IX. Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie (NIOD)

Schon während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg überlegten niederländische Wissenschaftler, dass es wichtig wäre, nach dem Krieg ein Dokumentationszentrum zu eröffnen, welches die Geschichte der Besatzung und des Krieges aufarbeiten würde. Zunächst stand dabei das Ziel im Vordergrund, Materialien zu sammeln und zu ordnen. Später kam die Aufgabe hinzu, die Geschichte selbst auch aufzuarbeiten und einem breiten Publikum zu vermitteln.

Die Gründung eines Dokumentationszentrums, das sich mit der Zeit des Krieges befassen würde, war der niederländischen Regierung auch ein wichtiges Anliegen. Schon während der Besatzung arbeitete sie an der Planung. Im März 1944 rief sie über den Rundfunk sogar bereits die Bevölkerung dazu auf, Tagebücher und Briefe aufzuheben, die sich mit dem Krieg auseinandersetzen. Bereits drei Tage nach der Befreiung des ganzen Landes am 5. Mai 1945 wurde das Rijksbureau voor Oorlogsdocumentatie gegründet. Zum 1. Oktober 1945 wurde der Historiker Loe de Jong zum Direktor der jungen Organisation ernannt, die bei der Gelegenheit in Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie (RIOD) umbenannt wurde.

In den ersten Jahren der Tätigkeit konzentrierten sich die Mitarbeiter auf das Sammeln von Material über den Krieg in den Niederlanden und in Indonesien. Die Bevölkerung wurde gebeten, relevantes Material an das Institut zu übertragen. Darüber hinaus machte man sich dort auch selbst auf die Suche nach Material. Loe de Jong und der Vizedirektor Dolf Cohen lokalisierten beispielswiese 1946 einen Großteil des Archivs des Reichskommissariats Niederlande in Münster. Gleichzeitig fingen die Mitarbeitenden an, Publikationen über die Besatzungszeit und den Krieg zu erstellen. Die berühmtesten Veröffentlichungen stammen von De Jong selbst, der mit die Bücherreihe Het Koninkrijk der Nederlanden in de Tweede Wereldoorlog und der Fernsehdokumentationsfilmserie De Bezetting bis heute einflussreiche Werke vorlegte.

Die 1990er Jahren brachten dem Institut große Veränderungen. Zunächst zog es in ein neues Gebäude an der Herengracht 380 um. Der große Tresor des ehemaligen Bankgebäudes sollte dem immer weiter wachsenden Archivbestand ein neues Zuhause bieten. Organisatorisch wurde das Institut in die Königliche Akademie der Wissenschaften eingegliedert, woraufhin sich sein Name zu dem heutigen Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie (NIOD) änderte. Unter der Federführung des Direktors Hans Blom suchte man außerdem neue Themen. Die Forschung des Instituts wollte Blom stärker in einen internationalen Kontext eingebettet sehen. Außerdem erweiterte das Institut seine Betrachtung des Zweiten Weltkriegs um die Zeit des Anlaufs, der Folgen und der Verarbeitung des Krieges. 1996 begab sich das Institut außerdem auf völliges Neuland, als es mit einer Analyse des Falls der UNO-Enklave Srebrenica beauftragt wurde, für dessen gescheiterte Sicherung niederländische Soldaten zuständig gewesen waren.

2010 hat das NIOD seine Perspektive durch eine Fusion mit dem Centrum voor Holocaust- en Genocidestudies erneut erweitert. Der Schwerpunkt dieses Zentrums, das seit der Fusion ein Schwerpunkt des NIODs ist, war es, eine vergleichende Perspektive zum Genozid zu entwickeln, die sowohl viele verschiedene Länder als auch eine große zeitliche Spanne umfassen sollte.

Autoren: Peter van Dam
Erstellt:
November 2013