IX. Krankenversicherung

In den Niederlanden besteht, sowie in vielen anderen Ländern auch, für Studierende eine Krankenversicherungspflicht. Jeder Student, auch wenn er nur für einen begrenzten Zeitraum an einer niederländischen Hochschule studiert, muss eine in den Niederlanden gültige Krankenversicherung nachweisen können.

Der Wohnort des Studierenden

Der Krankenversicherungsschutz ist im Rahmen der europäischen Regelungen davon abhängig, wo sich der Wohnort des Studenten befindet. Dabei wird in einer Gesamtbetrachtung aller Kriterien, die auf einen Studierenden heranzuziehen sind, der Wohnort bestimmt. Für einen in den Niederlanden Studierenden ist der Wohnort in Deutschland weiterhin als gegeben anzusehen, wenn unter anderem:

  • der Aufenthalt in den Niederlanden dem Zweck des Studiums dient,
  • die bisher vorhandene Wohnmöglichkeit, in der Regel bei den Eltern, weiterhin besteht,
  • die Eltern den Studierenden finanziell unterstützen,
  • eine regelmäßige Rückkehr nach Deutschland, zum Beispiel an den Wochenenden stattfindet
  • die Absicht der Rückkehr nach Deutschland nach Beendigung des Studiums gegeben ist.

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte ist der Wohnort in Deutschland auch weiterhin gegeben, wenn der Student in den Niederlanden ein Zimmer oder eine Wohnung mietet. Bleibt demnach der Wohnort in Deutschland aufrecht erhalten, kann der (bestehende) Krankenversicherungsschutz in Deutschland fortgesetzt werden.

Sprechen die Kriterien gegen den weiteren Wohnort in Deutschland, wird der Studierende in den Niederlanden krankenversichert (Pflichtversicherung). Sofern der Studierende aus seiner Sicht zu Unrecht der Versicherung in den Niederlanden herangezogen wird, kann Beschwerde bei der Sociale Verzekeringsbank (SVB)[1] eingelegt werden.

Oftmals werden Studierende in den Niederlanden von den Behörden aufgefordert, eine niederländische Krankenversicherung abzuschließen, obwohl dies aufgrund der Absicherung durch eine deutsche Krankenversicherung nicht notwendig ist. Daher ist es ratsam, zunächst bei der deutschen Krankenversicherung nachzufragen, bevor man in den Niederlanden eine Police abschließt.

Gesetzlich versicherte Studierende mit Wohnort in Deutschland

Wohnt der Studierende weiterhin in Deutschland, bleibt der gesetzliche Krankenversicherungsschutz während des Studiums in den Niederlanden in Deutschland bestehen. Dieser besteht meist als Student oder als Familienversicherter über die Eltern. Es spielt keine Rolle, ob der Studierende nur in den Niederlanden oder zusätzlich auch in Deutschland immatrikuliert ist.

Der Studierende hat Anspruch auf Sachleistungen in den Niederlanden. Für den Arztbesuch ist die Europäische Krankenversicherungskarte notwendig, die sich in der Regel auf der Rückseite der deutschen Krankenversichertenkarte befindet. Ist dies nicht der Fall, sollte vor dem Studienaufenthalt in den Niederlanden von der Krankenkasse die Europäische Krankenversicherungskarte[2] oder eine Provisorische Ersatzbescheinigung erbeten werden. Hinweise zur Inanspruchnahme von Sachleistungen (ambulante ärztliche, zahnärztliche- und stationäre Behandlung) mit der Europäischen Krankenversicherungskarte sind in dem DVKA-Merkblatt „Urlaub in den Niederlanden“[3] des GKV-Spitzenverbandes nachzulesen. Es informiert auch über mögliche Eigenanteile. Das Merkblatt gibt darüber hinaus Auskunft über die Erstattungsverfahren, sollte die Europäische Krankenversicherungskarte im Einzelfall vom Leistungserbringer nicht akzeptiert werden.

Zuweilen lehnen Ärzte in den Niederlanden die Europäische Krankenversicherungskarte ab und verlangen für ihre Behandlung Bar- oder EC-Karten-Zahlung. Es ist daher ratsam, vorab mit dem Arzt zu klären, ob er die Europäische Krankenversicherungskarte akzeptiert.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, die in den Niederlanden zur Erstattung durch die Krankenkassen vereinbart sind. Kosten, die der Patient darüber hinaus selbst zu tragen hat, werden nicht übernommen. Um dieses Restrisiko abzusichern, empfielt sich deshalb eine Auslandsreisekrankenversicherung (siehe unten). Bei Fragen zum niederländischen Leistungskatalog oder Problemen bei der Inanspruchnahme von Sachleistungen ist der Ansprechpartner die Agis Zorgverzekeringen[4].

Privat versicherte Studierende mit Wohnort in Deutschland

Wohnt der Studierende während des Studiums in den Niederlanden weiterhin in Deutschland, kann der private Krankenversicherungsschutz in Deutschland gegebenenfalls bestehen bleiben. In der privaten Krankenversicherung gibt es zwar vom Dachverband der Privaten Krankenversicherer so genannte Musterbedingungen, die Kostenübernahmen europaweit auf deutschem Niveau vorsehen. Diese Musterbedingungen sind aber für die einzelnen Krankenversicherer nicht verpflichtend. Jeder Vertrag eines privat Versicherten kann somit anders ausgestaltet sein. Daher ist es ratsam, als privat versicherter Studierender die Police zu überprüfen beziehungsweise sich beim Versicherer entsprechend beraten zu lassen, ob der Versicherungsschutz auch bei einem Studium in den Niederlanden besteht.

Die Krankenversicherung in den Niederlanden

Ist die Fortsetzung des deutschen Versicherungsschutzes bei Studium in den Niederlanden
nicht möglich, weil etwa:

  • der Wohnort in die Niederlande verlegt wird
  • der private Versicherungsvertrag nicht ausreicht oder
  • eine Beschäftigung in den Niederlanden aufgenommen wird

ist es erforderlich, in den Niederlanden bei einer Krankenversicherung eine Versicherung zu beantragen. Seit dem 1. Januar 2006 ist die bis dahin existierende Trennung zwischen staatlicher und privater Krankenversicherung in den Niederlanden aufgehoben. Jeder Einwohner der Niederlanden muss sich im neuen Krankenversicherungssystem selbst bei einer Krankenversicherung anmelden, bei der man in jedem Fall eine basisverzekering (dt. Basisversicherung) in Anspruch nehmen muss.

Die Krankenversicherungen bieten, neben dem Basispaket, zusätzliche Leistungen in unterschiedlichen Zusatzpaketen an. Die unterschiedlichen Angebote der Krankenversicherungen sind bei jedem Krankenversicherungsunternehmen abzufragen. Vergleiche der unterschiedlichen Angebote sind auch im Internet unter www.kiesbeter.nl zu finden. Manche niederländische Hochschulen informieren entsprechend und haben teilweise spezifische Angebote mit einer Krankenversicherung ausgehandelt. Wer verpflichtet ist, sich in den Niederlanden zu versichern, hat ggf. auch Anspruch auf einen staatlichen Versicherungszuschlag. Informationen dazu sind im Internet unter www.toeslagen.nl nachzulesen.

Viele niederländische Hochschulen beschäftigen darüber hinaus übrigens eigene Ärzte und Psychologen, die an der entsprechenden Hochschule immatrikulierte Studentinnen und Studenten in beschränktem Umfang kostenlos behandeln können.


[1] Die SVB bieten auf ihrer Website auch Informationen auf Deutsch an.
[2] Weitere Informationen auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.
[3] Das Merkblatt kann hier heruntergeladen werden.
[4] Die genaue Anschrift lautet: Agis Zorgverzekeringen, Groep Buitenlands Recht, Postbus 17 25, 3800 BS Amersfoort.

Autor: Peter van Dam, Marcus Lübbering
Erstellt:
November 2006, April 2014
Aktualisiert: September 2014, Onlineredaktion