GESUNDHEIT: Corona-Maßnahmen trotz Infektionswelle gelockert

Den Haag, CB/NRC/VK/Trouw, 26. Januar 2022

Die Infektionszahle steigen jeden Tag an. Trotzdem wird das öffentliche Leben in den Niederlanden freigeschaltet – sei es mit Warnungen.

Nicht nur die Infektionen stiegen die letzten Wochen deutlich an. Auch der gesellschaftliche Ruf, um die Maßnahmen zu erleichtern, war deutlicher zu hören. Jetzt gibt die Regierung nach lockert. Das gehe aber nur, wenn alle Niederländer:innen sich an den Regeln halten. „Wir tun heute etwas sehr spannendes. Es liegt an uns allen, dass wir nicht nochmal bremsen müssen“.

Mit dieser Warnung machten Ministerpräsident Mark Rutte (VVD) und Gesundheitsminister Ernst Kuipers (D66) gestern den Anfang der Pressekonferenz, auf der die neuen Maßnahmen angekündigt wurden. Das Kabinett öffnet den Kultur- und Gastrosektor wieder, zumindest teilweise. Restaurants, Kneipen, Theater, Museen und Kinos dürfen wieder bis 22:00 Uhr offen haben. Dass Kabinett sei sich  bewusst, dass es ein Risiko ist. Aber Kuipers betont, er habe dafür einen guten Grund: „Noch länger mit vielen Einschränkungen zu leben, schadet unserer Gesundheit und unserer Gesellschaft“.

Das Risiko liegt darin, dass es ein deutlicher Anstieg der Corona-Infektionen in den kommenden Wochen erwartet wird. In den letzten Tagen lag der Zahl der Neuinfektionen schon täglich rund 65 Tausend. Vor Lockerungen wurde ein Anstieg um bis zu 100 Tausend tägliche Neuinfektionen erwartet. Aber Gesundheitsminister Kuipers zufolge kann sich diese Zahl sogar verdoppeln – wie es zum Beispiel auch in Frankreich, Belgien und Dänemark der Fall ist. Dadurch kann sich der Druck auf die Krankenhäuser durchsetzen. Falls die Krankenhäuser zu voll werden und nicht alle Patienten aufgenommen werden können, müssen die Lockerungen wiederum zurückgedreht werden.

Laut Rutte kann die Regierung neue Maßnahmen nicht ausschließen. Für ihn ist solche Jo-Jo-Politik kein angenehmer Ausblick: das Kabinett wurde aufgrund unfester Politik schon scharf kritisiert. Dennoch wollen sich Rutte und Kuipers den Grenzen des Machbaren nähern. Das hat mit dem gesellschaftlichen Druck zu tun: Mehr und mehr Menschen wenden sich gegen die geführte Coronapolitik. Auch die Gastro- und Kultursektoren fordern stets lauter mehr Bewegungsraum. Sogar politische Figuren, wie Bürgermeister:innen, sagen, die Maßnahmen seien unausführbar. Dieser Druck, zusammen mit der Tatsache, dass ein Anstieg der Infektionszahl scheinbar nicht direkt zu einer unbeherrschbaren Überbelastung des Pflegesystems führt, veranlasst die Regierung zu den Lockerungen.

Aber wie lange diese anhalten, das ist noch undeutlich. Vorläufig bleiben die Maßnahmen in den kommenden sechs Wochen in Kraft, aber in drei Wochen werden sie nochmal erwägt. Rutte und Kuipers richten auf jeden Fall ihren Appell an alle Niederländer:innen: „Wenn wir die Gesellschaft offen halten wollen, sind wir alle verantwortlich.“