X. Konzentration auf Grenzgebiete

Der Ursprung des niederländischen Sprachunterrichts geht auf die westlichsten Zipfel Nordrhein-Westfalens zurück. Genau auf jene Regionen, von denen aus sich die Niederlande innerhalb weniger Minuten erreichen lassen. Gerade hier ist der Wunsch nach einem guten Verhältnis zum Nachbarland, das im Zuge des Zweiten Weltkrieges mehr als gelitten hat, länger im Alltag spürbar gewesen. Heute genießen wir die räumliche Nähe zum Nachbarland: im Kurzurlaub genauso wie bei alltäglichen Besorgungen in niederländischen Geschäften oder im Rahmen von Bekanntschaften, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Und nirgendwo mehr als in den Grenzgebieten pauken Schüler Niederländisch. Oft steht dahinter der Wunsch, sich dem Nachbarn einfach verständlich machen zu wollen, zumal der die deutsche Sprache längst nicht mehr so sicher beherrscht, wie das in früheren Jahrzehnten der Fall war. Immer mehr Schüler tragen sich aber auch mit dem Gedanken, später einmal in den Niederlanden studieren oder eine Ausbildung beginnen zu wollen.

Großstädte bilden Schlusslichter

Ein Blick in die Statistik unterstreicht die Bedeutung von Niederländisch in Städten und Kreisen, die nur wenige Kilometer von den Niederlanden entfernt sind. Die meisten Schüler, die sich für Niederländisch als zweite oder dritte Fremdsprache entschieden haben, stammen aus den Kreisen Borken, Kleve und Steinfurt, nur eine kurze Autofahrt vom Nachbarland entfernt. Im Gegensatz dazu finden sich in den zentraler gelegenen Großstädten des Ruhrgebiets nur eine Handvoll Schulen. Dabei lässt sich hier von einer großen Schuldichte mit entsprechenden Möglichkeiten für ein diversifiziertes Sprachenangebot ausgehen. Ähnliches gilt für die Universitätsstädte Köln und Münster, die obgleich ihres großen Forschungsinteresses an den Niederlanden und der Ausbildung von Niederländischlehrern, verhältnismäßig wenige Niederländischschüler aufweisen. Niederländisch konnte sich demnach in den vergangenen Jahrzehnten als reguläres Unterrichtsfach etablieren, einen flächendeckenden Status erreichte es dabei bislang noch nicht.
In ihrer Masterarbeit am Institut für Niederländische Philologie untersuchte Lisa Wiesmann, an welchen Orten Niederländisch in den allgemeinbildenden Schulen unterrichtet wird. Ihre Karte zeigt die Konzentration auf den grenznahen, eher ländlichen Raum.[1]


[1] Wiesmann, Lisa: Grenzen der Welt, in: EUREGIO inform (März 2011), S. 5, URL: http://www.aebr.eu/pdf/fmanager//Regionen/E/EUREGIO/EUREGIO-Inform_March_2011.pdf (stand: 02. Juni 2014).

Autorin: Veronika Wenzel
Erstellt: Juni 2014