VI. Deutsche in der niederländischen Grenzregion

Gegen die Attraktivität der niederländischen Küste hat die deutsch-niederländische Grenzregion es schwer, sich zu behaupten. Denn die Deutschen suchen im Nachbarland vor allem das, was sie im eigenen Land nicht haben: das Meer. Die Grenzregion bietet sich vor allem zum Wandern und Fahrradfahren an, und das sind Aktivitäten, die auch in ganz Deutschland gut zu unternehmen sind. Darüber hinaus gibt es kleinere und mittelgroße Städte, historische Gebäude und Landschaften zu besichtigen. Trotz dieser für Deutschen unspektakulären Angebote kann sich besonders die Provinz Limburg, die im Süd-Westen der Niederlande liegt und eine der längsten Grenzen zu Deutschland aufweist, bei den deutschen Touristen gut behaupten. Immerhin stand sie im Popularitätsranking der Deutschen an vierter Stelle nach den Wasser-Provinzen Nord-Holland, Zeeland und Süd-Holland. Die Provinzen Gelderland, Overijssel und Drenthe, die sich nach Norden hin an Limburg anschließen, bewegten sich in der Vergangenheit im Mittelfeld. Groningen, die nördlichste Provinz, erreichte gerade einmal die Hälfte und gehört damit zu den unattraktivsten niederländischen Regionen für die Deutschen.

Limburg

Die Provinz Limburg ist landschaftlich bestimmt durch drei Gebiete. In Südlimburg befinden sich die größten Erhebungen der Niederlande mit dem sogenannten Dreiländerpunkt, an dem Deutschland, die Niederlande und Belgien zusammentreffen. Der Dreiländerpunkt ist die höchste Erhebung der Niederlande überhaupt und wird von den Niederländern mit seinen 323 Metern über dem Meeresspiegel gerne als Berg bezeichnet. Mittel- und Nordlimburg zeichnet sich durch flache, radelfreundliche Gebiete sowie die zahlreichen Gewässer um Roermond aus, die vor allem Wassersportler aus Köln und dem Ruhrgebiet anziehen. Deutschland ist die wichtigste Herkunftsregion für ausländische Touristen in der Provinz.

Für die ehemalige Bergbauprovinz Limburg mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit ist der Tourismus ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Mehr als 35.000 Limburger arbeiten in der Tourismus- und Erholungsbranche, die für die Provinz jährlich 10 Milliarde Euro generiert. Daher soll dieser Wirtschaftszweig weiter ausgebaut werden. Hauptzielgruppe in den nächsten Jahren sind die Senioren.

Gelderland und Overijssel

Mit einer dicken, vielfarbigen deutschen Broschüre werben die an der Grenze liegenden niederländischen Tourismusregionen der Provinzen Gelderland und Overijssel um deutsche Besucher. Da werden Städtetouren ebenso angepriesen wie die vielen guten Radfahrmöglichkeiten der Region, der Affenpark in Apenheul genauso wie der Nationalpark De Hoge Veluwe. Die Urlaubsmöglichkeiten werden auch im Internet unter  www.niederlande.de/grenzregion vorgestellt. Seit 2001 wird vom Gelders Overijssels Bureau voor Toerisme (GOBT) das niederländische Grenzgebiet intensiv im Nachbarland beworben. Geld dafür gibt untere anderem die Europäische Union im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative Interreg IIIa zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Seitdem sind laut GOBT die Gästezahlen aus Deutschland um 25 Prozent, die der Übernachtungen um 20 Prozent gestiegen, und das, obwohl insgesamt weniger Deutsche in die Niederlande kamen. Da bezogen auf die von der GOBT vermarktete Grenzregion keine absoluten Zahlen verfügbar sind, werden hier die Gäste- und Übernachtungszahlen je Provinz aufgeführt.

Gelderland und Overijssel

Beim Blick auf die Gästezahlen und ihre Übernachtungen je Provinz zeigen sich starke Schwankungen. Zwischenzeitlich erzielte Erfolge können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem Gelderland vor der Jahrtausendwende erheblich mehr Gäste aus Deutschland begrüßen und mehr Übernachtungen verzeichnen konnte als zu Beginn des neuen Jahrtausends. Erst ab 2005 scheinen die Zahlen an die früheren Erfolge anzuknüpfen.

Für die Niederlande ist Gelderland hingegen das liebste Urlaubsziel, was vor allem an Nationalpark De Hoge Veluwe, dem größten zusammenhängenden Grüngebiet der Niederlande, liegt. Ein Ausflug in die grüne Lunge des Landes ist ein beliebter Kurz-Tripp für die Niederländer. Entsprechend wichtig ist für die Provinz auch der Wirtschaftsfaktor Tourismus und Erholung. Jeder zwanzigste Arbeitsplatz in Gelderland hängt, so die Provinz-Regierung, mit dem Tourismus-Sektor zusammen.

Drenthe

Die Provinz Drenthe zeichnet sich neben allerlei Attraktionen wie dem Noorderdierenpark in Emmen und dem Freizeitpark Speelstad Oranje vor allem durch die Nationalparks Hondsrug, Dwingelder Veld und Drents-Friede Wold sowie Moorlandschaften aus. Die Urlauber – oft Familien - kommen nach Drenthe, um auf dem gut ausgebauten und ausgeschilderten Radnetz Fahrrad- und Mountainbike-Touren zu veranstalten oder zu wandern. Mit diesen Urlaubsaktivitäten sind die Deutschen nicht in Scharen in die Provinz zu locken.

Die Besucherzahlen deutscher Urlauber in Drenthe schwanken stark. Auch in Drenthe versuchen Städte wie die an der Grenze zu Deutschland liegende Stadt Emmen im Rahmen der von der Europäischen Union geförderten grenzüberschreitenden Interreg IIIa-Programme ihre Tourismus-Angebote und damit auch die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Die Provinz selbst versucht, sich als Fahrrad-Provinz zu etablieren und hat in diesem Jahr die Werbekampagne „Da’s nou Drenthe“ gestartet, um Besucher aus dem eigenen Land und Deutschland in die Provinz zu locken.

Groningen

Die geringsten Besucherzahlen aus Deutschland weist im Grenzgebiet die nördlichste Provinz der Niederlande, Groningen aus. Zwar finden sich Wassersportmöglichkeiten am „Lauwersmeer“ und entlang der Küste, doch liegen diese vom direkten Grenzgebiet relativ weit entfernt. Das direkte Grenzgebiet kann mit seinen Moorlandschaften, Wander- und Fahrradfahrmöglichkeiten die deutschen Gäste nicht in Scharen anziehen.

Um damals die Touristenzahlen in der Provinz zu verbessern wurde kurz nach der Jahrtausendwende ein Marketing-Büro eingerichtet, zu dem das Fremdenverkehrsamt Groningen (VVV) und das „Groningen Uitbureau“ gehörten.

Autoren: Stefanie Tyroller und Online Redaktion
Erstellt:
November 2005
Aktualisiert: Dezember 2013 und 2019 (Onlineredaktion)