Partnerschaften: Schulen und Universitäten

Bildung und Forschung - Kurzbeitrag 

Niederländisch-deutsche Partnerschaften gab es schon vor Jahrhunderten, als es zwischen den Niederlanden und Deutschland noch keine Grenze gab und das Grenzgebiet mehr oder weniger eine Einheit mit einer gemeinsamen Sprache und gemeinsamen Sitten bildete. Als 1815 auf dem Wiener Kongress die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden festgelegt wurde, entwickelten sich die Länder unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen. Der Zweite Weltkrieg verursachte weiteren Abstand zwischen den Ländern. Der Krieg löste bei den Niederländern Misstrauen aus und resultierte in einer negativen Haltung Deutschland gegenüber. Nach dem Krieg brauchten die Länder sich jedoch gegenseitig, damit sie durch Zusammenarbeit die Wirtschaft vorantreiben konnten. Vor diesem Hintergrund wurden die Partnerschaften wiederbelebt. Außerdem sollten die Partnerschaften zur Versöhnung beitragen: Durch Zusammenarbeit konnten die Länder sich gegenseitig kennen lernen und gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Mit der Zeit setzte man sich für Vertiefung und Ausweitung der Beziehungen ein. Ziel aller Partnerschaften war und ist es, ein einheitliches Europa zu kreieren: Miteinander zusammenzuarbeiten, anstatt sich den Rücken zu zukehren.

Partnerschaften können sich auf verschiedenste Art und Weise gestalten. Es gibt viele Städte, die Partnerschaften mit anderen Städten eingegangen sind. Vor allem im Grenzgebiet hat man viele Partnerschaften dieser Art gegründet. Es kommt oft vor, dass die Städte eine gemeinsame Geschichte haben oder aber auch im Alltag viel miteinander zu tun haben. Die Partnerstädte tragen dazu bei, dass man zusammenarbeitet und dass die Kontakte somit gefördert werden. So werden die unterschiedlichsten Vereine innerhalb einer Partnerschaft zwischen Städten gegründet. Es gibt Städte die Schüleraustausche, Ausflüge und Lesungen organisieren, aber auch gemeinsame Musikvereine, Sportvereine usw. gründen.

Schulpartnerschaften

Innerhalb einer Städtepartnerschaft können Schulpartnerschaften zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen gegründet werden. Schulpartnerschaften können jedoch auch unabhängig von Städtepartnerschaften entstehen. Sie organisieren Schüleraustausch, Lehreraustausch und gemeinsame Projekte.

Ein Beispiel einer Schulpartnerschaft ist die seit 1993 andauernde Partnerschaft zwischen der niederländischen Willibrordschool in Denekamp und der Grundschule Blumensiedlung - Europaschule in Nordhorn. Die Schulen sind nur vier Kilometer voneinander entfernt. Auf deutscher Seite wird bereits ab der ersten Klasse Niederländisch angeboten, ab der dritten Klasse auch in den Fächern Sport und Musik. Diese Angebote zeigen, dass grenzüberschreitende Partnerschaften im Bildungsbereich langfristig vor allem auf finanzielle Unterstützungen angewiesen sind – in diesem Falle durch die Nederlande Tallunie. Neben dem Erlernen der anderen Sprache haben die Schulen in den vergangenen Jahren diverse Aktivitäten veranstaltet. So schreiben sich die Schüler gegenseitig und schicken einander Fotos. Außerdem haben die Schulen zusammen Nikolaus und Weihnachten gefeiert. Regelmäßig treffen die Schüler sich im jeweils anderen Land.

Auch zwischen dem Lehrpersonal findet ein stetiger Austausch statt. Im Rahmen der Lehrerausbildung der Stenden Hogeschool wurde zudem die Brücke zwischen den Bildungssektoren geschlagen: Niederländische Lehramtsanwärter konnten ihre didaktischen Erfahrungen an der Grundschule testen. Die Vertiefung des sprachlichen Austausches steht zudem im Zentrum des seit 2017 von der EU geförderten Projektes „Sprich deine Nachbarsprache – Spreek je buurtaal“, das für vier Jahre angesetzt ist. Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet nehmen etwa 40 Schulen und insgesamt 5.000 Schüler und Schülerinnen teil. Auch hier soll der Ausbau des Fremdsprachenunterrichtes um die Weiterqualifizierung von Lehrkräften ergänzt werden. Neben den niederländischen Gemeinen Achterhoek und Aalten und der Nederlande Taalunie wird die Förderung durch die Bezirksregierung Münster, der Landesschulbehörde Niedersachens und weiteren deutschen Gemeinden in einem Gesamtumfang von 2,6 Mio. Euro gefördert.

Auch die Gerhart-Hauptmann-Realschule in Nordhorn (seit 2012 Ludwig-Povel-Schule) und das Dinkel-College in Denekamp sind eine Partnerschaft eingegangen. Die Schulen feiern zusammen Karneval und nehmen gemeinsam an der Zeremonie zur Totenehrung am 4. Mai teil. Außerdem haben die Schüler der beiden Schulen an einem Projekt teilgenommen: Internationalisierung auf dem Fahrrad. Die Schüler haben die jeweiligen Schulen – mit dem Fahrrad – besucht, damit sie sich und die unterschiedlichen Schulsysteme kennenlernen. So haben mittels Umfragen und Videoaufnahmen Recherchen an den Schulen gemacht. Auch haben die Schüler am Unterricht teilgenommen. Das Projekt wurde als Erfolg bezeichnet.

Schüleraustausch und Sprache

Alle Niederländer sprechen gut Deutsch. Das denken zumindest wir Deutsche über unsere Nachbarn. Stimmt nicht! Nicht immer, nicht mehr. Seit 1999 können die Schüler – neben dem Pflichtfach Englisch – zwischen Französisch und Deutsch wählen. Die Folge: Immer weniger Niederländer sprechen ausreichend Deutsch.

Auch die Schulen wissen um die Problematik. Es war eine schöne Zeit, als das Zandvliet College im Zentrum von Den Haag regelmäßig nach Berlin fuhr, als die Schüler sich die Stadt ansahen, am Unterricht der Luise Henriette Oberschule in Tempelhof teilnahmen und das deutsche Leben in Gastfamilien miterlebten. Zehn Jahre lang gab es diesen Schüleraustausch, weiß Loes Smit-Naaborg, seit 36 Jahren Lehrerin am Zandvliet und Leiterin der Sektion Deutsch. “Doch als 89 die Mauer fiel, war Deutschland und Berlin plötzlich nicht mehr so interessant für die Schüler”, erinnert sie sich. Irgendwann dann wurde aus finanziellen Gründen der Zuschuss für den Austausch gestrichen und so schlief die ganze Sache ein.

Doch nun ist die weiterführende Schule wieder mit der Internationalisierung beschäftigt. Sie nimmt an dem Kulturprojekt “life through the lens” - Leben durch die Linse – mit Schulen aus Deutschland, England, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Spanien und Polen teil. “Die Schüler entscheiden sich bei ihrer Fremdsprachenwahl aber immer noch mehr für Deutsch als für Französisch”, weiß Loet Smit-Naaborg. Und sie denkt, dass dieser Trend weiteranhält, sich sogar verbessert. “Junge Menschen wissen, dass Deutsch wichtig ist, dass Deutschland der wichtigste Handelspartner für die Niederlande ist. Und: Deutschland wird bei den Niederländern als Urlaubsziel immer beliebter”, sagt sie. Außerdem lägen die Kriegsereignisse nun immer länger zurueck. “Auch das spielte mal eine große Rolle”, meint die Lehrerin.

Denise Ludwig

Neben den direkten Verbindungen zwischen einzelnen Schulen existieren zudem übergreifende Initiativen, die den Austausch zwischen den beiden Bildungsräumen fördern sollen. Diese verlagern sich zunehmen auf die europäische Ebene – es geht also nicht mehr nur um die Partnerschaft zwischen zwei Schulen, sondern zwischen zwei EU-Staaten. Auch die Digitalisierung bietet Potenzial für die Ausweitung der Bildungspartnerschaften, welche außerdem auf den tertiären Bereich ausgeweitet werden. Ein Beispiel dafür ist die in den Niederlanden angebotene Europäische Bildungsplattform (Europees Platform voor het Nederlandse Onderwijs; seit 2015 Nuffic). Die Plattform fördert die Internationalisierung des niederländischen Unterrichts, um somit zur Verbesserung der Unterrichtsqualität beizutragen. Die Projekte werden von der Europäischen Union unterstützt. Zu den Zielgruppen der Europäischen Plattform zählen Vorschulen, Grund- und Sekundarschulen, Lehrerausbildungsstätten sowie Berufs- und Erwachsenenbildung. Sie organisieren zahlreiche Projekte, die die Zusammenarbeit zwischen Schulen und den Austausch von Schülern und Lehrern fördern. In ihrer strategischen Agenda für die Jahre 2016 bis 2020 kündigte Nuffic an, Forschung zu Internationalisierungsprozessen in der Bildung zu fördern. Dies umfasst z.B. die Bereitstellung von „Marktanalysen“ im Bildungsbereich sowie strategische Kommunikationsberatung für Anbieter von Bildungsangeboten. Auch werden Trainings für Lehrende angeboten, die ihre Bildungsangebote internationalisieren wollen.

Universitätspartnerschaften

Auch im Wissenschaftssektor sind spezielle Partnerschaften gegründet worden. Universitäten knüpfen Kontakte mit Universitäten im Ausland, damit die Möglichkeit für ein Praktikum oder/und ein Studium im Ausland gefördert wird. Manche Universitäten bieten deswegen sogar grenzüberschreitende Studiengänge an. Die Partnerschaften betreffen jedoch nicht nur Studenten. An der Radboud Universiteit Nijmegen zum Beispiel umfassen die Partnerschaften auch den Austausch von Dozenten, Curriculumentwicklung und Forschungsprojekte. Zusammen mit der Westfälischen Wilhelms-Universität hat die Universität von Nijmegen einen binationalen Masterstudiengang entwickelt (Niederlande-Deutschland-Studien). Die Studenten erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein Joint Degree, d.h. einen niederländischen und einen deutschen Masterabschluss.

Der 2017 herausgegebene Sammelband Grenzüberschreitend forschen: Zusammenfassungen ausgewählter Abschlussarbeiten des Masterstudiengangs Niederlande-Deutschland-Studien (Schriftenreihe aus dem Haus der Niederlande, WWU Münster) zeichnet das Bild eines multidisziplinären Studienganges, der sich exklusiv mit den Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden beschäftigt. So beschäftigten sich die Absolventen und Absolventinnen des Masterstudiengangs multimethodisch mit solchen Themen wie Sprachförderung, Energiepolitik, kultureller Kompetenz in Betrieben, Lehrerausbildung, Medienberichterstattung, Bildungspolitik, Parteiengeschichte uvm. – stets durch eine interkulturelle Linse. (Der Sammelband ist unter der Adresse http://www.uni-muenster.de/ZNS/forschung/veroeffentlichungen/ frei verfügbar.)

Die Gründung und Fortsetzung der Universitätspartnerschaften werden zudem vom Programm für Lebenslanges Lernen (LLLP) unterstützt. LLLP ist eine von der Europäischen Kommission unterstützte Institution, die die Zusammenarbeit zwischen Ländern im Bildungsbereich fördern will. Sie ermöglicht, mit Hilfe von verschiedenen Programmen, Auslandsaufenthalte von Schülern und Lehrern, auf verschiedenen Ebenen (von Grundschulen bis Universitäten). Die LLLP-Programme beziehen sich neben dem Schulunterricht auch auf spezielle Themen, wie z.B. Erwachsenenbildung, Sprachunterricht oder auch Informations- und Kommunikationstechnologie. Eng damit verknüpft ist das Erasmus-Programm, das die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Fachhochschulen – nicht nur im deutsch-niederländischen Raum – in allen Fachrichtungen fördert und dadurch die Studierendenmobilität erhöht.

Austausch von Auszubildenden und Ausbildern mit den Niederlanden

Der bilaterale Austausch von Auszubildenden und Ausbildern mit den Niederlanden (BAND) ist ein seit 1995 bestehendes Programm, das Partnerschaften zwischen deutschen und niederländischen Einrichtungen der beruflichen Bildung fördert. Das Programm wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) angeboten und u.a. vom niederländischen Bildungs- und Kulturministerium (Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschap) finanziert. Konkret sollen grenzüberschreitende Partnerschaften zwischen ausbildenden Unternehmen und Einrichtungen gefördert und somit auch außerhalb des wissenschaftlichen Bereiches interkulturell kompetente Arbeitskräfte ausgebildet werden. Ein Austausch dauert zwischen drei und zwölf Wochen und findet in Gruppen statt. Auch Ausbildende nehmen am Austausch teil und können ihre Fach- und Lehrkompetenzen im anderen Land anwenden. Dies umfasst auch einen systematischen Vergleich von Lehrplänen, sodass auch auf fachlich-didaktischer Ebene kooperiert und gelernt werden kann.

Autorin: Sonja Jonkman
Erstellt: April 2004
Aktualisiert: Juli 2010, sowie Februar 2018 von Henry Robbert