GESUNDHEIT: Die Niederlande ist zurück im Lockdown

Den Haag, CB/Trouw, NRC. 20. Dezember 2021

Seit Sonntag gilt in den Niederlanden erneut ein harter Lockdown. Das heißt: geschlossene Geschäfte, Stille auf den Straßen und Kontaktbeschränkungen.
Im zweiten Jahr in Folge sind die Niederlande über Weihnachten im Lockdown. Seit Sonntagmorgen ist ungefähr alles, ausgenommen Supermärkte und Apotheken, geschlossen: Friseure, Kinos, Museen, Geschäfte, Läden.

Der neueste Lockdown wurde schnell zusammengebaut: Freitag empfahl das Outbreak Management Team (OMT), das wichtigste Beratungsorgan bezüglich der Pandemie, einen völligen Lockdown. Samstag kam das Kabinett eilig zusammen – und Samstagabend gaben Premier Mark Rutte (VVD) und Gesundheitsminister Hugo de Jonge (CDA), beiden noch immer geschäftsführend im Amt, den neuen Lockdown bekannt. „Es ist unvermeidlich, aber wir können nicht warten“, kommentierte Premier Rutte. Es sei „vielleicht das schwierigste Moment“ in der Krise bisher.

Obwohl die Infektionszahlen momentan sinken, sei ein Lockdown wegen des Aufstieges der neuen Omikron-Variante erforderlich. Anfang Dezember kam nur 1 Prozent der Infektionen durch Omikron – zwei Wochen später sind es schon 25 Prozent. Die Erwartung ist, dass Omikron noch vor Silvester die häufigste Corona-Variante wird. Weil Omikron so viel mehr infektiös als die heutige Delta-Variante ist, wird eine Überbelastung in den Krankenhäusern befürchtet. Dieser „Pflege-Infarkt“, eine Situation, in der die IC-Kapazität den schnellen Anstieg von Erkrankten nicht mehr bewältigen kann, gilt es zu vermeiden.

Zeit kaufen
Laut Jaap van Dissel, Vorsitzende des OMT, müssen die Niederlande mithilfe dieses Lockdowns vor allem Zeit gewinnen, um sich besser wehren zu können. Es scheint, dass eine Booster-Impfung den Schutz gegen Omikron deutlich erhöht. Die Booster-Kampagne in den Niederlanden läuft noch nicht wie geschmiert: Aufgrund eines relativ späten Auftaktes und eines Personalmangels sind bisher nur 1,5 Million Menschen zum dritten Mal geimpft worden. Aber De Jonge zielt darauf ab, dass im Januar alle niederländischen Erwachsene die Chance bekommen haben, eine dritte Impfung zu erhalten.

Dies dauert also noch mindestens einen Monat – deswegen haben OMT und Kabinett sich für einen weitgehenden Lockdown entschlossen. Wichtigstes Ergebnis davon muss eine deutliche Verringerung der sozialen Kontakte sein. Ein wichtiger Faktor ist deswegen ob und inwiefern die Niederländer:innen den Maßnahmen folgen werden. Aus einer Umfrage ergab sich, dass 86 Prozent der Niederländer:innen eine Anderthalb-Meter-Regel einhalten würden, aber die Frage, ob man en masse die gefragte Disziplin aufbringen kann, bleibt noch undeutlich.

Auch wie lange der neue Lockdown dauern wird, ist noch undeutlich. Die Erfahrung zeigt, dass Winterlockdowns lang andauern können: Die Absperrung von Dezember 2020 dauerte bis Februar – fast zweieinhalb Monate. Bezüglich der Dauern bietet das OMT noch einen Hoffnungsschimmer. Sollte sich Omikron als ziemlich mild erweisen, dann besteht die Chance, dass die Niederlande zu einem „Abendlockdown“ zurückkehrt. Außerdem will die Regierung im Januar beurteilen, wie sich die Auffrischungsimpfung auswirkt. Bei positiven Effekten könnte die Lage sich auch entspannen lassen.