten. Weiterhin soll das Projekt beispielhaft für die modellhafte Entwicklung eines regionalen Kulturmarketings dienen.

Projekte in der Ems Dollart Regio

In der Euregio Ems-Dollart wurden und werden im Rahmen von Interreg IIIa 16 Projekte, die neben der Wirtschaftsförderung meist auch touristische Aspekte betreffen, mit einem Investitionsvolumen von etwa 32 Millionen Euro umgesetzt. Beispiele:


Deutsche Monumentenwacht

Das Projekt „Deutsche Monumentenwacht“ will mit einem präventiven Pflege- und Wartungskonzept dem langsamen und vielfach unbemerkten Verfall der kulturhistorischen Bauwerke in Weser-Ems entgegen wirken. Antragsteller ist die Stiftung Kulturschatz Bauernhof aus Cloppenburg. Orientiert am Vorbilder der seit 27 Jahren agierenden „Monumentenwacht Nederland“ will das Projekt Deutsche Monumentenwacht erreichen, dass regelmäßige Kontrollen auf freiwilliger Basis an den Gebäuden durchgeführt und dabei auch kleine Reparaturarbeiten erledigt werden. Mit der rechtzeitigen Instandsetzung soll das Denkmal vor unabsehbaren Schäden bewahrt und der Eigentümer vor hohen Kosten geschützt werden.


Spuren im Moor

Ziel des Projektes ist es, auf deutscher sowie niederländischer Seite die Landschaft des ehemaligen Bourtanger Moores neu zu gestaltet. In Erica auf niederländischer Seite soll dabei das Industrieel Smalspoormuseum neu gebaut, in Groß Hesepe auf deutscher Seite soll das Emsland Moormuseum umgebaut und restauriert werden. Darüber hinaus ist die Etablierung geführter Spaziergänge in den Moorgebieten von Hesepe und Dalum geplant.


Autoren: 
Stefanie Tyroller und Online Redaktion
Erstellt:
November 2005
Aktualisiert: Dezember 2010