GESUNDHEIT: Gesundheitsrat empfiehlt dritte Impfung für Menschen mit geringem Immunschutz

Den Haag, BJ/NRC, VK, 14. September 2021

Laut dem niederländischen Gesundheitsrat gäbe es aktuell keinen Anlass für eine dritte Impfung der gesamten Bevölkerung. Lediglich für Menschen mit einem geringem Immunschutz sei eine dritte Impfung derzeit sinnvoll.

Nach Abwägung der wissenschaftlichen Erkenntnisse kam der Gesundheitsrat in den Niederlanden zu der Empfehlung, dass aktuell nur Menschen mit einem geringen Immunschutz zum dritten Mal geimpft werden sollen. Bei einem Teil der niederländischen Bevölkerung seien zwei Impfungen nicht genug gewesen, um eine ausreichende Immunreaktion zu erhalten. Eine dritte Impfung könnte dieser Bevölkerungsgruppe zusätzlichen Schutz bieten und dem Immunsystem einen Kraftschub verleihen.

Für die gesamte Bevölkerung sei die sogenannte „Booster-Impfung“ zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht erforderlich. Jetzt zu einer dritten Impfung für die gesamte Bevölkerung aufzurufen würde nur unnötige Ängste hervorrufen und die Bevölkerung sowie den Gesundheitsdienst unnötig belasten. Grundsätzlich lehnt der Gesundheitsrat eine dritte Impfrunde jedoch nicht ab, diese solle zu einer gegebenen Zeit stattfinden.

Für eine dritte Impfung kämen laut dem Gesundheitsrat aktuell vor allem Menschen mit einem schwachem Immunschutz in Frage. Dies seien beispielsweise Organtransplantierte oder Krebspatienten. Neben Menschen mit einem geringen Immunschutz solle die Regierung auch Vorbereitungen dafür treffen, dass andere Bevölkerungsgruppen eine dritte Impfung erhalten können, wenn bei ihnen die Wirksamkeit des Impfstoffes nachlässt. Als Beispiel führt der Gesundheitsrat ältere Menschen an, da diese als erste geimpft wurden.

Wenn Gesundheitsminister Hugo de Jonge (CDA) die Empfehlung des Gesundheitsrates annimmt und vorerst nur Menschen mit einem geringen Immunschutz zum dritten mal geimpft werden, würden die Niederlande den gleichen Weg wie Deutschland und Frankreich einschlagen. Es gibt jedoch auch Länder wie Israel oder die Vereinigten Staaten, welche ihre Bevölkerung zum dritten Mal massenhaft impfen lassen wollen.

Der unterschiedliche Umgang mit der Frage, ob Menschen eine dritte Impfung erhalten sollen, zeigt auch, dass es noch keinen internationalen Konsens diesbezüglich gibt. Während einige Wissenschaftler:innen behaupten, dass eine dritte Impfung dem Immunsystem einen Kraftschub verleihen würde, argumentieren andere, dass es keine Beweise dafür gebe, dass eine erneute Impfung der gesamten Bevölkerung viele schwere Krankheitsverläufe verhindern würde. Momentan untersucht die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Effektivität einer dritten Impfung bei Risikogruppen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, dass die Booster-Impfung aktuell nicht für die gesamte Bevölkerung notwendig sei. Die WHO forderte die westlichen Länder dazu auf den Impfstoff vorerst zurückzuhalten und bis mindestens Ende September auf zusätzliche Impfungen zu verzichten. Die WHO gab zu bedenken, dass dritte Impfungen zu Lasten von Ländern gehen würden, die noch auf die ersten Dosen warten.