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Totilas

*20. Mai 2000 – weltbekanntes Dressurpferd und dreifacher Weltrekordhalter

TotilasDressurhengst Totilas mit seinem ehemaligen Reiter Edward Gal, Quelle: Roland Hitze/cc-by 

„Wunderpferd“, „Ausnahmetalent“, “Übermächtiger König der Dressur“ oder „anrührendster Tänzer des Dressursports“ – mit all diesen Titeln wurde die Leistung Totilas in der Presse gewürdigt. Der im Jahr 2000 in den Niederlanden geborene Rapphengst löste mit seinen Leistungen im Dressursport einen wahren Hype unter Fachleuten und Laien aus und gilt im Pferdesport als die Entdeckung des Jahrhunderts.

Bereits im Alter von fünf Jahren hatte Totilas seine ersten großen Auftritte als Dressurpferd, bei denen ihm von Fachleuten ein besonderes Talent für diesen Sport bescheinigt wurde. Von 2006 bis 2010 wurde er dann vom niederländischen Dressurreiter Edward Gal weiter ausgebildet und auf Turnieren vorgestellt. Mit Gal erreichte der Hengst seine größten Erfolge, darunter der Sieg bei den niederländischen Meisterschaften und dem CHIO Rotterdam (2009).

Seinen internationalen Durchbruch erreichte Totilas spätestens im selben Jahr auf den Europameisterschaften im englischen Windsor: Mit zweimal Gold und einmal Silber waren er und sein Reiter Edward Gal das erfolgreichste Paar des Turniers. Außerdem stellte Totilas auf den Europameisterschaften gleich zwei neue Weltrekorde auf (84,085 Prozent im Grand Prix de Dressage und 90,750 Prozent in der Grand Prix Kür). Noch nie zuvor wurde die Vorstellung eines Paares von den Richtern so hoch bewertet. Doch Totilas selbst gelang es im selben Jahr seinen Weltrekord in der Grand Prix Kür zu brechen sowie beim CHIO 2010 in Aachen einen weiteren Weltrekord aufzustellen (Grand Prix Spécial des CDIO 5* mit 86,458 Prozent). Neben den Rekorden gewann er etliche weitere Prüfungen in der höchsten Leistungsklasse im Dressursport. Seinen sportlichen Höhepunkt feierte der Hengst 2010. Bei den Weltreiterspielen im US-amerikanischen Lexington ging er in drei verschiedenen Prüfungen an den Start und holte mit Edward Gal und der niederländischen Mannschaft dreimal Gold. Den beiden gelang es, innerhalb von zwei Jahren nahezu alle wichtigen Auszeichnungen des Dressursports zu gewinnen.

Das Jahr 2010 war gleichzeitig jedoch auch ein Wendepunkt seiner Karriere. Für geschätzte 10 Millionen Euro wurde der schwarze Hengst nach Deutschland verkauft. Der bekannte Unternehmer und Züchter Paul Schockemöhle erwarb das Pferd zusammen mit Ann Kathrin Linsenhoff, die früher selbst im Dressursport erfolgreich war. Geritten wird Totilas seitdem von Linsenhoffs Stiefsohn Matthias Rath.

Aber obwohl Rath 2011 und 2012 mehrere Siege mit dem Pferd verzeichnen konnte, gelang es den beiden bislang nicht, die sehr hohen Erwartungen zu erfüllen. Pferd und Reiter wurden immer wieder vom Krankheits- oder Verletzungspech verfolgt und konnten deshalb an vielen wichtigen Turnieren nicht teilnehmen. So erkrankte Rath vor den Olympischen Spielen 2012 am Pfeifferschen Drüsenfieber, was eine Teilnahme für ihn unmöglich machte. Daraufhin legte das Paar eine beinahe zweijährige Turnierpause ein. Erst 2014 trat Totilas unter Rath wieder bei hoch dotierten Turnieren an und qualifizierte sich mit einem überragenden Sieg in Aachen für die Weltmeisterschaften im französischen Caen 2014. Doch auch in diesem Jahr wurde Totilas vom Pech verfolgt. Er verletzte sich kurz vor der Abreise nach Frankreich im Training am Bein und musste tierärztlich behandelt werden. Obwohl die Verletzung schnell ausheilte, wurde der Hengst aufgrund der verabreichten Medikamente von der Teilnahme ausgeschlossen.

Neben seinen sportlichen Erfolgen ist Totilas ein erfolgreicher Deckhengst. Da er selbst zu der Rasse des Königlichen Niederländischen Warmblutpferdes (KWPN) zählt, die aus verschiedenen Warmblutrassen hervorgegangen ist, ist er selbst auch für sehr viele Zuchtverbände zugelassen. Züchter zahlten bis zu 8.000 Euro für die Befruchtung ihrer Stuten. Auf einer Auktion 2012 erzielte ein Nachkomme von Totilas einen Verkaufspreis von 200.000 Euro und gilt somit als das teuerste Fohlen aller Zeiten.

Neben den Rekorden, die der Hengst bisher aufstellte, setzte er auch im Marketing neue Maßstäbe. Totilas ist das erste Pferd, das eine eigene Homepage, einen Facebook-Account und sogar einen eigenen Pressesprecher besaß. Außerdem sicherte sich Michael Mroz, Lebensgefährte des Ex-Außenministers Guido Westerwelle und Größe des Aachener Pferdesports, im Jahr 2011 die Vermarktungsrechte von Totilas-Produkten. Das Pferd wurde zu einer eigenen Marke. Von Totilas-Tassen bis hin zu Totilas-Satteldecken oder Totilas-T-Shirts reichte die Auswahl, die Fans des Pferdes erwerben konnten. Mit dem Ausbleiben der Erfolge wurde der Ausbau der Marke Totilas jedoch auch zurückgefahren.

Da er in Deutschland nicht an die Erfolge anknüpfen konnte, die er unter Edward Gal in den Niederlanden erreichte, ist es seit 2012 ruhiger um den Wunderhengst Totilas geworden. Die Marketingaktivitäten wurden stark eingeschränkt. Zudem stand das Team um Totilas immer wieder in der Kritik. So kam es sogar zu einer Anzeige der Tierschutzorganisation PETA, die die Trainingsmethoden und den fehlenden Weidegang des Hengstes beanstandeten. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Derzeit arbeiten Matthias Rath und Totilas an einem Comeback im Dressursport. Ob dies gelingen wird, bleibt abzuwarten.

Autoren: Katrin Grave
Erstellt: November 2014


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