VII. Niederländer in der deutschen Grenzregion

Niederländer in Nordrhein-Westfalen

Gäste und Übernachtungszahlen niederländischer Touristen in ganz NRW
Quelle: IT.NRW

Gäste Übernachtungen
2010 888.875 2.109.688
2011 927.157 2.193.690
2012 976.255 2.325.106
2013 988.469 2.333.467
2014 1.037.200 2.440.162
2015 1.045.058 2.466.210
2016 1.068.623 2.507.139
2017 1.123.268 2.598.666

Nordrhein-Westfalen ist neben Rheinland-Pfalz und Bayern das beliebteste Urlaubsziel der Niederländer. Die räumliche Nähe zum eigenen Land und die abwechslungsreiche Landschaft mit den Mittelgebirgen Eifel und Rothaargebirge machen das Bundesland zu einem idealen Urlaubsort für die wanderbegeisterten Flachlandbewohner. Aber auch die Flusslandschaften und die vielen Radfahrmöglichkeiten sind laut NRW-Tourismus ein Grund für die Niederländer, nach Nordrhein-Westfalen zu kommen.

Permanente Steigerung der Übernachtungszahlen

Die Urlauber aus den Niederlanden stellen den mengenmäßig wichtigsten Incoming-Markt für Nordrhein-Westfalen dar. Kontinuierlich stiegen in den vergangenen Jahren (mit einer kleinen Delle in 2000, dem Jahr der Weltausstellung in Hannover) die Ankunfts- und Übernachtungszahlen. Im Jahr 2007 bescherten die Niederländer Nordrhein-Westfalen mit 703.467 Ankünften und über 1,7 Millionen Übernachtungen die erfolgreichste Tourismusbilanz. Der enorme Anstieg von rund 570.000 im Jahr 2004 auf beinahe 700.000 im Jahr 2006 ist in erster Linie auf die Sportgroßereignisse des Jahres, wie die Fußballweltmeisterschaft, die Weltreiterspiele in Aachen oder die Hockeyweltmeisterschaften in Mönchengladbach, zurückzuführen. Ein Rückgang im darauffolgendem Jahr blieb jedoch aus. Lediglich von 2009 bis 2010 sanken die Zahlen, daraufhin stiegen sie jedoch ununterbrochen.

Elf Tourismusregionen

In Nordrhein-Westfalen gibt es elf Tourismusregionen: Niederrhein, Eifel/Region Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Siegerland-Wittgenstein, Sauerland, Münsterland, Teutoburger Wald, Bergisches Land, Ruhrgebiet, Düsseldorf und Köln.

Wandern, wandern, wandern

Das Sauerland zieht mit Abstand die meisten Gäste aus den Niederlanden an. Das bestätigt die Analyse des typisch niederländischen Urlaubers, der im Urlaub gerne (gebirgig) und ausgiebig wandert. Die durchschnittliche Verweildauer ist mit fast vier Tagen relativ hoch. Die starke Zunahme der Gästezahlen am Niederrhein beruht auf einer verstärkten Werbung im Nachbarland und eines von der Europäischen Union geförderten Tourismus-Projektes. (siehe Interview mit Martina Baumgärtner von 2-Land) Die hohen Besucherzahlen in Köln lassen sich erklären mit dem großen Interesse der Niederländer an Städte- und Besichtigungstouren, die nicht allzu weit von ihrer Heimat entfernt sind. Typisch für solche Städtereisen ist die kurze Verweildauer von durchschnittlich knapp zwei Tagen.

Tourismus-Förderung und Marketing

Mehr als 200.000 Voll- und Teilzeitarbeitsplätze schaffe der Tourismus in Nordrhein-Westfalen und sei eine wichtige Wachstumsbranche für das Bundesland, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Um diese Wachstumsbranche zu unterstützen, beteiligt sich das Tourismusreferat als Teil des Ministeriums in den elf Regionen finanziell beim Auf- und Ausbau der Infrastruktur. Für die Profilentwicklung und das entsprechende Marketing ist jede Region selbst zuständig. So hat jede Tourismusregion eine Kernkompetenz definiert, wie etwa das Sauerland das Wandern und Skifahren oder das Münsterland das Reiten. Entwickeln die Regionen im regionalen Konsens Projekte, die diese Kernkompetenzen ausbauen und von denen wirtschaftliche Effekte zu erwarten sind, fördert die Bezirksregierung diese finanziell. Von der Region wird eine Eigenleistungen von 50 Prozent der Projektkosten erwartet.

Beispiel für ein solches Projekt ist zum Bespiel der Masterplan Reiten, in dessen Rahmen ausgelotet wurde, wo und wie Reitangebote im Münsterland ausgebaut werden können.

Für die Vermarktung Nordrhein-Westfalens als Urlaubsziel erhalten die Regionen Unterstützung vom Nordrhein-Westfalen Tourismus e.V mit Sitz in Köln. Er ist Teil der Deutschen Zentrale für Tourismus, die im Auftrag von Bund und Ländern im In- und Ausland Deutschland als Urlaubsland vermarktet.

Niederländer in Niedersachsen

Niedersachsen liegt bei den Niederländern an vierter Stelle in der Beliebtheitsskala deutscher Bundesländer. Trotzdem Niedersachsen an die Niederlande angrenzt, kann das Bundesland davon nicht so stark wie Nordrhein-Westfalen profitieren. Das liegt wohl vor allem daran, dass die für Niederländer landschaftlich reizvolleren Gebiete (Gebirge wie der Harz) im Verhältnis zum Rothaargebirge oder der Eifel weiter weg liegen.

Gäste und Übernachtungszahlen niederländischer Touristen in ganz Niedersachsen
Quelle: destatis.de, ab 2004 mit Camping

Gäste
Übernachtungen
2010 319.393 1.026.307
2011 315.746 1.034.630
2012 332.635 1.093.586
2013 331.743 1.359.963
2014 388.924 1.274.571
2015 380.075 1.221.203
2016 402.374 1.259.640
2017 403.251 1.208.587

Das Bundesland Niedersachsen teilt sich in 14 Reisegebiete: Ostfriesische Inseln, Nordseeküste, Ostfriesland, Unterelbe-Unterweser, Oldenburger Land, Oldenburger Münsterland, Emsland Grafschaft Bentheim, Osnabrücker Land, Mittelweser, Lüneburger Heide, Weserbergland-Südniedersachsen, Hannover-Hildesheim, Braunschweiger Land und Harz.

Bad Bentheim - hier urlaubte schon der niederländische Adel

Seit 2002 zieht das Reisegebiet Emsland – Grafschaft Bentheim, das direkt an der niederländischen Grenze liegt, die meisten niederländischen Gäste an. Grund für die Zunahme ist das von der Europäischen Union gefördert Interreg IIIa-Projekt „Tourismusoffensive Euregio“ so die Geschäftsführerin des regionalen Fremdenverkehrsverbandes in Nordhorn, Manuela Westhuis. Seit 2001 läuft das sich über die Euregio Gronau-Enschede erstreckende Projekt, das vor allem dafür sorgt, dass Zielgruppen auf dem niederländischen beziehungsweise deutschen Markt besser angesprochen werden können. So hat die Grafschaft Bentheim im Rahmen dieses Projekts sämtliche Reise-Broschüren auch in Niederländisch aufgelegt. Die niederländischen Übersetzungen ihrer Internetseite www.grafschaft-bentheim-tourismus.de wurden überarbeitet. Gemeinsam mit den anderen Touristenregion im Grenzgebiet wurde eine Broschüre aufgelegt und eine Internetseite realisiert mit dem Titel „Geheim over de grens“, das den Niederländern die Grenzregion als Urlaubsregion nahe bringen soll. Für deutsche und niederländische Journalisten wurden Journalistenreisen organisiert. Allerdings ist das Engagement auf dem niederländischen Markt nicht absolut neu, betont Manuela Westhuis. Die Grafschaft Bentheim sei schon immer ein Urlaubsziel von Niederländern gewesen. Im 18. Jahrhundert war das zum Bad ernannte Bentheim sogar bevorzugtes Ziel des niederländischen Adels. Seit vor mehr als 10 Jahren der Fremdenverkehrsverband gegründet wurde, gibt es wieder ein starkes Engagement auf dem niederländischen Markt und zweisprachige Prospekte für die niederländischen Gäste. Diese Aktivitäten wurden jetzt durch das EU-Projekt erweitert und professionalisiert. Nicht in den Gästezahlen enthalten sind die Tagestouristen, die laut Westhuis in großer Zahl in die Region strömen. Für dieses Klientel wurde eine spezielle Tagesausflugbroschüre entwickelt.

Aktive Senioren

Die Altersstruktur der Besucher entspricht dem zukünftigen Trend: mehr als 80 Prozent der Besucher aus den Niederlanden sind über 50 Jahre. Davon sind 50 Prozent über 50 Jahre, und über 25 Prozent der Gäste zwischen 60 und 69 Jahre alt. Manuela Westhuis schätzt, dass die meisten Besucher aus dem niederländischen Ballungsgebiet, der Randstad, kommt. Genaue Analyse gebe es darüber jedoch nicht.

Autoren: Stefanie Tyroller und Online Redaktion
Erstellt:
November 2005
Aktualisiert: Dezember 2010 und 2019 (Onlineredaktion)