XIII. Berufsbildende Hochschulen

Die sogenannten Hogescholen oder HBO-scholen (Hoger Beroeps Onderwijs, dt. höhere Berufsbildung) sind bei vielen niederländischen Abiturienten wegen ihrer praxisbezogenen Unterrichtsart beliebt. Mehr als die Hälfte der Hochschulstudentinnen und -studenten an den niederländischen Hochschulen besucht eine solche HBO-Schule, die über das ganze Land verteilt sind. Diese Schulen versuchen, ihren Studierenden den Übergang zum späteren Arbeitsleben so leicht wie möglich zu machen, indem ein Großteil des Unterrichts sich direkt auf den angestrebten Beruf bezieht. Zudem wird während des Studiums viel Wert auf das Absolvieren von Praktika bei Arbeitgebern in dem späteren Berufsfeld gelegt. So ist es für die Studentinnen und Studenten dieser Schulen bereits während des Studiums nicht schwer, einen guten Eindruck des angestrebten Berufs zu bekommen und zu erkennen, in welche Richtung man sich am liebsten spezialisieren möchte.

Es besteht ein auffälliger Unterschied bei der Präferenz zwischen Universität und berufsbildender Hochschule. Etwa zwei von drei Studenten in den Niederlanden absolvieren ihre akademische Ausbildung an einer Fachhochschule. Vor allem im technischen und im wirtschaftlichen Bereich entscheiden sich viele Absolventen für ein Studium an einer der vielen niederländischen berufsbildenden Hochschulen. Ferner werden auch die meisten Grundschullehrerinnen und -lehrer und ein erheblicher Teil der Lehrkräfte für weiterführende Schulen an diesen HBO-Schulen ausgebildet, da vielen Studierenden der Unterricht an den Universitäten zu abstrakt ist.

Übersichtlich und praxisorientiert

Die Unterrichtsstruktur dieser berufsbildenden Schulen ist meist sehr übersichtlich: Die Studierenden bekommen klare Vorgaben bezüglich der zu absolvierenden Kurse und haben innerhalb des gewählten Studiengangs meist wenig Wahlmöglichkeiten. Praktika werden innerhalb des Studiengangs schon bald nach Studienanfang absolviert und nehmen während des Studiums einen immer wichtigeren Platz ein. In vielen Fällen ist das vierte und letzte Studienjahr sogar komplett als Praktikum zu absolvieren. Bei Lehrerausbildungen ist es zum Beispiel üblich, bereits ab dem ersten Jahr jede Woche auch einen Tag an einer Schule zu arbeiten. Das letzte Jahr des Studiums arbeitet der Student dann als eine Art Referendar an einer Schule. Technisch ausgerichtete Studiengänge integrieren oft selbst gesuchte oder von der Hochschule vorgeschlagene Projekte bei Ingenieursbetrieben in ihre Unterrichtspläne. Und betriebswirtschaftliche Studiengänge bieten die Möglichkeit, sich bei Firmen bereits eine Vorstellung vom betriebswirtschaftlichen Leben zu machen und sich außerdem bereits in dem angestrebten Beruf zu beweisen.

Viele Studentinnen und Studenten der berufsbildenden Schulen haben wegen dieser praxisbezogenen Unterrichtsstruktur die Möglichkeit, nach ihrem Studium einen Job bei einem Unternehmen anzutreten, bei dem sie während des Studiums ein Praktikum absolviert haben. Das Studium an einer berufsbildenden Schule beginnt, wie auch an niederländischen Universitäten, am 1. September und endet offiziell am 31. August. Der Unterricht wird in mehrere Blöcken unterteilt und die Ferienzeiten folgen den Vorgaben, die auch für Grund- und Sekundarschulen gelten. Studienjahre werden in Studienpunkten gemessen, die als „Credits” bezeichnet werden. Diese Credits werden nach dem European Credit Transfer System (ECTS) vergeben und gelten in der gesamten Europäischen Union als Maßstab für erbrachte Studienleistungen. Ein Studienjahr beträgt nach diesem Punktesystem maximal 60 ECTS, das ganze Studium an einer berufsbildenden Schule entsprechend 240 ECTS. Nach einem erfolgreichen Abschluss an einer dieser HBO-Schulen erhält man den Titel „Bachelor” oder „Ingenieur” und ist dazu berechtigt, an einer Universität weiterzustudieren, um einen Mastertitel zu erwerben. Jede Universität hat andere Zulassungsregeln für Studierende mit einem solchen Abschluss. In vielen Fällen besteht aber durch Kooperationen von berufsbildenden und wissenschaftlichen Hochschulen auch die Möglichkeit, schon in den letzten Jahren des Studiums an der berufsbildenden Hochschule parallel das Studium an der Universität anzufangen, weshalb es dann zu weniger Verzögerungen bei dem Übergang von berufbildender zu wissenschaftlicher Hochschule kommen sollte. In manchen Fällen ist es mit einem HBO-Abschluss sogar möglich, direkt eine Promotion an einer Universität zu beginnen. Diese Erweiterung des HBO-Studiums um eine wissenschaftliche Qualifikation ist aber auf keinen Fall notwendig, denn Absolventen mit einem Abschluss einer berufsbildenden Hochschule haben in den meisten Fällen keine Schwierigkeiten, einen passenden Job zu finden.

Autor: Peter van Dam
Erstellt:
November 2006
Aktualisiert: März 2014, Onlineredeaktion