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Erasmus von Rotterdam (Desiderius Erasmus)

* Rotterdam, 28. Oktober 1466 (oder 1467 oder 1469) - † Basel, 12. Juli 1536 - Gelehrter des europäischen Humanismus

Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam, Quelle: Hans Holbein der Jüngere/GFDL

Der Augustiner Mönch Desiderius Erasmus war ein bedeutender Vertreter des westeuropäischen Humanismus. Er war bereits zu Lebenszeiten bei seinen Zeitgenossen hoch angesehen und schrieb, übersetzte und editierte unzählige Werke.

Die Geburt des Gerrit Gerritszoon – wie Erasmus’ niederländischer Name lautete – ist durch viele Versuche der Verklärung schwer zu rekonstruieren. Bereits die Jahreszahl (1466, 1467 oder 1469) ist umstritten, ebenso wie der Ort, denn sowohl Gouda als auch Rotterdam beanspruchen den Status des Geburtsorts. Erasmus selbst meinte später, er sei in Rotterdam geboren als Sohn eines in Gouda tätigen Priesters und dessen Haushälterin, der Tochter eines Zevenberger Mediziners. Vermutlich hat seine Mutter sich in Rotterdam entbinden lassen, damit die Geburt kein Aufsehen erregen würde. Erasmus lebte nach seiner Geburt wohl zunächst einige Jahre in Rotterdam, zog dann nach Gouda.

Das außereheliche Kind bekam eine sehr gute Schulausbildung an der lateinischen Schule in Deventer. 1485 verließ er Deventer ohne Schulabschluss, aber des Lateinischen sehr gut mächtig und geistig bereichert durch Begegnungen mit den Humanisten Rudolf Agricola und Alexander Hegius. Auf Wunsch seiner Vormünder trat er in ein Kloster nahe Gouda ein. Nach seiner Priesterweihe 1492 konnte er sein Studium weiter vertiefen. Er zog nach Paris, um dort Theologie zu studieren. Auch dort lernte er viele wichtige Humanisten kennen. Das Studium der in Paris stark vertretenen Scholastik gefiel ihm gleichwohl nur mäßig, weil diese seiner Meinung nach zu wenig mit den wichtigsten christlichen Schriften zu tun hatte. Nach einem kurzen Aufenthalt in England, wo er unter anderem den späteren Autor von "Utopia", Thomas More, kennenlernte, publizierte er eine Sprichwörtersammlung, die sich sehr gut verkaufte.

Nachdem er einen Ruf der Universität Löwen 1502 abgelehnt und sich eine Zeitlang auf Übersetzungen aus dem Griechischen konzentriert hatte, machte Erasmus sich 1506 nach Italien auf. Um diese Zeit herum änderte er auch seinen Namen zu "Desiderius Erasmus", wobei er fälschlich davon ausging, dass sein Name "Gerrit" vom Verb "begeren" (begehren) abgeleitet war. Als Erasmus nach drei Jahren aus Italien in Richtung England zurückkehrte, schrieb er auf der Reise sein berühmtestes Werk, "Lob der Torheit", das er Thomas More widmete. In dem Buch verspottete Erasmus den unangebrachten Ernst, mit dem die Menschen ihre eigenen Interessen verfolgen und ihre rasche, kurzsichtige Einschätzungen Anderer.

In den darauffolgenden Jahren lebte Erasmus hauptsächlich in England, wo er in Cambridge Altgriechisch lehrte. Er war zunehmend davon überzeugt, dass die damals verwendete lateinische Bibelübersetzung (der "Vulgat") viele Fehler enthielt, und machte sich an einer neuen Übersetzung aus dem Griechischen. Dieses Unternehmen war auch unter seinen Bekannten umstritten, da man fürchtete, dass eine neue Übersetzung die Autorität der sowieso bereits in ihrer Stabilität gefährdeten Römisch-Katholischen Kirche weiter untergraben könnte. Erasmus ließ sich aber nicht auf andere Gedanken bringen. Nachdem er in Basel, wo sein Herausgeber Johann Froben ansässig war, eine zweisprachige Ausgabe des Neuen Testamentes und eine Edition der Briefe des Kirchenvaters Hieronymus herausgegeben hatte, zog er ins heutige Belgien. Dort hatte er einen Ratgeberposten bei Karl V. inne.

Als die Reformation in den Niederen Landen immer mehr Anklang fand, hielt Erasmus, der dem Katholizismus treu blieb, es dort nicht mehr aus. Er lehnte Luthers provokative Art ab, wenngleich er immer wieder für wechselseitige Toleranz der verschiedenen Meinungen eintrat. Um Konflikten aus dem Weg zu gehen kehrte er 1521 nach Basel zurück. Auch dort konnte er aber dem von der Kirchenspaltung verursachten Konflikt nicht ausweichen. 1524 zeigte er sich öffentlich mit Martin Luther uneinig in der Frage nach dem Verhältnis des freien Willens zur Gnade Gottes.

Trotz dieses Konfliktes mit Luther waren Erasmus’ Ansichten auch unter den Getreuen der römischen Kurie nicht unumstritten. Erasmus musste sich auch ihnen gegenüber immer wieder rechtfertigen. Nachdem er zwischen 1529 und 1535 noch einige Jahren in Freiburg im Breisgau gelebt hatte, fand er erneut nach Basel zurück. Dort starb er am 12. Juli 1536, nachdem der vor allem Latein sprechende Gelehrte angeblich auf Niederländisch die letzten Worte "Lieve God" gesprochen hatte. Er wurde in dem Münster zu Basel beerdigt.

Autor: Peter van Dam
Erstellt: Oktober 2007


Literatur

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Tracy, J.D.: Erasmus of the low countries, Berkeley 1997.

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