Haus der Niederlande im Krameramtshaus, Münster

Bildung und Forschung - Kurzbeitrag

Am 15. Mai 1995 wurde das Haus der Niederlande in Anwesenheit der Kronprinzen Willem-Alexander der Niederlande und Philip von Belgien offiziell eröffnet. Bei der Bezeichnung Haus der Niederlande geht es um die historischen Niederlande, zum Beispiel des ersten Königreiches, das ja bekanntlich das jetzige Königreich der Niederlande, das Königreich Belgien und das Großherzogtum Luxemburg umfasste. Der 15. Mai als Eröffnungstag wurde deshalb gewählt, weil an jenem Tage im Jahre 1648 der Spanisch-Niederländische Teilfrieden zu Münster im jetzigen Friedenssaal des Rathauses beschworen wurde. Die offizielle Unterzeichnung des Friedens fand am 30. Januar 1648 im Kaminzimmer des Hauses der Niederlande statt, das damals Krameramtshaus hieß und das Gildehaus der Kaufleute der Stadt Münster war. Das Krameramtshaus wurde 1589 im Auftrag der Kaufmannsgilde der Stadt Münster erbaut. Als Gildehaus verblieb es bis 1810, als die Gilden abgeschafft wurden. Nach drei Jahrzehnten im Privatbesitz erwarb die Stadt Münster das Haus im Jahre 1842. In der Folgezeit fanden zahlreiche städtische Ämter dort – in der Regel vorübergehend – ihr Domizil. Schon in der zweiten Hälfte der 19. Jahrhunderts entstand im Krameramtshaus eine erste Stadtbücherei, die sich dann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rasch ausweitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus mit einem neben liegenden Gebäude erweitert und verblieb als Stadtbücherei bis zum Jahre 1993, als sich die Stadt Münster zur 1200 Jahr-Feier eine neue Stadtbücherei schenkte.

Seit 1995 befinden sich im Haus der Niederlande im Krameramtshaus drei Institutionen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die sich mit den Niederlanden und Belgien beschäftigen: das Institut für Niederländische Philologie, das Zentrum für Niederlande-Studien sowie das Sondersammelgebiet Niederländischer Kulturkreis der Universitäts- und Landesbibliothek Münster.

Institut für Niederländische Philologie

Das Institut für Niederländische Philologie ist aus einem Lektorat für Niederländisch hervorgegangen, das bereits in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eingerichtet worden war. 1969 entstand daraus das Niederländische Seminar, das mit einem eigenen Lehrstuhl dem Fachbereich Germanistik angegliedert war. Im Jahre 1996 wurde das Institut für Niederländische Philologie zur selbstständigen Lehr- und Forschungseinrichtung im Fachbereich 9 Philologie der Westfälischen Wilhelms-Universität. Die Aufgaben des Instituts in Forschung und Lehre betreffen die niederländische Sprache und Literatur in Vergangenheit und Gegenwart, sowie die Didaktik des Niederländischen. Besondere Forschungsinteressen der Sprachwissenschaftler am Institut liegen auf dem Gebiet der Sprachgeschichte und Sprachgeographie, der kontrastiven Linguistik und der Lernersprachenpragmatik. Im Bereich der historischen Literaturwissenschaft nehmen die mittelalterliche Tierepik und die Hagiographie einen wichtigen Platz ein. Die Fachgebiete Poetik und Literaturgeschichte, die Literatur des Interbellum, die flämische und niederländische Gegenwartsliteratur sowie die literarischen Beziehungen zwischen dem niederländischen und dem deutschen Sprachraum bilden die Schwerpunkte im Bereich der modernen Literatur. Mit z.Z. etwa 350 Studierenden ist das Institut das wichtigste Ausbildungszentrum für angehende Lehrer in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die bisherigen Studienabschlüsse in den Bereichen Magister und Lehramt wurden in den letzten Jahren von den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen abgelöst. Gemeinsam geben das Institut für Niederländische Philologie und das Zentrum für Niederlande-Studien die beiden Reihen "Niederlande-Studien" heraus. Das Institut beherbergt z.Z. außerdem die Geschäftsstelle des Niederlandistenverbands, der Vereinigung von Dozenten der Niederlandistik an Universitäten in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Zentrum für Niederlande-Studien

Das Zentrum für Niederlande-Studien, das 1989 gegründet wurde, ist ein interdisziplinär orientiertes Institut, das sich in Forschung, Lehre und Dienstleistung mit den Niederlanden und Belgien sowie mit den deutsch-niederländischen bzw. deutsch-belgischen Beziehungen beschäftigt. Die Forschungsergebnisse werden in der Buchreihe ‚Niederlande-Studien‘, die inzwischen mehr als 40 Bände umfasst, in einer kleineren Reihe sowie in einem Jahrbuch, in dem u.a. neue Projekte des Zentrums vorgestellt werden, publiziert. Das Zentrum für Niederlande-Studien bietet im Bachelor- und Masterbereich multidisziplinär und binational ausgerichtete Studiengänge an. Wichtiger Kooperationspartner im Bereich der Lehre ist, vor allem hinsichtlich des Masterstudienganges, die Radboud Universiteit Nijmegen. Insgesamt studieren etwa 350 Studierende am Zentrum für Niederlande-Studien.

Graduiertenkolleg / Forschungsgruppe

Zum 1. Oktober 2006 richtete die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein Graduiertenkolleg Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Deutschland und die Niederlande im Vergleich an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein. Träger des Graduiertenkollegs war das Zentrum für Niederlande-Studien in Zusammenarbeit mit dem Institut für Niederländische Philologie, dem Historischen Seminar, dem Institut für Politikwissenschaft sowie dem Institut für Ethnologie. Die Forschungsperspektive des Graduiertenkollegs fokussierte den Vergleich zwischen zivilgesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und den Niederlanden aus der jeweiligen Perspektive der am Graduiertenkolleg beteiligten Disziplinen. Seit 2011 wird das Graduiertenkolleg in Form der Forschungsgruppe Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart - Deutschland und die Niederlande im Vergleich fortgeführt.

Online-Projekte
Darüber hinaus betreibt das Zentrum für Niederlande-Studien eine Reihe von Online-Projekten. Das Online-Portal NiederlandeNet.de – auf dessen Website Sie sich momentan befinden –  informiert in deutscher Sprache über aktuelle Ereignisse und gesellschaftspolitische Entwicklungen in den Niederlanden.
Das Internetbasierte Schulprojekt zur politischen Bildung Niederlande entwickelt Informationen und Materialien, mit deren Hilfe sich landeskundliche Aspekte der Niederlande im deutschen Schulunterricht (ab Klasse 9) thematisieren lassen. Herzstück des Projektes ist das Webportal, über das Unterrichtsmaterialien zu landeskundlichen Fragestellungen zur Verfügung gestellt werden. Im Bereich der Dienstleistung übernimmt das Zentrum die Verantwortung für die kulturellen Veranstaltungen des Hauses der Niederlande. Jährlich finden Ausstellungen, Autorenlesungen, Kolloquien, Tagungen, Konferenzen, Gastvorträge und Kammerkonzerte statt.

Sondersammelgebiet Niederländischer Kulturkreis

Die dritte Institution, die im Haus der Niederlande untergebracht ist, ist das Sondersammelgebiet Niederländischer Kulturkreis, eine etwa 150.000 Bände umfassende Sammlung von Büchern und Zeitschriften über die Niederlande und Belgien. Die Sammlung wird in wesentlichen Teilen von der DFG finanziert und gilt als Schwerpunktsammlung für die gesamte Bundesrepublik Deutschland.

Geschäftstelle der Fachvereinigung Niederländisch

Im Haus der Niederlande befindet sich auch die Geschäftstelle der Fachvereinigung Niederländisch, eine vor 20 Jahren gegründete Organisation mit knapp 500 Mitgliedern, die sich vorwiegend als Lehrer und Lehrerinnen mit dem Niederländischen im deutschen Sprachraum beschäftigen. Die Fachvereinigung betreut die der Bibliothek angegliederte umfangreiche Mediothek, in der mit Unterstützung der Nederlandse Taalunie Unterrichtsmaterialien verschiedenster Art gesammelt wurden, die Lehrenden im Lande auch durch Ausleihe zur Verfügung gestellt werden. Die Fachvereinigung ist die Herausgeberin der Zeitschrift "nachbarsprache niederländisch".

Autor: Haus der Niederlande
Erstellt: Februar 2007
Aktualisiert: März 2013