XI. Historisch Documentatiecentrum voor het Nederlands Protestantisme (HDC) und Katholiek Documentatiecentrum (KDC)

An zwei Universitäten, die sich traditionell mit einem spezifischen religiösen Erbe identifizierten, wurden um 1970 Dokumentationszentren für den Protestantismus und den Katholizismus eröffnet: 1969 wurde an der Nimwegener Universität das Katholiek Documentatiecentrum (KDC) eröffnet, während 1971 an der Freien Universität in Amsterdam das Historisch Documentatiecentrum voor het Nederlands Protestantisme (HDC) seine Arbeit begann.

Die großen Umbrüche im niederländischen und weltweiten Katholizismus waren für eine Kommission der Nimwegener Universität in den 1960er Jahren Anlass zur Sorge um das Erbe des Katholizismus. Um dieses sicherzustellen, erachtete sie es für notwendig, ein Katholiek Documentatiecentrum zu gründen. Seit seiner Gründung 1969 etablierte sich das Dokumentationszentrum rasch als die Institution, an die katholische Organisationen sich wendeten, wenn sie ihre Archivalien sicher aufbewahren wollten. Angesichts der Fülle an Material, über die das KDC nach kurzer Zeit bereits verfügte, war es in den Niederlanden unter den ersten Archiven zu finden, die sich um eine digitale Erfassung ihres Materials bemühten. Seit den 1990er Jahren hat das Zentrum sich außerdem ausdrücklich auch dem Sammeln von Bild- und audiovisuellen Quellen gewidmet, die bis dahin – wenn überhaupt – eher durch Zufall in ihren Besitz gewechselt waren.

Der Bestand des KDC umfasst eine Vielfalt an Quellen über den niederländischen Katholizismus seit 1800. Bezüglich der Zeit bis 1850 ist der Bestand auf wenige Kollektionen beschränkt. Für die Jahre 1850 bis 1950 verfügt das KDC über eine repräsentative Auswahl, die das kulturelle, soziale und politische Leben der niederländischen Katholiken beleuchtet. Die Sammlung zur Zeit seit 1950 ist sehr gut ausgestattet: Fast alle relevanten katholischen Organisationen haben ihre Archive in Nimwegen deponiert, auch viele katholische Privatpersonen taten dies. Außerdem sammelt das KDC in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Publikationen, die seit 1800 über Katholiken erschienen sind oder von Katholiken verfasst wurden. Für Publikationen, die seit 1975 erschienen sind, stellt es die zusätzliche Anforderung, dass die Veröffentlichungen sich inhaltlich mit dem Katholizismus auseinandersetzen sollten.

Eine ähnliche Aufgabe wie das KDC für das katholische Leben in den Niederlanden erfüllt, versucht das Historisch Documentatiecentrum voor het Nederlands Protestantisme in Amsterdam für die Geschichte des Protestantismus in den Niederlanden seit 1800 zu übernehmen. Es wurde 1971 an der Freien Universität gegründet, die selbst ein Ausdruck des Emanzipationsbestrebens der orthodoxen Protestanten seit dem späten 19. Jahrhundert war. Dem ersten Direktor des Zentrums, George Puchinger, gelang es, die Bestände der Abraham Kuyper Stichting und der Antirevolutionaire Partij zu erwerben. Damit wanderten nicht nur die Akten einer der bedeutendsten protestantischen politischen Parteien, sondern auch eine Fülle von persönlichen Archiven von ihr nahestehenden Personen in das Amsterdamer Archiv. Deshalb verfügt es heutzutage über die privaten Archive protestantischer Anführer wie Abraham Kuyper, Th. Heemskerk, A.W.F. Idenburg und Hendrikus Colijn.

In diesem Sammlungsprofil zeigt sich auch die Schwierigkeit der Aufgabe des Zentrums, denn der niederländischen Protestantismus ist traditionell stark in vielen verschiedenen Kirchengemeinschaften, aber auch in konkurrierenden politischen Parteien, Wohltätigkeitsorganisationen und vielen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zersplittert. Zumal die Freie Universität selbst Teil dieser Zersplitterung gewesen ist, in dem sie einer spezifischen Gruppe orthodoxer Protestanten (nl. gereformeerden) als Hochschule dienen sollte, zeigt die Sammlung des Zentrums ebenfalls eine Nähe zu dieser Tradition. Die Archive der größten niederländischen protestantischen Kirche, die Nederlandse Hervormde Kerk, sind beispielsweise nicht im HDC, sondern im Utrechts Archief untergebracht.

Neben der Dokumentation des protestantischen Lebens seit 1800 engagiert sich das HDC auch für die öffentliche Verbreitung seines Materials und die Anbindung ihrer Aktivitäten an einen Kreis privater Unterstützenden. Dazu organisiert sie regelmäßig Zusammenkünfte, die auf ein breites Publikum abzielen. Ihre Mitarbeitenden beteiligen sich außerdem aktiv an der Veröffentlichung verschiedener Jahrbücher, Zeitschriften und Onlineportale.

Autoren: Peter van Dam
Erstellt:
November 2013