XI. Was kostet Bildung

Der Etat des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft ist der größte Einzelposten im Gesamthaushalt der Niederlande. Im Haushaltsjahr 2012 betrug er 34,8 Milliarden Euro, das waren zwei Milliarden weniger als im Vorjahr. 2011 entfielen auf den Primarschulbereich rund 9,5, auf den Sekundarschulbereich 6,8, auf das Berufsschulwesen rund 3,4, auf Fachhochschulen 2,5 und Universitäten 3,9 Milliarden Euro. Investiert wird laut aktueller Beleidsagenda vor allem in die Verbesserung der Unterrichtsqualität, die Modernisierung der Bildungsverwaltung und des Schulwesens, die Steigerung der Effektivität und Wirtschaftlichkeit, die Verringerung der Kosten, die Erhöhung der Autonomie und die Eigenverantwortung der bildungspolitischen Akteure. Über ihre Mittelverwendung entscheiden die Bildungsinstitutionen überwiegend selbst.

Wie Deutschland und auch die OECD-Länder insgesamt lassen sich auch die Niederlande höhere Bildung mehr kosten als die Ausbildung in der Grundschule: Nach Angaben der OECD (Bildung auf einen Blick, 2013) investierten die Niederlande 2010 in jeden Vorschüler und Grundschüler unter 8.000 US-Dollar pro Jahr, in einen statistischen Sekundarschüler mehr als 11.800 Dollar und in einen Studierenden nahezu 17.200 US-Dollar. 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden für Bildungsausgaben aufgewandt, das entspricht exakt dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Der privat aufgebrachte Anteil beträgt pro Vorschüler 5,8 Prozent, während der Schulzeit 13,1 Prozent und in der akademischen Ausbildung 28,2 Prozent. Damit liegt insbesondere die private Beteiligung in Grund- und Sekundarschule deutlich über den OECD-Durchschnitt (8,5 Prozent). Im Gegenzug bekommen niederländische Schüler mehr Unterricht als in den meisten anderen Industriestaaten; auch die Lehrer werden deutlich besser bezahlt.

Zusätzlich investiert wird in den kommenden Jahren vor allem in die vier großen Städte Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht. Diese erhalten laut Koalitionsabkommen zusammen in den nächsten vier Jahren 200 Millionen Euro zusätzlich für Bildung. Von dem Geld sollen unter anderem kombinierte Betreuungs- und Bildungsinstitutionen (Voor- en Vroegscholen) gegründet werden, in die Kinder schon mit zwei Jahren kommen und später am selben Ort auch ihre Schullaufbahn starten können. Amsterdam ist bei diesem Modell besonders aktiv. Auch der Ausbau der zweisprachigen Schulbildung (Niederländisch und Englisch) ist ein Schwerpunkt.

Autoren: Jeannette Goddar
Erstellt:
August 2014