II. Die Bologna-Reform

Zunehmend wichtig in der Hochschullandschaft ist die internationale Ausrichtung, bei der die sogenannte Bologna-Reform eine zentrale Rolle spielt. „Ziel des 1999 in der italienischen Universitätsstadt Bologna angestoßenen Hochschulreformprozesses ist es, international akzeptierte Abschlüsse zu schaffen, die Qualität von Studienangeboten zu verbessern und mehr Beschäftigungsfähigkeit zu vermitteln.”[1] Der Hochschulstandort Europa soll im internationalen Vergleich attraktiv bleiben. Aus diesem Grund wurde mit der Hochschulreform eine bessere Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse angestrebt, wodurch die Studierendenmobilität erhöht und die Bündelung von Kompetenzen ermöglicht werden sollte. Auch wenn die Vorgaben des Prozesses in den verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich schnell umgesetzt wurden, haben sich die Bachelor- und Masterstudiengänge nun doch in den meisten Ländern erfolgreich etabliert.

Die Bologna-Reform fokussierte auch eine engere Zusammenarbeit der europäischen Hochschulen untereinander, um Stärken zu bündeln und Schwächen auszugleichen. Grenzüberschreitende Hochschulkooperationen sollten durch die Vereinheitlichung der Systeme einfacher umsetzbar werden und selbst die Einführung gemeinsamer Studiengänge von Hochschulen verschiedener Länder wurde angestrebt. Das Hochschulwesen in den Niederlanden und Deutschland hat in den vergangenen Jahren aufgrund des Bologna-Prozesses große Veränderungen durchlaufen. Nachdem die Reform am Ende der 1990er Jahre mit dem Ziel auf den Weg gebracht wurde, eine Vereinheitlichung des europäischen Hochschulwesens zu erreichen und dabei international wettbewerbsfähig zu bleiben, wurden in beiden Ländern Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt, die die nationalen Vorgängerabschlüsse ablösten. Die neuen Abschlüsse sollten die Qualifikation der Absolventen vergleichbarer und verständlicher machen, wodurch sowohl die Mobilität der Studierenden als auch die Berufsfähigkeit der europäischen Bürger erhöht werden sollten. Außerdem wurde die Einführung eines Leistungspunktesystems (ECTS) angestrebt. Die Umsetzung der neuen Reformen erfolgte in den Niederlanden und Deutschland nicht parallel. In Deutschland entschied man sich für eine relativ lange Übergangsphase, in der die Bachelor- und Masterstudiengänge parallel zu den alten Studienformen angeboten wurden. Erst bis zum Jahr 2010 sollte die Umstellung vollständig abgeschlossen sein. In der Realität war dies an den meisten Hochschulen jedoch bereits 2007 der Fall. In den Niederlanden erfolgte die Änderung deutlich schneller. Innerhalb von zwei Jahren wurden zwischen 2001 und 2003 nahezu alle Studiengänge an niederländischen Universitäten und Hogescholen auf das Bachelor-Master-System umgestellt.


[1] Bundesministerium für Bildung und Forschung: Der Bologna-Prozess: eine europäische Erfolgsgeschichte, Onlineversion.

Autorin: Katrin Grave
Erstellt:
Dezember 2013