Deutsch in den Niederlanden


XI. Fokus: Deutschlehrermangel

Deutsch ist ein 'Mangelfach' in den Niederlanden: Dies bedeutet, dass die Zahl der Deutschlehrer in den nächsten Jahren voraussichtlich stark abnehmen wird. Eine Pensionierungswelle der Babyboom-Generation in Kombination mit einer geringen Anzahl von Absolventen der Lehrerausbildung Deutsch führt schon jetzt dazu, dass Schulleiter in einigen Gebieten, wie zum Beispiel der Randstad, darüber klagen, dass sie die Stellen für Deutschlehrer an ihren Schulen nicht mehr besetzen können. Dies ist bei einigen Schulen ein Grund dafür, Deutsch nicht mehr anzubieten.

Mangelfach Deutsch

Im Jahr 2009 waren 22 Prozent der Deutschlehrer an niederländischen Schulen 55 Jahre alt oder älter. Dies bedeutet, dass in den darauf folgenden Jahren etwa ein Fünftel aller Stellen für Deutschlehrer neu besetzt werden müsste. Dieses Problem offenbart sich nicht nur im Fach Deutsch; für die Schulfächer Niederländisch und Englisch werden noch größere Engpässe erwartet. Bei einer Umfrage unter Schulleitern stellte sich heraus, dass vor allem Stellen für Mathematik, Physik, Deutsch und Chemie schwer zu besetzen sind. Bezüglich des Faches Deutsch gibt es allerdings große regionale Unterschiede. So gibt es beispielsweise im grenznahen Süd-Limburg eher einen Überschuss an Deutschlehrern, der u. a. mit einer starken Bevölkerungsabnahme in diesem Gebiet zu tun hat.

Mehr Informationen zum Mangelfach Deutsch sind zu finden in dem Rapport Tekortvakken in het voortgezet onderwijs von Statistieken Arbeitsmarkt Onderwijssektoren (Stamos).

Lehrerausbildung

Bedenkt man, dass die niederländische Germanistik in den letzten 20 Jahren eine Abnahme von etwa einem Drittel der Studierenden zu verzeichnen hat, ist die Anzahl der Absolventen der Lehrerausbildung Deutsch auf den ersten Blick nicht besorgniserregend: Sowohl bei der universitären Lehrerausbildung als auch bei der Lehrerausbildung an Fachhochschulen ist seit den 90er Jahren ein leichter Anstieg der Studentenzahlen im Fach Deutsch wahrnehmbar. Teilweise wurde diese Zunahme wohl auch durch eine strengere Kontrolle der Schulinspektion gegenüber 'unbefugten' Lehrern an Schulen verursacht: Lehrer, die teilweise jahrelang ohne offizielle Lehrbefähigung unterrichtet hatten, mussten dadurch doch noch ihre Lehrerausbildung absolvieren. Besonders auffällig ist eine enorme Zunahme bzw. eine Verdopplung der Studenten der Masterausbildung zum Deutschlehrer an niederländischen Fachhochschulen. Diese hängt damit zusammen, dass das Angebot dieser Teilzeitmaster an Fachhochschulen in den letzten Jahren stark erweitert wurde. Auch die Verfügbarkeit von Stipendien für Lehrer, die sich mit diesem Master weiter professionalisieren möchten, spielt hier sicherlich eine Rolle.


Quelle: Stamos (Statistieken Arbeidsmarkt Onderwijssectoren)
Studierende der universitären Lehrerausbildung Deutsch Studierende der Lehrerausbildung Deutsch an Fachhochschulen Studierende der Teilzeit-Masterausbildung Deutsch an Fachhochschulen
1998 26 573 63
2011 35 764 135
2013 38 851 140

Diese Zahlen basieren auf der Zahl der Anmeldungen an den Bildungseinrichtungen, zeigen jedoch nicht auf, wie viele der Studierenden ihre Ausbildung tatsächlich mit einem Examen abschließen. Betrachtet man die gesamte Lehrerausbildung, so gilt, dass fast 45 Prozent der Studierenden die Ausbildung ohne Abschluss verlässt. Konkrete Abbruchsquoten per Fach sind nicht bekannt. Man sollte aber davon ausgehen, dass das Fach Deutsch keine signifikante Ausnahme darstellt.

Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels

Im Jahr 2015 könnten etwa 4.000 Lehramtsstellen an niederländischen Schulen unbesetzt sein, wurde 2011 vom Ministerium für OCW (Onderwijs, Cultuur en Wetenschap) vorhergesagt.[1] Seitdem haben die Wirtschaftskrise in den Niederlanden sowie das erhöhte Rentenalter dazu beigetragen, dass weniger Lehrer als erwartet ihre Schulen verlassen; diese Vorhersage wird sich also wohl nicht ganz bewahrheiten. Trotzdem ist der Lehrermangel weiterhin das Schreckgespenst der Politik. Diverse Maßnahmen sollen darum seit einigen Jahren dafür sorgen, dass der Lehramtsberuf attraktiver wird.

Im Rahmen dieser Maßnahmen können Lehrer an Schulen besser verdienen und finden mehr berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Spezielle Lehrerstipendien ermöglichen es Lehrern, kostengünstig eine (zusätzliche) Bachelor- oder Masterausbildung zu absolvieren. Ein Aktionsplan 'Leerkracht van Nederland' verstärkt die Stellung des Lehrers in einer Berufsvereinigung, stimuliert Weiterbildungsmaßnahmen, belohnt besondere Verdienste durch neue Lohnstufen und verspricht den Lehrern mehr Autonomie, z. B. in der Gestaltung der Unterrichtsstunden. Gleichzeitig zielt die Einführung eines educatieve minor an der Universität darauf ab, dass die Absolventen das Fach nach Erhalt ihres Bachelor-Diploms in Germanistik in der Unterstufe unterrichten dürfen. Das Programm 'Onderwijstraineeship'[2] richtet sich an Universitätsabsolventen (ohne Lehramtsbefähigung) in den Mangelfächern Physik, Mathematik, Chemie, Niederländisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Latein, Griechisch, Wirtschaft und Informatik und bietet eine bezahlte Teilzeitstelle an einer Schule in Kombination mit einer angepassten Lehramtsausbildung über zwei Jahre an.

Speziell für das Fach Deutsch gibt es seit einigen Jahren Initiativen und Programme, um deutsche Muttersprachler als Deutschlehrer in die Niederlande zu holen. Siehe dazu den Artikel 'Deutschlehrermangel in den Niederlanden: Chance für deutsche Muttersprachler' auf NiederlandeNet.


[1] Rijksoverheid: Lerarentekort stevent af op dieptepunt (20.09.2011), URL: http://www.rijksoverheid.nl/nieuws/2011/09/20/lerarentekort-stevent-af-op-dieptepunt.html
[2]VO-raad, universitaire lerarenopleidingen, VSNU und Ministerie van Onderwijs Cultuur en Wetenschap: Onderwijstraineeship, URL: http://www.onderwijstraineeship.nl/

Autorin: Kerstin Hämmerling
Erstellt:
Oktober 2014


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