XIV. Universitäten

Es gibt in den Niederlanden vierzehn staatlich anerkannte und geförderte Universitäten. Insgesamt studieren an diesen Universitäten ungefähr 295.000 Studentinnen und Studenten. Die Größenunterschiede zwischen den einzelnen Universitäten sind erheblich und variieren von rund 10.000 Studierenden an den kleineren bis zu über 30.000 Studentinnen und Studenten an den größeren Universitäten in Utrecht und Amsterdam. Drei der vierzehn Universitäten in den Niederlanden verstehen sich als technische Universitäten: Die Technische Universität Delft, die Technische Universität Eindhoven und die Universität Twente in Enschede. Die Universität Wageningen ist als agrarwissenschaftlich orientierte Universität entstanden und beschäftigt sich heutzutage mit den sogenannten Life Sciences. Die Open Universiteit ist keine Universität im traditionellen Sinne, sondern eine Fernuniversität. Ihren Hauptsitz hat sie im Limburgischen Heerlen, aber ihre Studienzentren sind über die ganzen Niederlande (und auch Flandern) verbreitet. Die neun übrigen Universitäten bieten schließlich sehr breit gefächerten Unterricht.

Studierende an niederländischen Universitäten
Stand: Oktober 2018 (Open Universiteit 2017), Quelle: VSNU, Open Universiteit
Studierende
davon Erstsemester
Universität
Stadt
Gesamt Bachelor Master
Universiteit van Amsterdam Amsterdam 34.067 6.546 5.890
Universiteit Utrecht Utrecht 31.801 5.793 4.851
Rijksuniversiteit Groningen 27.140 5.382 3.470
Vrije Universiteit Amsterdam 24.567 4.503 5.006
Universiteit Leiden Leiden 29.045 5.317 3.793
Erasmus Universiteit Rotterdam 26.962 5.692 5.189
Technische Universiteit Delft 24.508 3.881 3.637
Radboud Universiteit Nijmegen 21.675 4.333 3.088
Universiteit Maastricht Maastricht 17.194 3.844 2.936
Tilburg University Tilburg 15.731 4.044 2.614
Universiteit Twente Enschede 10.666 2.218 1.235
Technische Universiteit Eindhoven 11.966 2.224 1.332
Wageningen Universiteit Wageningen 11.944 1.576 1.842
Summe

291.277 56.706 45.441
Open Universiteit
(Heerlen) 14.101
Summe

-

Eine Antwort darauf, welche der niederländischen Universitäten die besten ist, ist schwer zu geben. Es gibt keine eindeutigen Ranglisten, die darüber Klarheit verschaffen könnten. Die niederländischen Universitäten haben aber in der ganzen Welt einen guten Ruf. Acht der vierzehn Universitäten sind im Times Higher Education Ranking unter den besten einhundert Universitäten der Welt gelistet. Außerdem sind die Niederlande in der Rangliste für Publikationen pro Kopf der Bevölkerung weltweit auf dem fünften Platz.Wie wenig aussagekräftig solche Auswertungen allerdings sind, belegt die Tatsache, dass ein weiteres Ranking des Magazins Times Higher Education lediglich vier niederländische Universitäten unter den besten 100 sieht. Vergleicht man diese Auflistung mit dem ebenfalls vielbeachteten Shanghai-Ranking, so nimmt die Anzahl der niederländischen Top-Universitäten nicht nur um eine weitere ab, vielmehr ist auffällig, dass die Technische Universität in Delft beim Times Higher Education Magazin mit Rang 42 die höchste Platzierung unter den niederländischen Universitäten einnimmt, während sie im Shanghai-Ranking nicht einmal unter den ersten 200 zu finden ist. Daher sind die Kriterien, die solche Rankings ermöglichen, in den meisten Fällen umstritten, denn sie sagen oft wenig darüber aus, ob der Unterricht an einer Universität gut oder weniger gut ist. Deshalb wählen auch die meisten angehenden niederländischen Studentinnen und Studenten ihre Universität aufgrund des spezifischen Angebots in der von jedem einzelnen gewählten Fachbereich. Dabei kann man sich unter anderem an der von der Wochenzeitschrift Elsevier jährlich durchgeführten Umfrage unter Studierenden über ihren jeweiligen Fachbereich orientieren. Man sollte sich aber auch immer über das spezifische Kursangebot informieren.

Die Universitäten haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Studentinnen und Studenten zu Wissenschaftlern auszubilden, die in ihrem jeweiligen Spezialgebiet fähig sein sollten, selbständig und kritisch zu arbeiten, selbst neue Informationen zu erwerben und einzuordnen und schließlich auch neue Lösungsansätze zu entwickeln. Obwohl die Studierenden zu Mitgliedern der wissenschaftlichen Zunft ausgebildet werden, finden viele Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium einen Job außerhalb der Wissenschaft.

Bachelor und dann?

Die niederländischen Universitäten haben ihre Unterrichtsstruktur bereits entsprechend der Forderung der Europäischen Union auf eine Bachelor-Master-Struktur umgestellt. Das heißt, dass das Studium praktisch zweigeteilt ist. In der ersten Phase streben die Studentinnen und Studenten einen Bachelorabschluss an, für den laut Vorgaben drei Jahre benötigt werden sollten. Hat der Student diesen Abschluss erworben, so kann er sich an ein Masterstudium wagen. Allerdings gibt es in der Regel nicht nur einen Masterstudiengang, mit dem man sein Studium fortsetzen kann. Daher sollte der Studierende sich nach dem Bachelorabschluss entscheiden, in welchem Bereich genau er oder sie sich spezialisieren möchte. So ist es in vielen Fachbereichen möglich, sich für einen speziellen Forschungsmaster zu bewerben, bei dem man intensiv auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet wird. Auch gibt es die Möglichkeit, einen Master of Education anzustreben, mit dem man als Lehrer in allen Stufen unterrichten darf. Diese ersten beiden Varianten des Masterstudiums sind meistens auf zwei Jahre angesetzt. Daneben gibt es auch viele „normale” Masterstudiengänge, die man in einem Jahr absolvieren kann.

Fakten über niederländische Hochschulen

  • Es gibt 14 Universitäten, von denen acht zu den einhundert besten Universitäten des Times Higher Education Ranking zählen (Stand: 2014)
  • Rund 663.000 Studierende waren im akademischen Jahr 2012-2013 an niederländischen Hochschulen immatrikuliert
  • 60.060 Immatrikulierte waren ausländische Studierende, davon 25.021 deutsche Studierende (2011)
  • 2011 waren 859 deutsche Erasmus-Austauschstudenten in den Niederlanden
  • Die beliebtesten Fächer an niederländischen Universitäten sind Betriebswirtschaftslehre, Medizin und Pädagogik
  • Ausländische Studierende studieren in den Niederlanden am häufigsten Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften und Studiengänge im Bereich Medizin/Gesundheit

Die Bachelor-Master-Struktur führt in den Niederlanden bereits jetzt dazu, dass sich viele Studierende nach ihrem Bachelorabschluss erneut fragen, was und wo sie nun studieren möchten. Da der an einer niederländischen Universität erworbenen Bachelortitel von allen anderen niederländischen Universitäten anerkannt wird, ist es auch nicht schwer, nach einem Bachelorabschluss für den Master die Universität zu wechseln. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass ein Student, der Geschichte auf Bachelor studiert hat, nach seinem Bachelorabschluss an einer anderen Universität einen Master in Journalismus macht.

Weniger, aber intensiver

An allen wissenschaftlichen Hochschulen – wie auch an den berufsbildenden Hochschulen – fängt das akademische Jahr zum 1. September an und endet offiziell am 31. August. Das Jahr ist in zwei Semester unterteilt, die sich wiederum in kleinere Blöcke gliedern. Der Unterricht wird in diesen Blöcken sehr konzentriert angeboten. Das heißt, dass Studierende in den Niederlanden oft weniger Veranstaltungen als deutsche Studierende besuchen, diese dafür aber umso intensiver durchgeführt werden.

Auch an den Universitäten wird ein Studienjahr nach dem European Credit Transfer System (ECTS) gemessen, ein akademisches Jahr beträgt in dieser Messung 60 ECTS-Punkte. Ein kompletter Bachelorstudiengang beträgt folglich drei Mal 60 Punkte, ein Master im Falle eines einjährigen 60 und bei zwei Jahren 120 Punkte.

Autor: Peter van Dam
Erstellt: November 2006
Aktualisiert: Marcus Lübbering April 2014/Onlienredaktion Mai 2019