DAs Bildungssystem der Niederlande


XX. Gewalt an Schulen


Das Phänomen Gewalt an Schulen, das im Übrigen auch mitverantwortlich gemacht wird für den Lehrermangel, ist an sich kein neues in den Niederlanden. Neu ist allerdings, dass die Gewalt eine neue und brutalere Form angenommen hat. Schon vor zehn Jahren war Gewalt an Schulen ein Thema in den Niederlanden. Damals wurde nämlich publik, dass rund zehn Prozent der niederländischen Schüler mit Messern oder anderen gefährlichen Waffen morgens in die Schule marschierten oder sie zumindest besaßen. Die niederländische Gesellschaft wurde dadurch sensibilisiert, Gewaltakte an Schulen ließen sie aufschrecken und man begann zu versuchen, dem vorzubeugen. Vom heutigen Bildungsministerium gibt es die Kampagne `sichere Schule´, die Schulen dabei unterstützt die soziale Sicherheit an Schulen zu gewährleisten und die, falls es doch zu Übergriffen kommt, Schülern und Lehren Hilfe anbietet.

Amerikanische Zustände: Überwachungskameras und Wachpersonal

An einigen Schulen in den Niederlanden, in erster Linie an so genannten „ Problemschulen“ gibt es sogar Überwachungskameras, Zugangsausweise, Wachpersonal und polizeiliche Beobachtung. Für Schulen, die sich besonders um Gewaltprävention an ihrer Schule, aber auch in der Umgebung der Schule und auf dem Schulweg bemühen, wird sogar ein Preis verliehen. Der „Hein-Roet-hof-Prijs“ wurde Ende 2003 dem Terra College in Den Haag zugesprochen, da hier Sicherheitsmaßnahmen und Prävention einhergingen mit einer guten Lehrer-Schüler-Beziehung. Bis zu jenem Tag im Januar 2004, an dem ein 17-jähriger Schüler seinen Biologielehrer vor den Augen seiner Mitschüler erschoss. Dieser erste Mord an einem Lehrer in den Niederlanden versetzte das Land in einen Schockzustand. Der damalige Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende forderte, dass so etwas in den Niederlanden nie wieder passieren dürfe. Natürlich kann niemand in die Köpfe der Schüler blicken und gegen Kurzschlussreaktionen oder Wahnsinnstaten kann man sich nicht schützen, aber es muss dafür gesorgt werden, dass gefährdete Schüler die Schule nicht als einen Ort der Aggressionen betrachten, sondern vielmehr als einen Ort, an dem sie auch Zuflucht und Ansprechpartner finden können.

Auf der Suche nach Gründen...

Auf der Suche nach Gründen für diese schreckliche Tat kommen wir auch wieder dem zunehmenden Autoritätsverlust der Lehrkörper entgegen. Außerdem führt der Lehrermangel zu einer schwierigeren Betreuung der Schüler, diese werden zunehmend allein gelassen. Lehreverband und Gewerkschaft kritisieren, dass Vorfälle an Schulen oft von der Schulleitung unter den Teppich gekehrt werden, um nicht an Prestige und Schülern zu verlieren. Prävention fände also nur in beschränktem Maße statt und der Gewalt werde so Vorschub geleistet. Was die tatsächlichen Gründe waren und sind, kann in den meisten Fällen wohl nur vermutet werden. Gesellschaft und auch Politik müssen aber dafür sorgen, dass es gar nicht zu solchen Taten kommen kann. Betreuung, persönliche Kontakte, mehr Zeit für auffällige Schüler und geschultes Personal sind nur einige Ansatzpunkte.

Autoren: Johanna Tigges
Erstellt:
2004


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