Niederländisch im Unterricht


III. Didaktische Besonderheiten: hoher Verwandtschaftsgrad und Alltagstauglichkeit

Ein paar Brocken Niederländisch versteht jeder recht leicht, auch dann, wenn er die Sprache nie gelernt hat. Weil es mit dem Deutschen und dem Englischen – der in der Regel ersten Fremdsprache der Schülerinnen und Schüler – eng verwandt ist, erlangen sie eine hohe Lernprogression. Mit anderen Worten: Sie lernen schnell und können in kurzer Zeit ein recht hohes Niveau erreichen. Für den Unterricht bedeutet das, dass früh inhaltlich interessante Auseinandersetzungen und Diskussionen um aktuelle Themen in den Niederlanden und Flandern beginnen. Es werden zu diesem Zweck relativ schnell authentische Texte gelesen, etwa Zeitungsartikel oder auch eine Lektüre. Die Lehrkraft kann fast von Beginn an mit der Lerngruppe Niederländisch sprechen.

Nederlands Leren
"Niederländisch lernen" – ein paar Brocken versteht jeder, auch wenn er die Sprache nie gelernt hat, Quelle: Joost van Velzen/cc-by-nc-sa 

Grundsätzlich ist nämlich zu beobachten, dass die rezeptiven Fertigkeiten - Hörverstehen, Leseverstehen oder auch das Verstehen eines Films (Hör-Seh-verstehen) – deutlich über den produktiven liegen. Sprechen und Schreiben ist eben doch etwas anderes: Da muss man auch die vermeintlich leichten Wörter lernen und sich der Rechtschreibung und der Aussprache widmen.

Verwandtschaft zum Deutschen und Vorwissen hilfreich

Die Tertiärsprachforschung geht davon aus, dass der Stand des individuellen Vorwissens über bereits gelernte Sprachen, einschließlich der Muttersprache, mit darüber entscheidet, wie effektiv sich eine neue Fremdsprache erlernen lässt. Im Falle des Niederländischunterrichts sind Schüler in der Lage, von der vorhandenen Verwandtschaft zu Deutsch (und Englisch) zu profitieren, indem sie die Sprachen miteinander vergleichen und Gemeinsamkeiten nutzen.

Das führt zu Beginn des Lernprozesses zu einer enormen Lernmotivation: „Das kann ich ja!“ „So einfach ist das?“ Die Motivation findet allerdings dort ihre Grenzen, wo Transferleistungen nicht mehr greifen. Dann nämlich, wenn etwa „Falsche Freunde“ auftauchen und scheinbar bekannte Begriffe andere als die erwarteten Bedeutungen besitzen: Nein, Tafel ist nicht die Tafel, sondern der Tisch, klaar heißt nicht klar, sondern fertig… Zugegeben, mit etwas Fantasie findet man auch da eine Eselsbrücke: Man kann auch an einer Tafel speisen oder klar Schiff machen, aber darauf muss man erst einmal kommen. Somit müssen Lehrer auch auf diese Phase im Verlauf des Spracherwerbs gefasst sein.

Vorteilhaft ist auch, dass in der Regel Kenntnisse über Sprachen und Sprachlernstrategien vorhanden sind, denn in der Regel ist Niederländisch nicht die erste Sprache, die die Schüler lernen: Wie lerne ich am besten Vokabeln? Was ist ein Artikel? Auch interkulturelles Wissen, zurückzuführen etwa auf persönliche Kontakte zu Niederländern und häufige Aufenthalte im Nachbarland, kann sich insbesondere bei grenznahen Schulstandorten auf den Lernerfolg einwirken. Zu überlegen ist allerdings, in welcher Weise sich der beschriebene Kenntnispool im Niederländischunterricht nutzen lässt.

Verbesserung durch direkten Kontakt

Vor allem durch die Grenznähe sind lebensnahe Anknüpfungen und authentische Sprechsituationen in Form von Schüleraustauschen und Exkursionen in den niederländischen Sprachraum leicht zu realisieren. Die Reisekosten sind gering, mancherorts können grenzüberschreitende Kontakte zum Nachbarort genutzt werden. Schüler haben so die Möglichkeit, ihre erworbenen Sprachkenntnisse direkt anzuwenden und finden gleichzeitig Gelegenheit zu interkulturellem Lernen: Im direkten Austausch können sie Stereotype über Bord werfen und Unterschiede wie Gemeinsamkeiten entdecken. Sie stellen fest: So fremd sind wir uns gar nicht!

Tagesausflüge zu Einrichtungen auf der anderen Seite der Grenze können den Unterricht lebendig machen, sei es dass man eine Ausstellung zum Thema besucht, mal ins Kino geht oder auch einfach auf der Straße nach dem Weg fragt, statt es klassisch im Rollenspiel im Schulgebäude zu tun. Schüler finden zudem schnell die Möglichkeit, aktiv und kreativ mit den Texten umzugehen, die ihnen vor Ort begegnen, sie lernen nachzufragen und sich irgendwie verständlich zu machen, kurzum: Strategien selbstbestimmten Lernens zu entwickeln. Niederländisch erweist sich für die Schülern somit als alltagstaugliche Sprache, für die sie sich motivieren können.

Autoren: Veronika Wenzel
Erstellt: Juni 2014


Links

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Das internetbasierte Schulprojekt ist zur politischen Bildung über die Niederlande für Schüler und Lehrer gedacht Landeskundliche Schulprojekt

Das Bildungsportal des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW Schulministerium.NRW

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Braam, M./Wenzel, V. : Wir sprechen über Niederländischunterricht – warum schreiben wir nicht? Viele Fragen und ein Appell, in: nachbarsprache niederländisch, 18. Jg.(2003), S.3-10.

Arntz, R./ Wilmots, J.: Kontrastsprache Niederländisch. Ein neuer Weg zum Leseverstehen, Hildesheim 2002.

Hiligsman, Ph./Wenzel V. : Contrastiviteit in taalonderzoek – nuttig,nodig of overbodig?,in: Elshout, G. et al.: Perspectieven voor de internationale Neerlandistiek in de 21ste eeuw, Münster 2001, S. 317-336.

Elshout, G.: Perspectieven voor de internationale Neerlandistiek in de 21ste eeuw. Handelingen Veertiende Colloquium Neerlandicum,Woubrugge, Münster 317-336.

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