POLITIK: Wiedereröffnung der Gastronomie und des Kultursektors erwartet

Den Haag, JS: VK, NRC, 25. Januar 2022

Nach Ansicht des Outbreak Management Teams, wichtiges Beratungsorgan der Regierung in Corona-Fragen, kann die Gesellschaft trotz steigender Infektionszahlen weitgehend wieder geöffnet werden. Die Reaktionen darauf sind gemischt.

Das Kabinett wird höchstwahrscheinlich am kommenden Montag im Catshuis (Empfangszentrum der Regierung) eine deutliche Lockerung der Corona-Maßnahmen beschließen. Das Outbreak Management Team, das am vergangenem Freitag zusammentrat, hat nach Angaben aus dem Umfeld des Kabinetts die Wiedereröffnung des Gaststätten- und Kultursektors bis 20 Uhr Abends empfohlen. Das Kabinett prüft diese Zeit noch und erwägt eine Anpassung für bestimmte Sektoren. Endgültige Klarheit wird am Dienstag in einer neuen Corona-Pressekonferenz geschaffen.

Neben den Erleichterungen für das Gaststättengewerbe und die Kultur wird erwartet, dass Veranstaltungen tagsüber wieder durchgeführt werden können und dass die Öffentlichkeit bei Sportveranstaltungen wie der Eredivise wieder willkommen ist. Da Fußballspiele häufig in den Abendstunden stattfinden und auch Teile des Kultursektors, wie Theater und Konzerthäuser auf die Abendstunden angewiesen sind, prüft das Kabinett noch, ob die Sperrstunde für alle Sektoren z.B. auf 22 Uhr verlängert werden kann. Sollte sich dies als zu großes Risiko erweisen, werden Ausnahmen z.B. für den Profifußball und Theater in Betracht gezogen.

Wenn die Lockerungen rechtskräftig werden, werden die Niederlande ab dem kommenden Mittwoch weitgehend in die Normalität zurückkehren. Vor über einer Woche hat das neue Kabinett bereits Erleichterungen für das Hochschulwesen, den Einzelhandel, den Sportsektor und Kontaktberufe angekündigt. Enttäuschte Unternehmer des Gaststätten- und Kultursektors hatten letzte Woche protestiert, um ihre Geschäfte ebenfalls öffnen zu dürfen. Die Regierung erklärte, dass eine schrittweise Lockerung der Abriegelung notwendig sei, versprach aber, innerhalb von zehn Tagen Ausnahmen für das Gaststättengewerbe und den Kultursektor zu prüfen. In der vergangenen Woche forderten auch zahlreiche Bürgermeister das Kabinett auf, diese Sektoren rasch zu berücksichtigen.

Aufgrund der hohen Besucherzahlen ist die Wiedereröffnung der Gastronomie und des Kultursektors epidemiologisch nicht unbedenklich und muss daher unter „festen Bedingungen“ erfolgen, heißt es in Regierungskreisen. So wird erwartet, dass zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen beibehalten werden, darunter eine Pflicht einer Höchstzahl von Besuchern, das obligatorische Tragen von Mundschutz und die Verwendung des Corona-Passes, mit denen Besucher nachweisen müssen, dass sie geimpft, geheilt oder negativ getestet sind.

Gemischte Reaktionen

Die weitgehende Wiedereröffnung der Gesellschaft kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Infektionszahlen durch die Omikron-Variante nur noch steigen. Am Sonntag meldete das RIVM über 65.000 positive Tests, ein neuer Tagesrekord. Diese Zahlen sind weniger problematisch, weil Omikron insgesamt symptomfreier verläuft. Die Belastungsraten in den Krankenhäusern steigen derzeit kaum.

Am Wochenende reagierte die Koninklijke Horeca Nederland positiv auf die durchgesickerte OMT-Empfehlung und sprach von einem „guten nächsten Schritt zur vollständigen Wiedereröffnung“. Die Reaktionen des Kultursektors waren gemischt. Boris van der Ham, Vorstizender des niederländischen Verbandes der Kinos und Filmtheater und des Verbandes der freien Theaterproduzenten, bezeichnete auf Twitter eine Schließungszeit von 20 Uhr als „im Grund genommen dasselbe wie eine Schließung.“