DAs Schulsystem der Niederlande


III. Private und staatliche Schulen

Der Schulstreit, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts Staat und Glaubensgemeinschaften beschäftigte, sowie die ehemalige Versäulung der Gesellschaft haben bis heute Auswirkungen auf die niederländische Schullandschaft. Neben staatlichen Schulen gibt es eine Vielzahl privater Schulen. Bei diesen so genannten besonderen Schulen wird zwischen konfessionellen und neutralen besonderen Schulen unterschieden. Während in konfessionellen Schulen Unterricht vor dem Hintergrund einer bestimmten Religion erteilt wird, orientiert sich der Unterricht in neutralen Schulen an einer bestimmten pädagogischen Methode; Montessori, Jenaplan oder Dalton zum Beispiel. Schließlich gibt es allgemein konfessionelle Schulen. Diese gehen von der Gleichheit der Lebensanschauungen aus und kombinieren diese mit alternativen Methoden. Wie unterrichtet wird, ist also eine freie Entscheidung der Schulen, lediglich was unterrichtet wird, ist in Richtlinien der Regierung festgelegt und unumstößlich für alle Schulen in den Niederlanden. Voraussetzung für private Schulen ist, dass sie ausgebildete Lehrer beschäftigen und ein Schulprogramm haben, das dem niederländischen Bildungsplan entspricht und die Schulbehörde ihr Einverständnis gibt. Landesweit besuchen sieben von zehn Grundschülern eine private Einrichtung, sechs von zehn Oberschülern.

Die starke Position der Privatschulen schlägt sich auch in deren Finanzierung nieder: Anders als in Deutschland werden niederländische Privatschulen zu hundert Prozent staatlich subventioniert; auch die Lehrer erhalten so dieselben Gehälter. Allerdings wird die Wahl der Lehrmittel an besonderen Schulen nicht vom Staat getragen, sondern ist Aufgabe der Schulverwaltung, also des Gründungsvereins oder der Stiftung. Dadurch kann es sein, dass die Eltern höhere Kosten aufbringen müssen als jene Eltern, die ihre Kinder auf einer öffentlichen Schule unterbringen und nur einen bestimmten festgesetzten Betrag ab dem 16. Lebensjahr erbringen müssen.

Eine Besonderheit, die im ausgehenden 20. Jahrhundert international für Aufsehen sorgte, ist die Gründung islamischer (später auch hinduistischer) Schulen. Wie sich die Überreste der Versäulung auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen zeigen – es wird Gruppen in den Niederlanden relativ leicht gemacht, eigene Strukturen zu schaffen –, tun sie das auch im Schulwesen. Nach 1988, als die ersten zwei gegründet wurden, entstanden binnen vergleichsweise kurzer Zeit 28 islamische Grundschulen. Im April 2014 existierten 45 islamische Grundschulen, die Gründung einer weiteren war für 2015 beantragt. Darüber hinaus bieten 5 islamische Schulen eine Sekundar- oder Hochschulausbildung an. Etwa jede dritte islamische Schule wurde von türkischstämmigen, nahezu jede zweite von marokkanischstämmigen muslimischen Gemeinden eingerichtet – beides Gruppen, die in den 60er Jahren als Gastarbeiter in die Niederlande kamen. Insbesondere die Schulen unter marokkanischer Führung gelten als eher bis streng islamisch konservativ; sie sind es auch, die vor allem muslimische Neuzuwanderer aus Afghanistan, Somalia oder dem Irak anziehen. Surinamische Muslime unterhalten einige Schulen mit gemischter Schülerschaft. Insgesamt besuchen etwa 5 Prozent der muslimischen Schüler in den Niederlanden eine islamische Schule.

Die Frage, ob diese Schulen Integration behindern, wird oft gestellt – ist aber bis heute nicht beantwortet. Nach verschiedenen Studien stehen die Schulen auf dem Boden der niederländischen Verfassung und kommen zu durchschnittlichen schulischen Ergebnissen, manche auch zu besseren als so genannte „schwarze Schulen“ in den Niederlanden. Pädagogisch-didaktisch wurde immer wieder Verbesserungsbedarf attestiert; auch ist vielen die Gründung islamischer Schulen in dem politischen Klima nach 2001 und insbesondere nach dem Mord an Theo van Gogh ein Dorn im Auge. Infolgedessen werden islamische Schulen streng kontrolliert.

Autorin: Johanna Tigges und Pim Huijnen
Erstellt: 2004
Aktualisiert: Juli 2014, Jeannette Goddar


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