XVI. Vorfahrt für Fahrräder

Interview mit Sabrina Makrinius. Sie kommt aus Erfurt und ist 25 Jahre alt. Sie hat in Amsterdam ihren „Master of American Studies“ abgeschlossen und macht gerade am Goethe-Institut in Amsterdam ein Praktikum. Sie würde gerne in der niederländische Hauptstadt bleiben.

Eine Deutsche erklärt, was sie und ihre Landsleute an Amsterdam begeistert:
„Das Flair von Amsterdam mit seinen vielen Grachten und belebten kleinen Straßen ist einzigartig. Das lässt sich mit keiner deutschen Stadt vergleichen. Alles ist so winzig hier, selbst die Wohnungen. Im Sommer ist die Stadt voller Touristen, da ist es schwer, einen Niederländer zu finden. Das hat manchmal schon was von Museum und ist eigentlich zuviel.“

Vorfahrt für Fahrräder

„Sehr gut gefällt mir, dass es hier so viele Fahrräder gibt und dass sie hier Vorfahrt haben. Wenn ich mal zu Fuß in der Stadt unterwegs bin, merke ich, wie wenig Rechte ich als Fußgängerin habe. Die Fußwege sind ja noch nicht mal ein Drittel so breit wie die Fahrradwege. Wenn ich von Freunden aus Deutschland Besuch bekomme, wundern die sich immer über die alten Klapperkisten. Hier hat man keine schicken teuren Räder oder Mountainbikes. Dafür werden hier auch viel zu viele Fahrräder geklaut. Hier fährt man auf alten, schweren und bequemen Hollandrädern.“

Niederländische Geselligkeit

„Die Niederländer sind sehr gesellig. Sie gehen viel mehr in Bars und auch viel öfter essen als wir Deutschen. Ich glaube, wir Deutsche sind einfach sparsamer. Im Moment ist in Amsterdam die neue Asien-Küche aktuell. Das ist eine leichte, gesunde und sehr leckere Kost. Das typische niederländische Essen schmeckt mir persönlich nicht so gut. Die Niederländer trinken übrigens hauptsächlich Bier. Wein gibt es hier ganz selten. Auch die Frauen trinken hier alle Bier.“

Ausgehen

„Wirklich toll finde ich es, wenn in Amsterdam Events stattfinden wie die lange Museumsnacht. Da ist die ganze Stadt voller Menschen, man kann viel sehen und erleben. Auf der Internetseite www.iamsterdam.nl kann man sich super darüber informieren, was in der Stadt los ist. Alle Ereignisse, Museen, Clubs und Festivals sind dort zu finden, und das Beste für uns Deutsche daran ist, dass die Seite auf englisch ist.“

Amsterdamer sind modebewusst

„Ich hatte das gar nicht erwartet, aber die Amsterdamer sind sehr modebewusst. Da wird man mitgeschliffen. Die einen gehen in die Kalverstraat, da gibt es die ganzen Einkaufsketten wie H & M oder Zara. Die anderen, die sich lieber individuell kleiden, gehen in die „9 Straatjes“, das ist ein Viertel mit vielen kleinen Geschäften. Deutsche Touristen findet man übrigens oft auf den Amsterdamer Märkten. Beliebt sind der Waterlooplein-Markt, auf dem es viele Second-Hand-Shops gibt und der Albert-Cuyp-Markt, wo Altes und Neues und sehr viel Essen angeboten wird.“

Deutscher Besuch im Van Gogh Museum

„Wenn ich aus Deutschland Besuch bekomme, wollen die meistens auch ins Van Gogh Museum. Er ist schließlich der wichtigste niederländische Maler. Aber was sie wirklich toll finden ist, wenn sie ein Fahrrad ausleihen und damit durch die Stadt fahren. „Man sieht Amsterdam plötzlich in einem völlig anderen Licht“, sagen sie dann.“

Coffeeshops nein danke

„Ich hatte auch das Klischee im Kopf, dass jeder Amsterdamer in Coffeeshops geht. Aber das stimmt gar nicht. Da geht keiner hin. Man sieht da vor allem amerikanische Backpacker. Die Niederländer finden das auch überhaupt nicht toll, dass sie auf Coffeeshops und das Rotlicht-Milieu reduziert werden. Ich selbst war nur einmal in einem drin. Mir gefällt es dort nicht, es ist dreckig, dunkel und schmuddelig. Wenn ich in ein Café gehe, möchte ich ein schönes Ambiente haben.“

Autoren: Stefanie Tyrolle
Erstellt:
November 2005
Aktualisiert: Dezember 2010