VII. Finanzierung

Die Finanzierung eines Studiums in den Niederlanden sollte rechtzeitig kalkuliert werden
Die Finanzierung eines Studiums in den Niederlanden sollte rechtzeitig kalkuliert werden
© Jurijn Timon de Vos

Jeder niederländische Student bezahlt für das akademisches Jahr 2014/15 (zwei Semester) an seiner Universität Studiengebühren in Höhe von 1906,00 Euro. Dazu bekommen im Prinzip auch alle Studierenden einen staatlichen Zuschuss, der sich studiefinanciering nennt, und dessen Verteilung von der DUO verwaltet wird. Für jeden Studierenden aus den Niederlanden steht ein staatlicher Basisbeitrag zur Verfügung, der bei einem niedrigen Einkommen der Eltern noch entsprechend erhöht werden kann. Diese Beiträge bekommt man in Form eines Darlehens, das aber bei Erfüllung der Vorgaben für den jeweiligen Studiengang nicht zurückgezahlt werden muss. Praktisch heißt das, dass die Studentinnen und Studenten den vom niederländischen Staat bereitgestellten Beitrag nicht zurückzahlen müssen, wenn sie ihr Studium in der Regelstudienzeit absolvieren. Zudem kann auch jeder niederländische Student noch ein zusätzliches Darlehen beantragen, das dann aber nach dem Studium (gegen günstige Zinsen) zurückgezahlt werden muss.

Ausländische Studierende müssen die gängigen Studiengebühren in vielen Fällen nicht zahlen. Denjenigen, die mit einem Erasmus-Stipendium oder einem vergleichbaren Stipendium an eine niederländische Hochschule gelangen, zahlen weiterhin die Gebühren ihrer eigenen Hochschule und brauchen deshalb die für niederländische Studierende anfallenden Studiengebühren nicht zu zahlen. Jene Gruppe, die nicht über ein Austauschprogramm an eine niederländische Hochschule gerät, sondern zum Beispiel einen Aufbaustudiengang oder sogar ein ganzes Studium an einer Hochschule im Nachbarland absolvieren möchte, muss zunächst die üblichen Gebühren zahlen. Unbedingt zu beachten ist, dass Studierende, die ihren Hauptwohnsitz nicht in den Benelux-Staaten oder einem der drei deutschen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Bremen haben, eine weitaus höhere Studiengebühr bezahlen müssen, sofern sie nicht vor Studienbeginn einen Wohnwechsel in eines dieser Länder vornehmen. Auch Masterstudiengänge an Fachhochschulen kosten oft mehr als die üblichen Studiengebühren, die für Masterstudiengänge an Universitäten gezahlt werden müssen und im Studienjahr 2014/15 ebenfalls 1906,00 Euro betrugen.

Verschiedene Finanzierungsmodelle

Es besteht aber die Möglichkeit, die finazielle Belastung zu senken. Das deutsche BAföG kann auch für Studien in den Niederlanden beantragt werden. Dabei ist es sogar möglich, dass Studierende aufgrund der höheren Förderungssätze für Studien im Ausland in den Genuss von BAföG gelangen, die in Deutschland nicht gefördert würden. In den Niederlanden kann für Studierende aus der Europäischen Union bis zu einem Alter von maximal 29 Jahren ebenfalls eine Förderung bewilligt werden. Arbeiten Studierende neben dem Studium mindestens 56 Stunden im Monat und sind sie mit dem Hauptwohnsitz in den Niederlanden gemeldet, dann können sie unter Angabe iher BSN und ihrer niederländischen Bankverbindung einen Zuschuss vom niederländischen Staat erfragen. Wenn ein Elternteil die niederländische Staatsbürgerschaft besitzt oder dort längere Zeit erwerbstätig war, besteht ebenfalls die Möglichkeit eines Zuschusses aus niederländischen Fördertöpfen. In solchen Fällen ist es lohnenswert, sich bei der für die Vergabe der Studiefinancierung (das niederländische BAföG) verantwortlichem DUO nach den Möglichkeiten zu erkundigen. Schließlich gibt es in Deutschland auch die Möglichkeit, sich mit einem Stipendium einen Teil seines Studiums zu finanzieren. Viele Stiftungen stellen Studentinnen und Studenten ein Stipendium in Aussicht, allerdings meist nicht bedingungslos. Das Deutsche Studentenwerk gibt regelmäßig ein Taschenbuch heraus, in dem eine Übersicht über die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten gegeben wird.

Bleibt aber letzten Endes keine andere Möglichkeit als eine Finanzierung durch Nebenjobs, Sparkonten und die Eltern, so sollte man trotzdem nicht verzweifeln: Auch wenn das Kind in den Niederlanden studiert, wird das Kindergeld bis zur Vollendung des 27. Lebensjahrs durchgezahlt. Übernehmen die Eltern einen Teil der Studiengebühren eines Kindes, für das Kindergeld gezahlt wird, so können in den meisten Fällen 30 Prozent von dem für die Studiengebühren aufgewendeten Betrag steuerlich geltend gemacht werden. Die genauen Bestimmungen von Fall zu Fall können hier nicht ausgeführt werden. Für eine individuelle Beratung wendet man sich am besten an das Finanzamt.

Checkliste Studiengebühren/Finanzierung

Wer als Ausländer in den Niederlanden Studiengebühren zahlen muss, kann ein niederländisches BAföG (Studiefinanciering) erhalten, falls:

  • man die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes (oder die schweizer Staatsbürgerschaft) vorweisen kann
  • man unter 30 Jahre alt ist
  • ein niederländisches Bankkonto vorgewiesen werden kann
  • für das gewählte Studienfach in den Niederlanden Studiengebühren gezahlt werden müssen
  • es sich nicht um ein Studienaufenthalt im Rahmen eines staatlich geförderten Austauschprogramms handelt
  • man neben dem Studium mindestens 56 Stunden im Monat erwerbstätig ist (was mit einem Arbeitsvertrag belegt werden muss)
  • man eine niederländische BSN-Nummer hat.

Unter bestimmten Voraussetzungen können zudem Deutsche mit einem niederländischen Elternteil oder mit einem Elternteil, das längere Zeit in den Niederlanden berufstätig war, vom niederländischen Staat gefördert werden.

Deutsches BAföG für ein Studium in den Niederlanden

  • Es ist möglich, das BAföG aus Deutschland auch für ein Studium oder einen Studienaufenthalt in den Niederlanden zu beziehen.
  • Wird der BAföG-Antrag für ein Studium in Deutschland abgelehnt, kann möglicherweise eine Förderung für ein Studium in den Niederlanden bewilligt werden.

Finanzierung durch Stipendien

  • Es gibt mannigfache Stipendien von privaten oder öffentlichen Institutionen für Studien und Studienaufenthalte im Ausland.

Siehe für nähere Informationen die Website der DUO

Autor: Peter van Dam
Erstellt:
November 2006
Aktualisiert: März 2014, Onlineredaktion