XVI. Kunst und Kultur

Im kulturellen Bereich gibt es viele Sammlungen und Bibliotheken, die für Forschende von Interesse sind. Zum Beispiel verfügen viele Museen über eigene Archive und Literatur, die zu Forschungszwecken genutzt werden können. Im Folgenden werden einige wichtige Einrichtungen aus diesem Bereich vorgestellt

Das 1988 gegründete Nederlands Architectuurinstituut (dt. Niederländisches Architekturinstitut) in Rotterdam verwahrt Archive und Literatur über Architektur seit 1800. Neben den Archiven berühmter Architekten wie Pierre Cuypers, Hendrik Berlage und Michel de Klerk hat das Institut eine umfangreiche Sammlung architektonischer Zeichnungen, Skizzen, Maquetten, Fotos, Bücher und Zeitschriften, die sich mit niederländischer Architektur befassen. Die bibliothekarischen Bestände und die Sammlungen können im Lesesaal eingesehen werden.

Im Letterkundig Museum (dt. Literaturwissenschaftliches Museum) in Den Haag werden Manuskripte, Briefe, Zeichnungen und vieles mehr aufbewahrt, insofern sie mit dem Leben und Werk niederländischer Schriftstellenden zu tun haben. Mehr als 6.000 von ihnen sind in der Kollektion vertreten, die damit den Zeitraum seit 1750 in der niederländischen Literatur abdeckt. Die Sammlung geht auf mehrere frühere Kollektionen, unter anderem auf einen umfangreichen Bestand, der ehemals vom Den Haager Stadtarchiv aufbewahrt wurde, zurück. Die Kollektion und die Bibliothek sind für Interessenten zugängig, allerdings muss für das Einsehen von Materialien über Autorinnen und Autoren, die vor weniger als 70 Jahre verstorben sind, zuvor schriftlich um Erlaubnis gebeten werden.

Das Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie (dt. Reichsbüro für Kunsthistorische Dokumentation) ist ein weltweit bedeutendes Dokumentationszentrum für westliche Kunst seit dem Spätmittelalter. Das Büro, das in Den Haag beheimatet ist, verfügt über eine Sammlung diesbezüglicher Archivalien und Schriftgut, mit unter anderem vielen Reproduktionen und Auktionskatalogen. Seit seiner Gründung im Jahre 1932 haben die Mitarbeiter des Büros Dokumentationsmaterial über viele verschiedene Kunstzweige in Den Haag zusammengeführt. Dabei hatten sie das Glück, das prominente Kunstsammler dem Büro ihre Archive überließen. Bis heute sammelt es aktiv Materialien über Malerei, Zeichenkunst, Bildhauerei und monumentale Kunst. Zu seinen Schwerpunkten gehören daneben heutzutage auch Neue Medien und Design.

In einem nagelneuen Gebäude am Amsterdamer Gewässer IJ liegt das neue niederländische Filmmuseum, genannt EYE Filmmuseum. Das Museum nutzt seine vier Vorführungssäle und einen großen Ausstellungsraum, um die Filmkultur in den Niederlanden zu fördern. EYE entstand 2010 aus einer Fusion des alten Filmmuseums Holland Film und dem Nederlands Instituut voor Filmeducatie (dt. Niederländisches Institut für Filmerziehung). Eine wichtige Aufgabe ist die Restaurierung und Konservierung von Filmen, die in den Niederlanden und im Ausland vorgeführt worden sind. In der Kollektion finden sich mehr als vierzigtausend Filme aus der gesamten Filmgeschichte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, eine halbe Million Fotos und eine große Sammlung Filmplakate. Außerdem verwahrt EYE Filmszenarien, Archive von Filmemachern und für die Filmgeschichte relevante Objekte, wie beispielsweise die Geräte verschiedener Filmschaffenden auf. Auf der Homepage des Museums wird Filmmaterial zum Durchsuchen und Ansehen bereitgestellt.

Das größte Bildarchiv der Niederlande ist Spaarnestad Photo, dessen Bestände seit 2011 im Nationaal Archief aufgehoben werden. Seine Kollektion umfasst ungefähr zwölf Millionen Fotos, die aus der Presse- und Dokumentationsfotographie stammen. Die Sammlung geht zurück auf das Bildarchiv des katholischen Zeitschriftenverlags De Spaarnestad, der 1906 gegründet wurde. Als der Nachfolger dieses Verlags in den 1980er Jahren sein Archiv schließen wollte, ist dies als selbständige Organisation weitergeführt und um neue Sammlungen erweitert worden. Gemeinsam mit dem Nationaal Archief hat die Organisation in den letzten Jahren einen erheblichen Teil seiner Sammlung digitalisiert und online zur Einsicht bereitgestellt. Neben der Internetsuche ist es auch möglich, nach vorheriger Absprache das Archiv zu besuchen.

Materialien zur musikalischen Geschichte der Niederlande finden sich beim Nederlands Muziek Instituut (dt. Niederländisches Musikinstitut) in Den Haag. Dort wird Quellenmaterial zu dieser Geschichte, unter anderem viele Musikmanuskripte gesammelt, konserviert und für die Öffentlichkeit zugängig gemacht. Das Institut ist 1999 durch das Zusammenführen der Sammlung des Stadtarchivs Den Haag und der Stiftung Musica Neerlandica entstanden. Durch Einsparungen bei der Finanzierung des Instituts (ihre nationalen öffentlichen Zuschüsse wurden gestrichen) werden die Sammlung und die Aktivitäten des Instituts momentan in das Den Haager Stadtarchiv integriert.

Die Sammlung des Theaterinstituut Nederland (dt. Theaterinstitut Niederlande) wurde 2013, als das Institut durch Einsparungen öffentlicher Mittel geschlossen werden musste, bei der Bibliothek der Universität von Amsterdam untergebracht. Die Sammlungen, die auf eine Initiative des Nederlandsch Toneelverbond (dt. Niederländischer Bühnenverband) im Jahre 1924 zurückgingen, können momentan noch über über die Institutswebsite eingesehen und bei der Universitätsbibliothek zur Einsicht bestellt werden.

Autoren: Peter van Dam
Erstellt:
November 2013