Deutsch in den Niederlanden


IX. Deutsch in der Grundschule

Schulklasse
Vereinzelt wird auch an Grundschulen Deutsch unterrichtet, Quelle: ianus/cc-by-nc-sa

Seit Jahrzehnten gibt es in den Niederlanden vereinzelt Grundschulen, an denen Deutsch unterrichtet wird. Die meisten, anno 2014 schätzungsweise 30 bis 40 Schulen, liegen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, viele davon im Süden der Provinz Limburg. Das Lernen einer Fremdsprache in jungem Alter hat viele Vorteile: Nicht nur lernen Kinder in der Regel eine Fremdsprache umso schneller je jünger sie sind und erreichen somit letztendlich ein höheres Kompetenzniveau. Auch der allgemeinen Sprachentwicklung kommt das frühe Fremdsprachenlernen zugute. Mit dem Ziel der Mehrsprachigkeit aller Europäer ("Jeder europäische Bürger sollte mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen") empfiehlt die Europäische Kommission darum verstärkten Fremdsprachenunterricht an Grundschulen.

Vvto – Vroeg vreemdetalenonderwijs

In den Niederlanden wird der frühe Fremdsprachenunterricht, kurz vvto, aktiv gefördert: Das niederländische Bildungsministerium stellt der Europees Platform (der nationalen Agentur für Internationalisierung im Schulwesen) Mittel zur Verfügung, um Grundschulen, die eine Fremdsprache anbieten möchten, finanziell und inhaltlich zu unterstützen. Hauptsächlich handelt es sich dann um Englisch, in einigen wenigen Fällen jedoch auch um Deutsch, Französisch oder Spanisch. Für die letztgenannten drei Sprachen betrifft dies überwiegend Rudolph-Steiner-Schulen bzw., im Fall von Deutsch und Französisch, Grundschulen in unmittelbarer Nähe der deutschen oder belgischen Grenze.

Von 2005 bis 2008 ermöglichte eine großzügige Fördersumme seitens des Bildungsministeriums insgesamt 20 Grundschulen die Teilnahme an dem Pilotprojekt LinQ zur Förderung der Nachbarsprachen Deutsch und Französisch. Neun dieser Schulen entwickelten innerhalb von drei Jahren ein reguläres Unterrichtsangebot für Deutsch. Niederländische Grundschullehrer lernten mit- und voneinander, nahmen an didaktischen und sprachlichen Fortbildungsveranstaltungen teil, sie sichteten Materialien für den Primarbereich, schafften das Nötige an und entwickelten den Rest selbst. Die Ergebnisse dieses Pilotprojekts wurden im sogenannten ‘LinQ-Koffer’ gesammelt, der seitdem von Teilnehmern und Interessenten bei der Europees Platform bestellt werden kann.

Auch nach Ablauf des dreijährigen Pilotprojekts konnten Grundschulen sich bei der Europees Platform für die Teilnahme am LinQ-Netzwerk für Deutsch und Französisch anmelden oder Fördergelder für frühen Fremdsprachenunterricht beantragen. Nun offenbarten sich allerdings einige Hürden, die der strukturellen curricularen Verankerung von Deutsch im Grundschulbereich im Wege standen: Das Angebot von Deutschunterricht war stark von individuellen Lehrern abhängig und konnte somit, beispielsweise bei Versetzung des betreffenden Lehrers, von einem Tag auf den anderen entfallen. Gleichzeitig wurde es schwieriger, neue Schulen zu finden, die sich auf die Einrichtung eines neuen Unterrichtsfaches einlassen wollten. Der Mangel an Interesse wurde möglicherweise durch Entwicklungen in der niederländischen Bildungslandschaft verursacht, bei denen der Nachdruck vor allem auf der Beherrschung der eigenen Muttersprache und Mathematik lag. Trotz aller Anstrengungen und Investierungen kann daher auch 10 Jahre nach LinQ keine Rede von einem flächendeckenden Netzwerk von Grundschulen, die Deutsch anbieten, sein. Eine positive Ausnahme bildet der grenznahe Süden der Niederlande.

Euregioschool

Im Projekt Euregioschool integrieren Grundschulen in der Provinz Limburg das Erlernen der Nachbarsprache in die Kooperation mit einer deutschen oder belgischen Partnerschule. Deutsch oder Französisch werden als Begegnungssprachen angeboten, authentische Kommunikation steht im Vordergrund.

Die 18 Grundschulen, die am Projekt Euregioschool teilnehmen, arbeiten mit einer festen Partnerschule jenseits der Grenze. Sie bieten mindestens einmal wöchentlich Deutschunterricht (bzw. Französischunterricht) an und ermöglichen ihren Schülern in virtuellen und tatsächlichen Begegnungen den Kontakt mit Altersgenossen im Nachbarland. Diese Kontaktmomente werden unter verschiedenen Themen geführt. Die Kinder vergleichen Traditionen rund um den niederländischen Sinterklaas mit dem deutschen Nikolaus. Sie singen, malen und basteln zusammen, lernen Gedichte in der Fremdsprache und hören sich deutsche und niederländische Weihnachtsgeschichten an. Die Kinder unterhalten sich über Freunde und Hobbies, über Lehrer und Schulnoten und lernen kontinuierlich mehr über Sprache und Kultur des Nachbarlandes: „Eine Note 7 für Kunst? Das wäre bei uns dann also eine 3, oder?“

Es bleibt zu hoffen, dass Initiativen wie die Euregioschool auch nach Ende der europäischen Förderperiode bestehen bleiben und dass die Erfahrungen dieser Schulen, wie auch der LinQ-Schulen, in der Zukunft auch anderen Grundschulen als Grundlage zur Einführung von Deutsch dienen mögen.

Autorin: Kerstin Hämmerling
Erstellt:
Oktober 2014


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