XIII. Meertens Instituut

Das Meertens Instituut ist eine wichtige Anlaufstelle für die Erforschung der niederländischen Sprache und Alltagskultur. Es verfügt über eine Reihe eigener Datenbanken zu alltagsgeschichtlichen Themen wie Migration, Familiennamen, alte Maße und Gewichte, Liedgut, lokale Erzählungen, Etymologie, Dialekte, Wallfahrten, Pflanzennamen und Inventarlisten. Viele dieser Datenbanken stehen auch online zur Verfügung. Darüber hinaus hat das Institut auch über die Wissenschaft hinaus eine erhebliche Bekanntheit erworben, weil seine Arbeit und seine Mitarbeiter im Fokus der vielbeachteten Romanserie Het Bureau von J.J. Voskuil standen.

Das Meertens Institut geht auf drei Gründungen von Forschungseinrichtungen mit benachbarten Interessen zurück: die Dialektenkommission (1930), die Kommission für Volkskunde (1934) und das Büro für Namenskunde (1948). Der energische Sekretär dieser drei Institute, Piet Meertens, führte sie 1949 in einer Forschungseinrichtung zusammen: dem Instituut voor Dialectologie, Volkskunde en Naamkunde. Das Institut wuchs dank den herausragenden Fähigkeiten ihres Direktors als Netzwerker in den folgenden Jahren mehr und mehr. Nicht nur konnte Meertens immer mehr Mitarbeiter einstellen, sondern das Institut baute auch ein weit gefächertes Netzwerk auf, um aus allen Regionen der Niederlande Informationen über Dialekte, populäre Erzählungen, Familiennamen, Liedgut und viele andere Themen zu sammeln.

Das Institut ist seit 1952 an die niederländische Akademie der Wissenschaften angegliedert. Lange Zeit hat es vor allem das Sammeln und Inventarisieren als seine wissenschaftliche Aufgabe betrachtet. In den letzten Jahren hat das Meertens Instituut, wie es seit 1979 heißt, sich aber immer stärker auch als forschende Einrichtung etabliert. Es hat dabei ein ausgesprochen interdisziplinäres Profil, da seine Themen sich an der Schnittstelle von Sprachwissenschaft, Soziolinguistik, niederländischer Philologie, Geschichtswissenschaft, Anthropologie, Soziologie, Musikologie und Kulturwissenschaften befinden.

Seit 2006 arbeitet das Institut in einer neuen Struktur, in der drei Dokumentationszentren eine Schlüsselrolle spielen, die sich mit Volkserzählungen, Namenskunde und Liedgut befassen. Diese Zentren bearbeiten und erweitern einerseits die Kollektionen und entwickeln andererseits Forschungsprojekte auf ihrem jeweiligen Feld. Das Institut ist bemüht, möglichst große Teile seiner Datenbanken auch im Internet zur Verfügung zu stellen. Die Bibliothek des Instituts kann nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Sie verfügt über eine Sammlung von mehr als 70.000 Büchern und 4.000 Zeitschriftenreihen, die schwerpunktmäßig Sprachvariationen und der Ethnologie gewidmet sind.

Autoren: Peter van Dam
Erstellt:
November 2013