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Gratia Maria Margaretha van den Bergh - Baronesse Schimmelpenninck van der Oye

*Doorn, 10. Juli 1912 – † Den Haag, 12. Februar 2012 – Skipionierin

Winterspiele 1936Olympia-Abfahrtslauf 1936: hier Schimmelpennincks Konkurrentin Jeanette Kessler aus England, Quelle: Wikimedia Commons, BArch (R 8076 Bild-0114)/cc-by-sa

„Skifahren ist ein wilder Tanz ins Tal, bei dem Du noch gerade so die Kontrolle behältst“, so Gratia Schimmelpenninck van der Oye über den Sport, der sie berühmt machen sollte. Sie nahm als erste niederländische Frau überhaupt an Olympischen Winterspielen teil. Ein Jahr zuvor hatte sie als erste und bis heute einzige niederländische Weltklasse-Skiläuferin bei den Weltmeisterschaften 1935 Rang sechs belegt. Ebenfalls als erste Frau wurde sie 1938 Vorstandsmitglied des internationalen Skiverbandes FIS. Ihr ist es unter anderen zu verdanken, dass der Riesenslalom offizieller Teil des Alpinen Skirennens wurde.

Gratia Schimmelpenninck van der Oye wurde 1912 als Tochter von Henriette Huyssen van Kattendijke und Alphert Schimmelpenninck van der Oye in Doorn geboren. Die Familie war von Adel. Zudem war ihr Vater nicht nur der Bürgermeister des Ortes sondern hatte während der Olympischen Sommerspiele 1928 in Amsterdam auch den Vorsitz des Niederländischen Olympischen Komitees inne. Dieses gutgestellte, sportliche Elternhaus in Kombination mit ihrer Jugend in Österreich führte dazu, dass sie als 19-jährige mit dem Alpinen Skirennen begann. Für das Training schloss sie sich zunächst der lokalen Jugendmannschaft, dann ihren männlichen Kollegen  des französischen und englischen Nationalteams an.

Mit Erfolg: Ab Mitte der 1930er Jahre konnte sie sich bei den internationalen Abfahrten einen Namen machen. 1935 wurde sie bei der Skiweltmeisterschaft in der Schweiz Sechste im Abfahrtslauf. Beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel desselben Jahres wurde sie in allen drei Disziplinen (Abfahrt, Slalom, Kombination) Erste. Ebenfalls auf Platz eins kam sie im Jahr darauf bei einer weiteren, traditionsreichen Sportveranstaltung des alpinen Skisports, dem Arlberg-Kandahar-Rennen. 1936 sollte Schimmelpenninck van der Oye zur niederländischen Olympia-Mannschaft gehören.

Die Winterspiele 1936 fanden in Garmisch-Partenkirchen statt.  Schimmelpenninck van der Oye ging hier als erste Frau für die Niederlande bei Olympischen Winterspielen an den Start.  Beinahe hätte man sie nicht teilnehmen lassen. Am Vorabend ihres Wettkampfs erhielt sie die Mitteilung, dass sie wegen eines Verstoßes gegen die Amateurregeln nicht startberechtigt sei. Nach einem Protest ihres Vaters beim Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, der daraufhin die Sperrung aufhob, fuhr Schimmelpenninck am Morgen des 7. Februar 1936 doch noch das Rennen. Doch sie enttäuschte – vor allem sich selbst. Die Zeitung Het Vaderland schrieb am 15. Februar 1936: „Komtesse Schimmelpenninck war mit ihrem Resultat nicht zufrieden. Sie ist zweimal gestürzt.“ Sie kam in der Endwertung nur auf Platz 14, was ihren Ruhm in der niederländischen Öffentlichkeit dennoch nicht schmälerte. Der Mannschaftsführer Van Laer, wurde mit den Worten zitiert, er sei „sehr zufrieden über die Leistung unserer Skiläuferin.“  „Und die Ausländer“, so Het Vaderland weiter, „haben vor allem die elegante Art des Skilaufens unserer Landesgenossin gerühmt.“

Nach diesen Olympischen Spielen zog sich Schimmelpenninck van der Oye aus der internationalen Skiwelt zurück. Zumindest sollte sie nicht mehr selbst an Wettkämpfen teilnehmen, auch wenn sie weiter mit der niederländischen Mannschaft trainierte.  Sie war zwei Mal Jurymitglied beim Ski Alpin während Olympischen Spielen und wurde als erste Frau Vorstandsmitglied des FIS.

1939 heiratete die berühmte Skiläuferin Henri van den Bergh, was ihr den beeindruckend langen Namen Gratia Maria Margretha van den Bergh - Baronesse Schimmelpenninck van der Oye einbrachte.  Das Ehepaar wohnte in Wassenaar und bekam vier Kinder. 1971 wurde die Ehe jedoch wieder geschieden. Kurze Zeit später, während der 1970er Jahre, erlangte Schimmelpenninck van der Oye noch einmal nationale Bekanntheit, dieses Mal mit ihrem Diätclub „Gratia Club voor Slankblijvers“ (dt. Gratia Club für Schlankbleiber), der später in den Weight Watchern aufgehen sollte.

1997 ernannte die Niederländische Skivereinigung (NSkiV) Schimmelpenninck zum Ehrenmitglied. Zudem rief die NSkiV  in ihrem Namen den Gratia Schimmelpenninck van der Oye Fonds zur Förderung junger Skitalente ins Leben. So wird die niederländische Skipionierin, die im Februar 2012 im hohen Alter von 99 Jahren starb, auch nach ihrem Tod noch für viele Sportler und Sportlerinnen noch wegweisend sein.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: Februar 2012


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