DAs Schulsystem der Niederlande


VI. Pisa: Sieger Niederlande - mit Abstrichen

Pisa2012
PISA-Studie 2012, Quelle: Juan Carlos Mejía/cc-by-nc

Die Niederlande, die sich beim ersten Durchlauf der OECD-Studie Pisa im Jahr 2000 mangels der Teilnahme von genügend Schulen für die Wertung nicht qualifiziert hatten, standen beim zweiten Durchlauf als einer der Überraschungssieger dar. In der Haupttestdisziplin Mathematik kamen sie im Jahr 2003 (veröffentlicht: 2004) beim internationalen Bildungsvergleich der Kompetenzen 15-Jähriger hinter Finnland und Südkorea auf den dritten Platz.

Seither hat sich die gute Platzierung dreimal mit geringen Abweichungen wiederholt: 2006, als nach Lesen und Mathematik erstmals naturwissenschaftliche Kompetenzen im Zentrum standen; sowie 2009 (Schwerpunkt Lesen) und 2012 (Schwerpunkt Mathematik). Bei Pisa 2012 landeten die Niederlande bei den Mathe-Leistungen 15-Jähriger auf Platz 10; wobei verschiedene Regionen in und um China – Shanghai, Hongkong, Macau und Taipeh – separat gezählt wurden. Im Vergleich der OECD-Länder wurden die Niederlande vierter, nach China, Südkorea und der Schweiz. Staatssekretär Sander Dekker erklärte in einer offiziellen Stellungnahme, man sei „zufrieden“, bleibe aber angesichts der aufstrebenden asiatischen Länder „alert“. Ziel müsse bleiben, nicht nur gut, sondern exzellent zu sein.

Die Niederlande wurden bei Pisa auch als eins der Länder mit „überdurchschnittlicher Chancengerechtigkeit“ ermittelt. Dieser Eindruck verstärkte sich, als OECD-Bildungschef Andreas Schleicher im Frühjahr 2014 eine Sonderauswertung vorlegte, welche die 10 Prozent der unterprivilegiertesten Schüler der teilnehmenden Länder mit den Ergebnissen der oberen Schichten verglich. Dabei kam heraus, dass in Europa die Niederlande das Land sind, dass die ärmsten Kinder zu den besten Leistungen bringt.

Tatsächlich zeigt Pisa aber auch: Wie in Deutschland und auch in Österreich schneiden Schüler aus Zuwandererfamilien auch in den Niederlanden deutlich schwächer ab als einheimische. Dass das nicht so sein muss, zeigt ein Blick auf einige Länder außerhalb Europas: In Kanada und Hongkong konnten die Pisa-Forscher keinen Leistungsunterschied zwischen den Kindern je nach ihrer Herkunft feststellen.

Fest steht: Auch in den Niederlanden ist die Zahl der (nicht-westlichen) allochthonen Jugendlichen, die die Schule abbrechen, doppelt so hoch wie die der autochthonen. Und während beinahe die Hälfte aller autochthonen jungen Erwachsenen an einer Universität oder anderen Hochschule eingeschrieben sind, gilt dies nur für jeden vierten türkischen und marokkanischen Jugendlichen und für jeden dritten Abkömmling surinamischer und antillischer Familien. Auch weist Pisa darauf hin, dass in den Niederlanden mehr Jugendliche ein Jahr wiederholen als im OECD-Durchschnitt.

Autoren: Jeannette Goddar
Erstellt:
August 2014


Links

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Ergebnisse der Pisa-Studie 2012

Pisa-Sonderauswertung 2014

Bericht 'Resultaten PISA-2012 in vogelvlucht' des Bildungsministeriums

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