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Louis van Gaal

*Amsterdam, 8. August 1951 – ehemaliger Profi-Fußballer, Trainer der niederländischen Fußballnationalmannschaft

Louis van Gaal
Louis van Gaal: Schafft er es im zweiten Anlauf, Oranje zum Erfolg zu führen?, Quelle: Wikimedia Commons

„Dies ist die Herausforderung, auf die ich gewartet hatte“, erklärte Aloysius Paulus Maria van Gaal nach seiner Ernennung zum Trainer der niederländischen Fußballnationalmannschaft im Juli 2012. Der weltberühmte und international erfolgreiche Trainer aus Amsterdam sollte den niederländischen Fußball nach der verqueren Europameisterschaft 2012 zu neuem Ruhm führen: Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 kam die niederländische Fußballnationalmannschaft bis ins Halbfinale. Seine Landsleute hatten nicht mit einem so guten Abschneiden der niederländischen Elf gerechnet. Denn in van Gaals erster Amtszeit als Bondscoach hatte Oranje es nicht einmal geschafft, sich für die Weltmeisterschaft 2002 zu qualifizieren.

Pflichtbewusstsein und Disziplin

Louis van Gaal wurde als jüngstes von neun Kindern in eine römisch-katholische Familie in Amsterdam-Ost hineingeboren. Sein Vater, der für die Steinkohlen-Handelsvereinigung arbeitete,  hatte ein Herzleiden und starb als Louis elf Jahre alt war. Die Mutter musste fortan die kinderreiche Familie allein durchbringen. Pflichtbewusstsein und Disziplin kennzeichneten deshalb Van Gaals Jugendzeit.  Er soll ein ruhiger, schüchterner Junge gewesen sein.

Bereits mit 22 Jahren heiratete Louis van Gaal seine erste Frau Fernanda. Das Paar bekam zwei Töchter, Brenda und Renate. „Das Familienleben war ihm sehr wichtig. Wir redeten miteinander, über Normen und Werte, darüber wie man mit anderen Menschen umgeht und wie nicht“, so Brenda über den Vater gegenüber Vrij Nederland.  Der frühe Krebstod Fernandas im Jahr 1994 erschütterte Van Gaal zutiefst in seinem katholischen Glauben. „Ich fühlte tief in mir, dass ich mit Gott nichts mehr zu tun haben wollte, weil er dies geschehen ließ“, schrieb Van Gaal in seiner Autobiographie. Seine neue Partnerin, Truus Opmeer, heiratete Van Gaal 2008.

Seine schulische Bildung erhielt er am von Patern geführten Sint-Nicolaaslyceum in Amsterdam.  Nach dem Abschluss studierte er Sport. 1969 legte er eine Aufnahmeprüfung für die Akademie für Körperliche Ertüchtigung (ALO) in Amsterdam ab; er bestand ohne Mühe. In seiner Freizeit spielte Van Gaal für den römisch-katholischen Fußballverein RKSV De Meer. Als  eigenwilliger Student, dem es an Selbstbewusstsein nicht mangelte, antwortete er auf Fragen, wie er am Wochenende gespielt habe, mit: „Wie ich gespielt habe? Was dachtest Du denn? Ich war der Beste! Ich müsste schon längst für Ajax spielen.“ 1971 bot dann tatsächlich Ajax Amsterdam dem jungen Van Gaal einen Vertrag an. Er spielte dort zwei Saisons lang, doch meist war er nach Johan Cruijff nur zweite Wahl.

Also wechselte er zum belgischen Verein FC Antwerp. Van Gaal war ein Techniker, der einen guten Überblick hatte, aber zu wenig Tempo. In den vier Jahren, die er in Antwerpen spielte, schaffte er es nicht in die Startelf. Sein Trainer erklärte ihm: „Du bist in bestimmten Bereichen vielleicht der Beste, doch du bist einfach zu träge.“

Harte Schale – weicher Kern

1977 kehrte Van Gaal in die Niederlande zurück und spielte bei Telstar in Velsen-IJmuiden. Nach einem Jahr wechselte er zu Sparta Rotterdam. Neben seiner Fußballerkarriere verdiente er als Sportlehrer Geld.  Die  Schüler mochten den strengen, aber geradlinigen Dozenten. Die Lehrerrolle gefiel auch Van Gaal selbst.  Bei Sparta wurde er zur rechten Hand des Trainers Theo Vonk. 1988 wurde er dann Assistenztrainer von Leo Beenhakker bei Ajax Amsterdam. 1991 wurde er hauptverantwortlicher Trainer. Unter seiner Ägide gewann der Verein drei Mal in Folge die niederländische Meisterschaft.

Patrick Kluivert, ehemaliger Nationalspieler, beschreibt Van Gaal als „Ausnahme-Trainer“. „Er hat mich als Fußballer wirklich besser gemacht.“ Auch Kluiverts Kollege Ronald de Boer sieht hier Van Gaals große Stärke als Trainer: „Er macht Spieler besser. Sowohl technisch als auch taktisch.“ Gleichzeitig flößt Van Gaals Präsenz auch Angst ein. „Wir hatten großen Respekt vor ihm. Auf eine gewisse Art spielte auch Angst mit rein. Wenn du schlecht gespielt hattest, hast du dich während der Besprechung beinahe hinter den Jacken an der Garderobe verkrochen“, so Ronald de Boer. Hart und streng, nicht zuletzt zu sich selbst, so ist Louis van Gaal. „Wenn Du ihn nicht kennst und ihn dann auf den Pressekonferenzen so ausrasten siehst, denkst Du: Was für ein Tyrann, was für ein arrogantes Arschloch“, so Frank de Boer, ehemaliger Nationalspieler, „Er sollte sich natürlich nicht so viel Sorgen um unwichtige Dinge machen. Doch wer ihn wirklich kennt, der schätzt ihn auch. Denn von einer Sache bin ich überzeugt: Louis van Gaal ist ein Mann bei dem man untertauchen kann.“ 

Von 1997 bis 2000 und von 2002 bis 2003 arbeitete Van Gaal für den FC Barcelona. Auch hier hatte er Erfolg. Der Verein wurde zwei Mal Landesmeister und endete in einer Saison auf Platz zwei der Tabelle.  Weniger Glück war Van Gaal 2000 bis 2002 beschieden, als er versuchte die niederländische Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan vorzubereiten. Die Niederlande qualifizierten sich nicht für das Turnier. Van Gaal nannte das Ausscheiden „die größte Enttäuschung seiner Trainerkarriere“.

Nach zwei Jahren als Technischer Direktor bei Ajax, wurde Van Gaal von 2005 bis 2009 Trainer von Alkmaar Zaanstreek. 2007 wurde er von Spielern und Trainerkollegen zum Coach des Jahres gewählt. Und wie um die Vorschusslorbeeren abzuarbeiten, führte Van Gaal AZ in der Saison 2008/2009 zur niederländischen Fußballmeisterschaft. Kurz darauf wechselte er zu Bayern München. Auch hier wirkten seine Methoden zunächst. Der FC Bayern kam 2010 ins Championsleague-Finale, gewann den DFB-Pokal und wurde deutscher Meister. Wenig verwunderlich: Van Gaal wurde daraufhin zum besten Trainer der Bundesliga gewählt. Nach einer eher enttäuschenden Folgesaison, verließ Van Gaal Deutschland jedoch wieder.

2011 machte Van Gaal dann weniger durch sportliche Erfolge als durch Streitereien mit seinem Erzfeind Johan Cruijff auf sich aufmerksam. Seine geplante Anstellung als Allgemeiner Geschäftsführer bei Ajax Amsterdam wurde durch diesen, selbst Teil der Ajax-Führungsriege, erfolgreich angefochten (NiederlandeNet berichtete).

Weltmeisterschaft 2014

Auch nach Van Gaals erneuten Ernennung zum Nationaltrainer im Juli 2012 ließ Kritik von Cruijffs Seite nicht lange auf sich warten. In seiner Fußball-Kolumne für die Boulevardzeitung De Telegraaf bemängelte Cruijff die „Rekordzeit“, in der Louis van Gaal zum neuen Nationaltrainer ernannt wurde. „Ob es eine gute oder schlechte Entscheidung ist, hängt nun auch vom Zufall ab. Das darf nicht sein.“

Umso bemerkenswerter, dass Cruijff van Gaal für sein Geschick während der Weltmeisterschaft 2014 lobte: „Was das Spiel gegen Costa Rica angeht, hat mir vor allem der Torwartwechsel gefallen“, so Cruijff in seiner Kolumne für De Telegraaf. „Ich hatte schon so ein Gefühl als nicht mehr gewechselt wurde, obwohl das Spiel das eigentlich verlangte. Das konnte nur einen Grund haben. Ich fand es jedenfalls großartig.“ Der eingewechselte Torwart Tim Krul sollte zwei Elfmeterschüsse halten und damit den Einzug ins Halbfinale sichern. Auch Spieler Arjen Robben hatte van Gaal bereits zu einem früheren Zeitpunkt „ein goldenes Händchen“ bei den Auswechslungen bescheinigt.

Im Halbfinale trafen die Niederlande auf Argentinien, und verloren im Elfmeterschießen. Die Enttäuschung nach der Niederlage war groß. „Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll. Das ist hart und tut echt weh. Ich fand, dass wird mehr verdient hätten“, so Wesley Sneijder nach dem Spiel. Auch van Gaal ärgerte sich: „Es ist die schlimmste Art und Weise überhaupt, ein Spiel im Elfmeterschießen zu verlieren. Natürlich sind wir sehr enttäuscht. Aber trotzdem hat meine Mannschaft bei diesem Turnier eine fantastische Leistung gezeigt. Niemand hatte von uns erwartet, dass wir das Halbfinale erreichen.“ Das sogenannte „Trostfinale“ gegen Brasilien gewann die Elftal souverän, auch wenn Van Gaal im Vorfeld moserte: „ Ich sage schon seit zehn Jahren: Man sollte dieses Spiel um Platz drei abschaffen.“

Bei ihrer Rückkehr in die Heimat wurden Spieler und Trainer von mehreren Hundert Fans begrüßt. „Mit so einem Empfang haben wir nicht gerechnet“, sagte Daryl Janmaat. Vom Flughafen ging es in das traditionelle Mannschaftshotel nach Noordwijk, wo noch einmal rund 2.000 Fans auf die Spieler warteten. Dort verabschiedeten sich Spieler und Trainer voneinander. Für Louis van Gaal ging es direkt weiter. Er trat wenige Tage darauf seine neue Stelle als Teammanager bei Manchester United an. Sein Nachfolger wurde Guus Hiddink.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2012
Aktualisiert: August 2014


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Gaal, Louis van/Heukels,Robert: Biografie van Louis van Gaal / De visie van Louis van Gaal, Zegveld, 2009.


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