IX. Studie zur Lernermotivation - Belevingsonderzoek Duits

Im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft (OCW) führte das Duitsland Instituut Amsterdam 2017 zum zweiten Mal die Studie Belevingsonderzoek Duits durch.
Es wurden fast 2800 Schüler von 31 Sekundarschulen aus dem ganzen Land befragt. Ziel war es herauszufinden, wie niederländische Schüler  das Schulfach Deutsch, Deutschland und die Sprache sehen. Das Interesse für Deutschland in der niederländischen Gesellschaft  hat allgemein zugenommen, aber anderseits gibt es einen wachsenden Deutschlehrermangel. Anders als bei der ersten Studie des Duitsland Instituut, im Jahr 2010, wurden jetzt auch Schüler des vmbo befragt.

Ergebnisse


Das wohl wichtigste Ergebnis ist, dass die Negativität und das Desinteresse bei Schülern weniger  vertreten sind. Andererseits spricht aus der Studie eine große Neutralität hinsichtlich der deutschen Sprache und Kultur. Nur sehr wenig Schüler entscheiden sich für ein Studium der Germanistik oder für die Lehrerausbildung Deutsch. Die deutsche Sprache findet ca. 25% der befragten Schüler  relativ interessant. Ein großer Teil – 40% der Schüler – nimmt eine neutrale Haltung ein. Dem Deutschunterricht kann man laut der überwiegenden Mehrheit der Schüler ziemlich mühelos (50%) bis mühelos folgen.
Darüber hinaus wird der Deutschunterricht oft als angenehm (leuk, ca. 40%) und ziemlich interessant wahrgenommen. Dies hängt vermutlich mit der großen Anzahl an besonderen Aktivitäten während des Unterrichts zusammen, von denen sowohl Schüler als auch Lehrer berichten. Nicht nur die Zahl der digitalen Aufgaben ist gestiegen, sondern auch die Anwendung von zusätzlichem Unterrichtsmaterial neben dem Lehrbuch ist laut der Schüler häufig ein Bestandteil des Sprachunterrichts.  Das Schulfach Duits ist im Jahr 2017 ein „prima Fach“ mit viel Abwechslung.

Landeskunde

Die Schüler haben aber sehr wenig Kenntnisse über Deutschland und über die deutsche Kultur oder Aktualität. Viele Jugendliche können kein einziges deutschsprachiges literarisches Werk nennen. Als berühmteste deutsche Person wird Angela Merkel genannt; 2010 stand hier noch Adolf Hitler an erster Stelle.

Didaktik

Während Lehrer selbst - verglichen mit 2010 - häufiger Deutsch im Unterricht sprechen, bleiben Schüler hier passiv. Dies ist bedauerlich, da der aktive Gebrauch der Zielsprache dazu beitragen kann, dass das Fach Deutsch mehr Wertschätzung erlangt und dass seine Nützlichkeit erkannt wird. Wichtiges Ergebnis ist weiterhin, dass  das Behandeln von Aktualität im Unterricht sich positiv auswirkt auf die Wertschätzung des Faches. Auch der Nutzen für die eigene Karriere wird dann öfters anerkannt.

Empfehlungen

Das Duitsland Instituut Amsterdam hat aufgrund der Ergebnisse des Belevingsonderzoek Duits 2017 neun bildungspolitische und neun didaktische Empfehlungen formuliert. Zum Beispiel ist eine neue Zielsprachendidaktik vonnöten, so dass die Schüler ausreichend gute Sprechfertigkeitsübungen bekommen. Auch wird empfohlen, dass für das Fach Deutsch, das mit einem Lehrermangel zu kämpfen hat, die bildungspolitischen Voraussetzungen für eine Steigerung der Anzahl Studierender im Fachbereich Deutsch geschaffen werden. Den Deutschlehrern empfiehlt das DIA, dass sie so oft wie nur möglich Deutsch sprechen und dass sie sich vom Lehrwerk lösen und selber Übersicht über den Unterrichtsplan behalten.
 
Die ganze Studie finden Sie hier.

Autorin: Trixie Hölsgens
Erstellt: April 2018