Wochenrückblick Woche 8 - Sturmschäden, Ukraine-Konflikt, Geiselnahme und Corona-Lockerungen

Jakob Schmidt

Montag, 21.02: Stürmisches Wochenende geht zu Ende

Die Niederlande, wie auch weitere europäische Länder, blicken auf ein stürmisches Wochenende zurück. Der „Dreifachsturm“, bestehend aus „Dudley“, „Eunice“ und „Franklin“ (dt. Namen: Ylenia, Zeynep, Antonia) wütete fünf Tage am Stück, dies gab es zuletzt vor knapp Einhundert Jahren. In den Niederlanden verloren vier Menschen ihr Leben, in Deutschland zwei. Auch die Sturmschäden sind nicht unerheblich.

In der Hauptstadt Amsterdam verloren 2 Personen durch umstürzende Bäume ihr Leben, kurz darauf stürzte auch ein Baum im benachbarten Diemen auf ein Auto und tötete eine Person. Ein weiterer Autofahrer starb in der Nähe von Adorp, nachdem er ebenfalls mit einem umstürzenden Baum kollidierte. Die Notrufnummer 112 war am Wochenende zum Teil überlastet, Freitag gingen über 4000 Anrufe ein. Die Polizei verschickte daraufhin einen landesweiten NL-Alarm an Mobiltelefone.

Auch die Sturmschäden sind beachtlich. Bereits am Samstagmorgen gingen Schadensmeldungen von 3,5 Millionen Euro ein. Die Versicherungen kündigten an, zusätzliches Personal einsetzen zu wollen. Überall im Land riss der Wind Dachziegel, Wandplatten und Solarpaneele mit sich. In Städten wie Groningen und Appingedam mussten in der Nacht zum Freitag über 20 Häuser evakuiert werden, auch in Den Haag kam es zu Evakuierungen.

Quelle: Volkskrant, NRC

 

Dienstag, 22.02: Rutte zögert in Russland-Krise und lobt Deutschland

Nach einem unglücklichen Fernsehauftritt am Montag, bei dem Premierminister Mark Rutte (VVD) von den rasanten Entwicklungen in der Ukraine überwältigt schien, versuchte er am Dienstag, nach Berichten über das russische Eindringen in die Separatistengebiete Donezk und Luhans, deutlichere Worte zu finden. Bei einer Pressekonferenz sprach Rutte von einer Eskalation, die „eine scharfe Antwort erfordert“ und „nicht unbeantwortet bleiben kann“. Später am Tag, während der wöchentlichen Fragestunde in der zweiten Kammer sagte er: „Die Ukraine trägt keine Schuld, Was hier geschieht, ist allein die Schuld Russlands.“

Dienstagabend einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten auf Sanktionen gegen Russland: das Einschränken der wirtschaftlichen Beziehungen zu den separatistischen Regionen sowie ein Einreiseverbot für 27 russische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in die EU-Länder.

Mark Rutte lobte unterdessen die deutsche Entscheidung, das deutsch-russische Gasprojekt Nord Stream 2 vorübergehend zu stoppen. Nach Ansicht des Premierministers ist dies ein sehr starkes Signal an die Russen. Diese Position von Rutte kann als Wendepunkt angesehen werden: Jahrelang waren die Niederlande, wie auch Deutschland, der Meinung, dass Nord Stream ein „kommerzielles Projekt“ ist, in das sich die Politik nicht einmischen sollte.

 

Update Donnerstag, 24.02:

Nachdem das russische Militär in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag weitere Operationen in der gesamten Ukraine durchführte, meldete sich Mark Rutte über Twitter: „Die Niederlande verurteilen den russischen Angriff auf die Ukraine scharf. Wir stehen in engem Kontakt mit der EU/NATO und anderen Verbündeten. Unsere Gedanken sind bei dem ukrainischen Volk:“

Die Niederlande sind der Ansicht, dass es „maximale Sanktionen“ gegen Russland geben sollte, Premierminister Rutte wollte sich in einer Erklärung aber nicht konkret äußern, worum es dabei geht. Die Sanktionen richten sich gegen Putin und seine Regierung, sagte Rutte: „Wir sind nicht im Konflikt mit dem russischen Volk.“ Ähnliches sagte auch Bundeskanzler Scholz am Donnerstagvormittag: „Das ist Putins Krieg!“

Dieser Krieg könnte auch Konsequenzen für die Niederlande haben. In den kommenden Wochen könnte es zu Militärverlagerungen kommen. Diese ergeben sich aus den NATO-Plänen, die im Falle einer solchen Bedrohung in Kraft treten, sagte Rutte. Eine Berufung auf Artikel 5 der NATO stehe nicht zur Debatte, sagte der Premierminister. Darin ist festgelegt, dass ein Angriff auf einen der Mitgliedsstaaten als Angriff auf alle NATO-Staaten gilt. Die Ukraine ist nicht Mitglied der NATO.

Quelle: Trouw, Twitter, NOS

 

Mittwoch, 23.02: Geiselnehmer aus Amsterdam stirbt an seinen Verletzungen

Eine Geiselnahme in einem Apple-Store am Leidseplein in Amsterdam hielt Polizei und Anwohner in Atem. In der Nacht zu Mittwoch wurde die über 5 Stunden andauernde Geiselnahme beendet. Der Geiselnehmer, ein 27-Jähriger vorbestrafter Amsterdamer, wurde bei seinem Fluchtversuch von einem Polizeiauto angefahren und erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Laut Polizei forderte der Mann 200 Millionen Euro in Kryptowährung und drohte, sich in die Luft zu sprengen. Der Leidseplein wurde stundenlang evakuiert, Menschen in den umliegenden Gebäuden mussten drinnen bleiben und mussten sich von den Fenstern fernhalten.

Gegen 23 Uhr verließ der Geiselnehmer den Laden und versuchte zu flüchten wobei er von einem  Polizeiauto angefahren und festgenommen wurde. Daraufhin durchsuchte ein spezieller Roboter den Täter auf Sprengstoff, während Polizeibeamte mit Schusswaffen in einiger Entfernung standen. Schwer verletzt wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er noch Mittwoch verstarb.

Laut Polizei hätte das Geiseldrama noch schlimmer verlaufen können. Während der gesamten fünfeinhalb Stunden versteckten sich weitere vier Personen in einem Schrank im Erdgeschoss, wo sie die gesamte Zeit unentdeckt blieben.

Quelle: Het Parool, NRC

 

Freitag, 25.02: Weitere Lockerungen auch für deutsche Touristen

Seit dem 18. Februar ist in den Niederlanden deutlich mehr erlaubt als zuvor. Weitere Änderungen treten am  Freitag, den 25. Februar in Kraft. Hier ein kurzer Überblick. Welche Corona-Regeln bei der Einreise, dem Aufenthalt und bei der Wiedereinreise nach Deutschland gelten:

1. Alle Länder der Europäischen Union werden von den Niederlanden als Risikogebiete eingestuft. Bei der Einreise ist deshalb generell ein Impfnachweis (mindestens 14 Tage), Genesenennachweis (es wird nur das „EU Digital COVID Certificate“ akzeptiert) oder ein negativer Test (Schnelltest maximal 24 Stunden, PCR-Test maximal 48 Stunden) erforderlich.

2. Ab dem 25. Februar verschwindet zum größten Teil die Maskenpflicht. Lediglich in Transportmitteln wie Bus und Bahn wird sie weiterhin benötigt.

3. Da auch die Niederlande laut dem Robert-Kocht-Institut als Hochrisikogebiet eingestuft ist, ist man verpflichtet, sich zu registrieren und die Dokumente bei einer Überprüfung vorzulegen.