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Christiaan Huygens

* Den Haag, 14. April 1629 - † Den Haag, 8. Juli 1695 - Astronom, Mathematiker und Physiker

Christiaan Huygens

Christiaan Huygens, Quelle: Caspar Netscher

“Wenn wir Christiaan Huygens betrachten, 10 Jahre nach Stevins Tod geboren, aber so frühreif, dass er vielmehr an einen Sohn und jüngeren Zeitgenossen als an einen Urvater erinnert, dann verlieren Muttersprache und Vaterland nahezu an Bedeutung. Christiaan lebte mehr für Europa und (durch seine Chronometer für die Ostindienfahrer) für Asien, als für die Sieben Provinzen.”

Ohne Christiaan Huygens (1629-1695) hätte der Saturn keine Ringe. Zumindest wären sie nicht bereits 1665 entdeckt worden. Der Sohn des prominenten holländischen Staatsmannes und Schriftstellers Constantijn Huygens war der vielseitigste niederländische Wissenschaftler seiner Zeit. Neben den Ringen des Saturns entdeckte Huygens, nachdem er eine neue Teleskopart entwickelt hatte, auch einen Mond in der Nähe des Planeten. Des Weiteren perfektionierte er die Pendeluhr, entwickelte eine neue Stufeneinteilung der Oktave und machte noch weitere Entdeckungen und Erfindungen. Nicht von ungefähr bezeichnete im 19. Jahrhundert der Historiker Conrad Busken Huet Huygens eher als einen Zeitgenossen als einen Urvater. Huygens schien seiner Zeit weit voraus.

Dennoch ist Huygens nach Aussage der Wissenschaftshistoriker A.J. Kox und P.H. Polak der breiten Öffentlichkeit “ziemlich unbekannt” geblieben. Dass die Schriften und Methoden, die Huygens hinterlassen hat, aus heutiger Perspektive unzugänglich und ohne Kenntnis des Wissensstandes des 17. Jahrhunderts nur schwer zu verstehen sind, wird mit ein Grund für seine relative Unbekanntheit sein. Zudem hat Huygens nur wenige Schriften hinterlassen. Er galt als perfektionistisch: er selbst soll befohlen haben seine Jugendwerke zu verbrennen, da er mit ihnen nicht mehr zufrieden war.

Dank der bedeutenden Position seines Vaters kam der 1629 in Den Haag geborene Christiaan bereits früh mit den großen Gelehrten und Künstlern seiner Zeit in Kontakt. Die Theorien von René Descartes, der sich lange Zeit in den Niederlanden aufhielt, stellten eine große Inspiration für den jungen Huygens dar – auch wenn er später im Bereich der Mathematik eine andere Meinung vertrat als der französische Philosoph. Ursprünglich studierte Huygens, als Sohn eines bekannten Diplomaten, Rechtswissenschaften an der Universität in Leiden. Sein Talent für die Mathematik gewann jedoch immer mehr die Oberhand. Er kaufte sich seinen akademischen Titel – was im 17. Jahrhundert nicht untypisch war – und fing an, sich als Wissenschaftler zu profilieren. Er reiste durch ganz Europa und veröffentlichte seine ersten Schriften über Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung.

1655 kehrte er mit einem gewissen Unwillen in die Niederlande zurück, wo er seine wichtigste Erfindung machte: eine äußerst präzise Pendeluhr. Es ist Huygens zu verdanken, dass sich das Prinzip der Pendeluhr, das unter anderem bereits von Galileo Galilei beschrieben worden war, in der Praxis durchsetzen konnte. Mit Erfolg: keine drei Jahre später (1658) erhielt der Domturm von Utrecht eine große Uhr, die auf dem Prinzip von Huygens beruhte. Auch der Wissenschaft war mit diesen präzisen Uhren geholfen: Messungen konnten nun viel genauer durchgeführt werden.

Aufgrund dieser Erfindungen wurde er in ganz Europa zu einem berühmten Wissenschaftler. In Paris und London wurde er zu einem gern gesehenen Gast. 1663 wurde er in der englischen Hauptstadt zum Mitglied der “Royal Society of Sciences” ernannt, nach wie vor eine der prestigereichsten Wissenschaftsvereinigungen der Welt. Huygens blieb jedoch nicht in England. Als in Paris nach englischem Vorbild eine Académie des Scíences gegründet wurde, entschied sich Huygens endgültig nach Frankreich zu ziehen. Als Huygens 1681 aus gesundheitlichen Gründen längere Zeit in den Niederlanden verweilen musste, zeigte es sich, dass man ihn in Frankreich nicht mehr an der Akademie zurück haben wollte. Das politische Klima hatte sich dort dermaßen verändert, dass man keinen Wert mehr auf den Protestanten und aus einer politisch aktiven Familie stammenden Huygens legte. Bis zu seinem Tod blieb er in den Niederlanden, wo er sich unter anderem mit Newtons Theorien über Schwerkraft und Tonarten auseinander gesetzt hat.

Huygens, der sein ganzes Leben über kränklich gewesen war, starb 1695 in Den Haag – kinderlos und unverheiratet. Nach Huygens sind unter anderem ein Supercomputer, mehrere Weltraummissionen, Satelliten und Gebäude niederländischer Universitäten benannt.

Autor: Lennert Savenije
Erstellt: Dezember 2008


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Bildung und Forschung finden Sie unter Bibliographie

Kox, A.J. (Hrsg.): Van Stevin tot Lorentz. Portretten van achttien Nederlandse natuurwetenschappers, Amsterdam 1990. online

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