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Anton Geesink

*Utrecht, 6. April 1934 - †Utrecht, 27. August 2010 - Judoka

Anton GeesinkAnton Geesink bei den Olympischen Spielen 1964 gegen den Japaner Kaminaga, Quelle: NA (917-1188)

Fällt in Japan der Name Geesink, kann allgemein mit Begeisterung gerechnet werden – denn Anthonius Johannes Geesink schaffte das, was keiner vor ihm schaffte: Er wurde als erster Nicht-Japaner Weltmeister und Olympiasieger im Judo. 1961 besiegte Geesink bei den Weltmeisterschaften in Paris drei japanische Judomeister und gewann Gold. Später erklärte Geesink, für ihn sei dieser Sieg keine Überraschung gewesen: „Ich hatte fünf Jahre in Japan trainiert, ich wusste, dass ich keine Angst vor den japanischen Judokas haben musste.“

Bevor die sportliche Karriere des 1934 geborenen Athonius Johannes Geesink begann, verließ der Sohn einer einfachen Arbeiterfamilie mit zwölf Jahren die Schule. Seine Eltern konnten sich die schulische Ausbildung ihres Sohnes nicht mehr leisten. Geesink arbeitete von da an auf dem Bau – bis er sich ganz dem Sport widmete. Bereits 1951 nahm Anton Geesink an den Europäischen Meisterschaften im Judo teil und wurde Zweiter.  Ein Jahr später folgte der erste Platz.

Der Höhepunkt seiner sportlichen Karriere war für Geesink aber der Sieg  bei den Olympischen Spielen in Tokio im Jahr 1964. Es war das erste Mal, das Judo als Olympische Disziplin ausgeschrieben war. Vor 18.000 größtenteils japanischen Zuschauern schickte Geesink seinen Gegner Akio Kaminaga wortwörtlich von der Matte, oder besser der Tatami. Dieser Sieg gegen den japanischen Favoriten ist in die Geschichte des niederländischen Sports eingegangen ist – und in die des japanischen Judos. Bis heute verehren die Japaner Geesink vor allem für seinen großen Respekt vor den Regeln des Judo: Geesink schickte sein jubelndes Team wieder zurück zur Bank, half seinem Gegner wieder auf die Beine und verneigte sich traditionsgemäß vorm Schiedsrichter und seinem Gegner. Geesink achtete die Regeln des Protokolls, die Japaner achten bis heute sein Andenken.

Diese Achtung beruhte jedoch auf Gegenseitigkeit. Für Geesink war Japan seine zweite Heimat. In einem Interview mit der Zeitschrift „Sport International“  im Jahr 1987, sagte er: „Was ich an den Japanern schätze, ist ihre Disziplin, ihre guten Umgangsformen und ihr Respekt vor Älteren. Einen Nachtteil sehe ich in ihrer unterwürfigen Haltung gegenüber Menschen aus der westlichen Welt. Eigentlich habe ich aber dazu beigetragen. Ich habe ihnen einen Teil ihres nationalen Stolzes, den Olympischen Titel, weggenommen. Im Nachhinein finde ich das schade.“

Auch nach seiner aktiven Sportkarriere, die er mit 21 europäischen, 16 nationalen und zwei Weltmeistertiteln beendete, engagierte sich Geesink für seine Leidenschaft Judo. Zunächst nur in den Niederlanden, ab 1987 auch international als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Geesink war bis zum Schluss von großer Bedeutung für den  internationalen Sport. 1997 wurde ihm der 10. Dan – der höchste Grad im Judo – überreicht. Nur 18 Judokas weltweit durften sicher bisher  dieser Ehre erfreuen, davon sind drei allein Japaner. Zudem wurde Geesink zum Ritter im Orden von Oranje-Nassau ernannt, von Japan mit dem Orden des Heiligen Schatzes geehrt und 2004 in der Hall of Fame der International Judo Federation (IJF) aufgenommen.

Doch Geesink ist nicht nur für seine sportlichen Triumphe im Judo bekannt, auch als Ringer – er wurde drei Mal nationaler Champion im Griechisch-Römischen Ringen – und in einer Filmproduktion konnte sich Anthonius Johannes Geesink einen Namen machen. Mit einer Größe von 1,98 Meter war der 125 Kilo schwere Athlet wie geschaffen für die Rolle des Richters Samson; in dem 1965 entstandenen italienischen Werk „Grandi Condottieri“ (dt. Gideon und Samson) von Regisseur Marcello Baldi verkörpert Geesink den wohl stärksten Mann der Bibel. Der Film handelt von der Befreiung des Volkes Israel von der Tyrannei der Philister durch die unermessliche Stärke Samsons.

Diese Stärke verkörperte Anton Geesink aber nicht nur auf der Leinwand. Im Allgemeinen galt der gebürtige Utrechter als willensstark, er wusste seine Ziele durchzusetzen: So sorgte er beispielsweise dafür, dass bei Wettkämpfen im Judo die Kämpfer in weiß und blau antreten um die Entscheidungen für die Richter zu vereinfachen. Bekannt ist Geesink auch für seine Reibereien mit dem Vorstand des Niederländischen Olympischen Komitees (NOC). Geesink fühlte sich vor allem durch den ehemaligen Vorsitzenden Hans Blankert (1999-2003) beleidigt und erhob 2006 sogar Anklage gegen diesen.  Blankert habe ihn angeblich nicht gerecht behandelt: er sei weder begrüßt worden bei Sitzungen, noch wurde ihm ein Platz am Tisch reserviert, wie es bei Geesinks Vorgänger im Komitee noch üblich gewesen sei. „Sie zwingen mich, eine Solotour zu gehen“, soll Anton Geesink Blankert vorgeworfen haben.

Anton Geesink war Lehrer für viele Judokas, entwarf neue Trainingsmethoden, setzte sich international für den Sport ein und zählte zu den größten niederländischen Athleten des vorherigen Jahrhunderts. Anton Geesink verstarb am 27. August 2010 im Alter von 76 Jahren nach einer kurzen Krankheit in Utrecht.

Autorin: Agnes Sieland
Erstellt: August 2010


Literatur

Alle bibliographischen Angaben der Rubrik Freizeit finden Sie unter Bibliographie

Geesink, Anton: Tot hier en niet verder. Herinneringen van een topatleet en internationaal sportbestuurder, Utrecht 2000.

Kooman, Kees: Een killer in Kimono. Anton Geesink: van volksjongen tot VIP, Amsterdam 2009.

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