II. Sportcanon

Eine Vorstellung von der Bandbreite des Themas vermittelt der Sportcanon, eine Zusammenfassung der niederländischen Sportgeschichte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Verantwortlich dafür ist die Sportredaktion der Tageszeitung de Volkskrant unter der Leitung des Journalisten Bart Jungmann. Anfang 2011 der Öffentlichkeit präsentiert, stellt der Sportcanon eine Ergänzung des viel diskutierten allgemeinen Geschichtskanons von 2006 dar, in dessen 50 Kapiteln die wichtigsten historischen Ereignisse und Personen der Landesgeschichte enthalten sind.[1]

Die sportive Variante nun huldigt – neben Balltretern und Kufengleitern, selbstredend – große Champions aus den Disziplinen Eiskunstlauf, Judo, Leichtathletik, Radfahren, Reiten, Rollstuhltennis, Schach, Schwimmen, Tennis und Volleyball. Sie erinnert an Pim Mulier, den legendären Sportfunktionär, Gründer diverser Verbände und bekannt als „sehr strenger Vater des niederländischen Sports“[2]. Sie würdigt Joris van den Berg, der in den 1950er Jahren als „Pionier des Sportjournalismus“ galt und das Doping im Radrennsport kritisierte. Sie beschreibt, wie Sport der Emanzipation von Frauen und Arbeitern diente und porträtiert die Trimm-Dich-Bewegung (Trim U fit beweging) der 1970er. Auch der niederländische Boykott der Olympischen Spiele von 1956 ist vertreten, eine Reaktion auf die Niederschlagung des Ungarnaufstands.
Andacht erhalten daneben wichtige Sportereignisse auf niederländischem Boden. Motorsportrennen in Assen, die Startetappen zur Tour de France oder die Hockey-Weltmeisterschaften von 1998, die der Popularität des Sports im Land einen großen Schub gaben. Am Schluss der Liste steht ein Ereignis, das bisher erst vage am Horizont aufgetaucht ist, doch mit Macht seine Schatten voraus wirft: die 34. Olympischen Sommerspiele im Jahr 2028, für die sowohl Amsterdam als auch Rotterdam eine Kandidatur in Erwägung ziehen.


[1] Vgl. Jungmann, Bart et al.: De Sportcanon. De sportgeschiedenis van Nederland, Amsterdam 2011, S. 9ff.
[2] Zandbergen, Gijs: Pim Mulier. Zeer strenge vader van de Nederlandse sport, in: Jungmann, Bart et al.: De Sportcanon. De sportgeschiedenis van Nederland, Amsterdam 2011, S. 21.

Autor: Tobias Müller
Erstellt: Juli 2011