V. Vorgaben für das Fach Niederländisch

Natürlich dürfen Lehrerinnen und Lehrer nicht irgendwie unterrichten. Der Unterricht in allen Schulformen ist gesetzlich auf der Länderebene und bundesländerübergreifend durch Vorgaben geregelt. Grundsätzliche Festlegungen stehen im „Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen“. Die gesetzlichen Bedingungen, Rechte, Pflichten und Ziele der Schulen betreffen ganz unmittelbar auch den Niederländischunterricht, sicherlich wenn es um Grundsätze der Leistungsbewertung oder Lernmittel geht. Die jährlich erscheinende BASS (Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschriften NRW) enthält darüber hinaus alle für den Schulbereich erscheinenden Verwaltungsvorschriften und Erlasse, von denen sich einige auch auf Organisationsformen des Niederländischunterrichts auswirken können, etwa zu Fahrten ins benachbarte Ausland oder Schüleraustauschen.

Vorgaben für das Abitur

Besonders stark reglementiert ist die höchste Qualifikation an Schulen, die Allgemeine Hochschulreife. Die „Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die gymnasiale Oberstufe (APO-GOSt)“ enthält die Bestimmungen, die den Unterricht in der Oberstufe des Gymnasiums und der Gesamtschule im Land Nordrhein-Westfalen betreffen. Für das Berufskolleg gilt entsprechend die „Ausbildungs- und Prüfungsordnung in den Bildungsgängen des Berufskollegs (APO-BK)“. Diese Verordnungen sind zunächst nicht fächerspezifisch: Sie umfassen zum Beispiel Umfang und Dauer des Bildungsganges, die Unterrichtsfächer, Versetzungsfragen, Ablauf und Anforderungen des Abiturs etc. Wird Niederländisch im jeweiligen Bildungsgang unterrichtet, fällt jedoch dieses Fach unter diese Bestimmungen. Vorgaben zum Abitur wirken durchaus prägend, nahezu normierend auf die Gestaltung des Unterrichts selber, da es ja die Aufgabe der Lehrkraft in diesen Bildungsgängen ist, auf die Anforderungen des Abiturs vorzubereiten. Konkretisiert werden die Anforderungen im Lehrplan des einzelnen Faches (siehe unten).

Die Kultusministerkonferenz legt für eine Reihe von Fächern „Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife“ fest, um die Qualität des Abiturs in den einzelnen Bundesländern zu sichern. Für Niederländisch sind diese nicht definiert, hier empfiehlt sich ein Blick in die Bildungsstandards für die Fremdsprachen Englisch und Französisch. Hingegen liegen „Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Niederländisch“ vor, die bundeslandübergreifend – also in diesem Fall Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen betreffend – im Abitur erwartbare fachliche Inhalte, Kompetenzbereiche und Qualifikationsanforderungen definiert, sowie konkrete Beispiele zur Gestaltung von Abituraufgaben enthält.

Auf der Ebene des Landes werden diese Abituranforderungen näher ausgestaltet. In Nordrhein-Westfalen werden für die schriftliche Abiturprüfung zentrale Aufgaben gestellt. So wird von allen Schülern des Landes, die Niederländisch als Leistungskurs oder als weiteres schriftliches Abiturfach (Grundkurs) gewählt haben, zum selben Zeitpunkt an allen allgemeinbildenden Gymnasien (oder im Weiterbildungskolleg) dieselbe Klausur geschrieben. Die Aufgaben sind der Lehrkraft zuvor nicht bekannt. Um die Schülerinnen und Schüler entsprechend vorbereiten zu können, werden auf der Webseite des Schulministeriums für den betreffenden Jahrgang inhaltliche Vorgaben öffentlich gemacht. Diese betreffen unter anderem...

  • Die für das Abitur anvisierte mögliche Zieltextformate, als Texte, die die Schüler selber produzieren können sollten, wie etwa „betoog“ (dt.: Erörterung) oder „leesverslag“ (dt.: Leseprotokoll).
  • Schwerpunktsetzungen in den Themenfeldern, beispielsweise
    • „Deutschland und Niederlande als Nachbarn“
    • „Wasser als Thema und Motiv in der niederländischen Literatur“ oder
    • „Kulturelle Identität in Belgiens Hauptstadt – historische und aktuelle Aspekte des Sprachenstreits“

Jährlich werden diese Schwerpunktsetzungen ein wenig verändert, um aktuelle Themen einbeziehen zu können. Sie entstammen den soziokulturellen Themenfeldern, die im Lehrplan festgeschrieben sind. Auch können Beispielaufgaben und Bewertungskriterien eingesehen werden. Beide prägen in besonderem Maße die Gestaltung von Lernaufgaben und Klausuren in der Qualifikationsstufe, mit dem Ziel, die Schüler an Form und Anspruch des Abiturs vorzubereiten. Die Bewertung der bearbeiteten Abituraufgaben anhand des gegebenen Bewertungsschemas wird von zwei Niederländischlehrkräften vorgenommen.

Mündliche Abituraufgaben werden dezentral – also von der unterrichtenden Niederländischlehrkraft selbst erstellt. Vorgaben dazu sind neben dem Lehrplan auch der APO-GOSt bzw. der APO-BK zu entnehmen.

Vorgaben für den Unterricht in der Sekundarstufe I

Auch für den Unterricht in den Klassen 5-10 gibt es eine „Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I (APO-SI)“. Sie regelt Grundsätzliches, was jedoch auch den Niederländischunterricht tangiert, wie etwa Schulstundenzahl, das Recht auf individuelle Förderung oder Vorgaben, die die Leistungsbewertung betreffen.

Lehrpläne

In einem Lehrplan wird beschrieben, was im Laufe eines Bildungsganges gelernt und welches Kompetenzniveau zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht werden soll. Damit plant die Lehrkraft den Unterricht, wählt Lehrwerke aus und konzipiert Klassenarbeiten und Klausuren.

Die Grundlage für die Sprachniveaus ist der „Gemeinsame europäische Referenzrahmen für das Lehren und Lernen von Fremdsprachen“ aus dem Jahr 2001. Am selben Referenzrahmen orientieren sich auch andere Länder in ihrem Unterricht, in Prüfungen und Sprachzertifikate, zum Beispiel auch die Niederlande und Belgien.

Die Lehrpläne in Nordrhein-Westfalen enthalten durch ihre konsequente Kompetenzorientierung hauptsächlich Hinweise, was zu einem bestimmten Zeitpunkt gekonnt werden muss und nur sehr begrenzt Hinweise zu Unterrichtsgegenständen, Themen oder gar zu unterrichtsdidaktischen Überlegungen. Nicht umsonst tragen die meisten den Titel „Kernlehrpläne“.

Für Niederländisch an allgemeinbildenden Schulen sind das die Kernlehrpläne

  • für die Realschule
  • für die Sekundarstufe I der Gesamtschule
  • für die Sekundarstufe I des Gymnasiums
  • für die Sekundarstufe II der Gesamtschule
  • für die Sekundarstufe II des Gymnasiums

Für das Berufskolleg gelten – je nach Bildungsgang – eine Vielzahl von Bildungsplänen. Für Niederländisch relevant sind:

  • Fachlehrplan Niederländisch (2. Fremdsprache) [als Grundkursfach] im Bildungsgänge des Beruflichen Gymnasiums nach Anlage D (D1 bis D28)
  • Fremdsprachliche Kommunikation in Fachklassen des dualen Systems der Berufsausbildung

Beispiele

Was muss nun eine Schülerin, die beispielsweise in der Realschule vier Jahre Niederländischunterricht hatte und nach der Klasse 10 die Schule verlässt, eigentlich können? Zunächst einmal sind für die Realschule - ganz ähnlich übrigens in allen Fremdsprachen und auch in anderen Schulstufen Kompetenzbereiche definiert, nämlich in etwa:

  • Kommunikative Kompetenzen (Hören, Sprechen, Schreiben, Lesen, Sprachmittlung)
  • Interkulturelle Kompetenzen: Orientierungswissen, Werte/Haltungen/Einstellungen und Handeln in Begegnungssituationen
  • Verfügbarkeit von sprachlichen Mitteln: Aussprache, Wortschatz, Grammatik, Rechtschreibung
  • Methodische Kompetenzen: Strategien, die die kommunikativen Kompetenzen betreffen, Umgang mit Texten und Medien, Lernstrategien

Wählen wir das Beispiel „Sprechen“, so lesen wir, dass besagte Schülerin „wichtige Kommunikationssituationen mit niederländischsprachigen Muttersprachlern bewältigen und sich über Themen ihres Interessens- und Erfahrungsbereichs sachbezogen unterhalten“ kann. Das heißt sie kann „in einfacher Form in Gesprächen und Diskussionen zu Themen […] Erfahrungen einbringen, Meinungen äußern und begründen“. Ferner kann sie von „ihrer Lebenswelt, ihren Gewohnheiten, Interessen, Vorlieben und Abneigungen beschreiben […] und von „Plänen, persönlichen Wünschen, Zielen und Hoffnungen erzählen und berichten“. Sie kann auch „wesentliche Aussagen von Texten (unter anderem kurzen Sach- und Gebrauchstexten, Erzählungen, Songtexten, Filmen und Filmsequenzen) zusammenfassen. Entsprechend steht an anderer Stelle beschrieben, dass sie auch längere, einfache Texte versteht und Jugendfilmen wie „Afblijven“ (nach dem gleichnamigen Roman von Carry Slee) folgen kann. Auch hat sie sich mit gesellschaftlichen Themen, die sie selbst und ihre Zukunft betreffen (zum Beispiel Ausbildung in Deutschland, den Niederlanden und Flandern), auseinandergesetzt usw. Die geschulte Lehrkraft erkennt an den detaillierten Formulierungen Hinweise zur Textauswahl für den Unterricht, zur thematischen Gestaltung von Unterrichtsreihen oder eines Schüleraustauschs etc.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Umgang mit den anderen Kernlehrplänen allgemeinbildender Schulen. Lehrpläne der Berufskollegs sind in besonderem Maße auf berufliche Handlungssituationen ausgerichtet, deren thematischer Zusammenhang im Lehrplan vorgegeben ist.

Aus den Beispielen wird bereits deutlich, dass im Unterricht vorrangig mit authentischen – also nicht für den Unterricht konzipierten – Materialien gearbeitet wird. Möglichst schnell wird vom Lehrwerk Abschied genommen und in inhaltsbezogenen Unterrichtsreihen mit Filmausschnitten, Zeitungstexten, fiktionalen Texten oder Radiobeiträgen unterrichtet, um die vorgegebenen Kompetenzen der jeweiligen Schulform anbahnen und vertiefen zu können.

Autorin: Veronika Wenzel
Erstellt: Juni 2014