Freizeit- Personen A-Z


Ireen Wüst

*01. April 1986 in Goirle bei Tilburg, niederländische Eisschnellläuferin

Ireen TonIreen Wüst, vierfache Olympiasiegerin, vierzehnfache Welt- und zweifache Europameisterin, Quelle: House of Sports

Wenn in den Niederlanden von Eisschnelllauf die Rede ist, fallen immer wieder zwei Namen: Ireen Wüst und Sven Kramer. Beide sind die erfolgreichsten Athleten, die der niederländische Wintersport momentan zu bieten hat. Dabei sah es bei Ireen Wüst zunächst überhaupt nicht nach einer Eisschnelllauf-Karriere aus.

Ireen Wüst wurde 1986 im niederländischen Städtchen Goirle in der Nähe von Tilburg in der Provinz Nord-Brabant geboren. Ireen ist nach ihrem Bruder Bas und ihrer Schwester Ellen das dritte Kind von Jeannet und Wim Wüst. Wie der Umlaut in ihrem Nachnamen schon vermuten lässt, hat die Familie deutsche Vorfahren. Ende des 18. Jahrhunderts ist ein Ahn als Kaufmann ins friesische Dokkum ausgewandert.

Auch wenn Ireen Wüst schon zuvor Schlittschuh gelaufen ist, begann ihre Passion für den Eisschnelllauf im Alter von elf Jahren erst relativ spät. Vorher interessierte sie sich leidenschaftlich für Hockey und Tennis. Beide Sportarten trainierte sie bereits mit sechs Jahren je zwei Mal die Woche. So ließen auch im Tennis erste kleine Erfolge nicht lange auf sich warten. Beim Hockey versetzte sie Trainer und Mitspielerinnen mit ihrem Ehrgeiz und unermüdlichem Laufvermögen ins Staunen.

Ireen Wüsts Vater und ihr Onkel waren bereits begeisterte Eisschnellläufer, deren Ziel die Teilnahme an der Elfstedentocht war. Für den 200 km langen Wettkampf auf den Kanälen Frieslands trainierten die beiden Brüder im Winter 1996/97 gemeinsam. Dieses Ereignis schlug auch Ireen Wüst in ihren Bann. Sie bettelte und quengelte solange, bis ihre Eltern ihr ein Paar günstige Eisschnelllaufschuhe kauften. Die erste Tour auf ihren heißgeliebten Kufenschuhen machte die zukünftige Eislaufgröße von Heerenveen über den Kanal nach Akkrum. Danach hatte sie Ihr Herz vollends an den Eisschnelllauf verloren.

Sehr schnell stellte Ireen Wüst allerdings fest, dass sie für nunmehr drei Sportarten nicht trainieren konnte. Obwohl sie den Eisschnelllauf zunächst nur aus purer Lust betrieb und im Tennis bereits Clubmeisterschaften gewonnen hatte, gab sie der gelben Filzkugel den Laufpass. Als Ireen Wüst dann auch an den Wochenenden ab und zu an einem Wettkampf teilnahm, stellte sie fest, dass ihre Zielzeiten für ihr Alter recht gut waren. Da nicht nur ihr die guten Zeiten auffielen, stand sie kurze Zeit später in der Jugendauswahl der Provinzen Nord-Brabant/Limburg. Mit 15 Jahren machte Ireen Wüst das erste Mal national auf sich aufmerksam. Bei den niederländischen Meisterschaften für Junioren lief sie in zwei Disziplinen unter die besten fünf. Im darauf folgenden Jahr – das erste in einer Profimannschaft – verbesserte sie sich über die lange Strecke und den Sprint jeweils auf den zweiten Platz. Neben den beiden Vizetiteln erfüllte sich für den Teenager ein weiterer Traum: Sie erhielt eine Einladung zu „Jong Oranje“ und zählte damit zur nationalen Nachwuchselite. Ihre Berufung rechtfertigte Ireen Wüst 2005, als sie Junioren-Weltmeisterin im Allroundwettkampf wurde. Im gleichen Jahr gewann sie auch die niederländischen Titelkämpfe über 1.000, 1.500 und 3.000 Meter.

2006 sollte dann ihr Jahr werden. Über 1.000 und 1.500 Meter sowie im Allroundwettkampf wurde Ireen Wüst erneut dreifacher Champion. Der Höhepunkt für die erst 19-Jährige war jedoch der überraschende Olympiasieg über 3.000 Meter bei den Winterspielen in Turin. Zur Goldmedaille konnte sie zudem noch eine bronzene über die 1.500 Meter-Distanz ins Rückreisegepäck legen. Daheim in den Niederlanden wurde das erfolgreiche Jahr mit der Ehrung zur Sportfrau des Jahres abgerundet. Der Medaillenregen hielt auch im folgenden Jahr an: Drei Weltmeistertitel (1.000 Meter, 1.500 Meter, Allroundwettkampf) und der Weltcuptitel über 1.500 Meter waren die Highlights im Jahr 2007. 2008 und 2009 wurde es etwas ruhiger um die Eisschnellläuferin. Bei den Wettkämpfen wirkte sie oft übertrainiert und mit insgesamt drei Titeln füllte sich der Trophäenschrank wesentlich langsamer als in den Vorjahren. Bei der Olympiade im kanadischen Vancouver trieb die Nord-Brabanterin dann allerdings ihre Landsleute mit Gold über 1.500 Meter wieder zum kollektiven Jubel. Dieser Erfolg schien Ireen Wüst für 2011 neuen Elan zu verleihen. Neben dem nationalen Abonnement-Titel über 1.500 Meter wurde sie über die selbe und die doppelte Distanz sowie im Allroundwettbewerb erneut dreifache Weltmeisterin. Nachdem bei der Weltmeisterschaft 2012 „nur“ der Titel in der Mannschaftsverfolgung Einzug in ihre Biographie fand, beherrschte Ireen Wüst die Konkurenz im folgenden Jahr nach Belieben: Vier Mal stand sie auf dem Podest ganz oben und darf sich somit aktuell Weltmeisterin über 1.500 und 3.000 Meter, im Allroundwettbewerb und in der Teamverfolgung nennen.

Die Winterolympiade 2014 sollten die Spiele von Ireen Wüst werden. Das jedenfalls war schon im Vorfeld die Meinung der Medien und vieler Sportinteressierten. Dreimal Gold von der Eisschnellläuferin war bei den meisten von vornherein in den Medaillenspiegel eingerechnet. Der Druck auf Ireen Wüst war dementsprechend hoch. Und so konnte man auch die Schwäche der Ireen Wüst bei diesen Spielen sehen. Nachdem sie über 3.000 Meter souverän Platz Eins des Siegertreppchens erobert und über die 1.000 Meter hinter der favorisierten Chinesin Hong Zhang Silber erlaufen hatte, glaubte auch sie selbst offensichtlich das das goldene Edelmetall über ihre Paradedistanz 1.500 Meter reine Formsache sei. Und genau dies schien dann in anderer Bedeutung der Fall zu sein. Landsfrau Jorien ter Mors war am Wettkampftag besser in Form und verwies die große Favoritin auf die Plätze. Diese konnte sich über die Silbermedaille offensichtlich nicht wirklich freuen und verschwand zunächst wortkarg in den Katakomben, um auch in der Pressekonferenz keine wirkliche Zufriedenheit über die zweitschnellste Zeit ausstrahlen zu können.

Aber Ireen Wüst entschädigte sich selbst. Mit einer weiteren, dritten Silbermedaille über die 5.000 Meter – einer Distanz, auf der sie nicht als haushohe Favoritin galt – und einer zweiten Goldmedaille in der Teamverfolgung ist sie die Athletin mit den meisten Medaillen bei den olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi.

Für ihre Erfolge muss die Eisschnellläuferin hart trainieren. Im Sommer stehen täglich vier bis sechs Stunden, im Winter neben den zahlreichen Wettkämpfen noch zusätzlich zwei bis vier Stunden Training auf dem Programm. Ruhe bei all dem Wettkampfstress findet Ireen Wüst bei ihrer Familie, die ihr sehr wichtig ist. Ansonsten gestaltet sie auch Ihre Freizeit mit sehr viel Sport – vornehmlich Hockey und Tennis.  

Autor: Marcus Lübbering
Erstellt: Februar 2014


Links

Wichtige Institutionen im Bereich Freizeit finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Sportland Niederlande

Weitere Informationen befinden sich im Kurzbeitrag Eislauffieber

Offizielle Website von Ireen Wüst

Literatur

Alle bibliographischen Angaben der Rubrik Freizeit finden Sie unter Bibliographie


Impressum | Datenschutzhinweis | © 2018 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel: +49 251 83-28516 · Fax: +49 251 83-28520
E-Mail: