XII. Kolonialgeschichte und nicht-westliche Geschichte

Die Geschichte der Niederlande ist seit dem 17. Jahrhundert und den Aktivitäten der Verenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) in Südostasien und der West-Indische Compagnie (WIC) in Afrika und Amerika eng mit der nicht-westlichen Welt verbunden. In vielen niederländischen Archiven findet sich daher Material zu dieser Geschichte. So sind viele Bestände von VOC und WIC im Nationaal Archief vorzufinden, jedoch sind Archivalien der lokalen Kammer dieser Companien auch in verschiedenen anderen Instituten (regionale Archive, Schifffahrtmuseen) untergebracht. Mehrere Organisationen in den Niederlanden haben sich schwerpunktmäßig dem kolonialen Erbe gewidmet. In der Regel haben sie dabei im Laufe der Zeit ihren Fokus ausgeweitet, um auch Länder und Epochen zu dokumentieren, die weniger direkt mit der niederländischen Geschichte verbunden sind.

Das Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde (KITLV) ist in seinem Entstehen eng mit der niederländischen Kolonialgeschichte verwoben. Für die Ausbildung kolonialer Beamter und die effektive Verwaltung und Entwicklung kolonialer Gebiete bedurfte es Institute, die Informationen über diese Gebiete zusammenführen und aufarbeiten konnten. Seit 1851 arbeitete das Institut als Bibliothek, zunächst in Delft, dann später in Den Haag. Im Jahre 1966 zog das KITLV nach Leiden um, wo es bis heute untergebracht ist. Seit 1969 besitzt es zudem eine Zweigstelle im indonesischen Jakarta. Das Institut beschäftigt sich heutzutage mit Südostasien, dem Südseegebiet und der Karibik aus anthropologischer, sprachwissenschaftlicher, sozialwissenschaftlicher und historischer Sicht. In ihrer Sammlung findet sich eine Fülle an Literatur bezüglich dieser Themen. Beachtenswert ist auch die Bildsammlung des KITLV. Schließlich verfügt es über verschiedene archivalische Sammlungen, audiovisuelle Bestände und Interviewdatenbanken.

Eine mehr ausgesprochen kritische Sicht auf die niederländische Vergangenheit verkörperten das Nationaal instituut Nederlands slavernijverleden en erfenis (dt. Nationalinstitut Niederländische Sklavengeschichte und -erbe, NiNsee) und das Koninklijk Instituut voor de Tropen (dt. Königliches Institut für die Tropen, KIT). Die Kollektionen dieser Organisationen sind jedoch durch Einsparungen öffentlicher Mittel im Moment nicht zugängig. Einen Teil der Kollektion des KIT ist weiterhin im Tropenmuseum in Amsterdam zu sehen. Für die reichhaltige Dokumentation, die das KIT im Laufe der Jahre angesammelt hatte, werden momentan neue Unterkünfte gesucht. Ihre Funktion als Wissenszentren üben beide Institute trotz der Kürzungen ihrer Mittel weiter aus.

Das Scheepvaartmuseum in Amsterdam verfügt über eine umfangreiche Sammlung, die der maritimen Geschichte der Niederlande weit über die Kolonialgeschichte hinaus beleuchtet. Neuerdings hat das Museum diese Kollektion gemeinsam mit den anderen maritimen Museen der Niederlande über www.maritiemdigitaal.nl katalogisiert.

Autoren: Peter van Dam
Erstellt:
November 2013