KRIMINALITÄT: RTL Boulevard Sendungen am Wochenende nach Drohungen abgesagt

Amsterdam, MD/VK/Trouw, 12. Juli 2021

Am vergangenen Wochenende wurden beide Ausstrahlungen der Sendung RTL Boulevard wegen Drohungen abgesagt. Das Studio am Amsterdamer Leidseplein wurde am Samstag geräumt. Auch am Sonntag wurde die Arbeit im Studio nicht wieder aufgenommen. Der Sender RTL traf diese Entscheidung, nachdem das Amsterdamse driehoek (Bürgermeisterin, Justiz, Polizei) die Information über die ernstzunehmende Drohung erhielten, dass das Studio mit Raketenwerfern angegriffen werden solle. Diese Informationen erhielten sie einen Tag nach dem Anschlag auf den Journalisten Peter R. de Vries, welcher nach einem Interview bei RTL Boulevard auf dem Weg zu seinem Auto mehrfach angeschossen wurde.

Laut dem Journalisten Peter ter Velde ist dies ein einmaliger Vorgang in der Mediengeschichte des Landes. Ter Velde ist Mitbegründer von PersVeilig, einer Vereinigung aus Journalist:innen, Polizei und Staatsanwaltschaft mit dem Zweck Journalist:innen gegen Bedrohungen und Gewalt zu beschützen. In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Übergriffen gekommen. So drang 2015 ein Mann mit einer Pistolenattrappe in das Studio der Nachrichtensendung NOS Journaal ein. Im Jahr 2018 fuhren Mitglieder einer kriminellen Bande mit einem gestohlenen Lieferwagen in die Fassade der Büroräume der Zeitung De Telegraaf. So schwere Drohungen, dass eine Sendung komplett abgesagt werden musste, hätte es laut Ter Velde allerdings noch nie gegeben.

Bisher ist noch unbekannt, von welcher Seite die Bedrohungen gegen RTL Boulevard kommen. Die Amsterdamer Polizei wollte bisher noch kein Statement zu den Hintergründen abgeben. Auch der Sender RTL möchte die Vorgänge nicht kommentieren. Laut Berichten der Zeitung NRC sollen sich Teile der kriminellen Unterwelt an der Berichterstattung über den Anschlag auf Peter R. de Vries gestört haben, insbesondere daran, dass eine Verbindung zwischen dem Anschlag auf De Vries und dessen Engagement als Berater für den Kronzeugen im Marengoprozess Nabil B. gelegt wurde. In diesem Prozess sind 17 mutmaßliche Mitglieder der sogenannten Mocro-Mafia angeklagt. Im Rahmen dieses Prozesses wurde 2019 bereits der Anwalt von Nabil B. Derk Wiersum ermordet.

Dass die Drohungen aus der organisierten Kriminalität kommen, ist deshalb durchaus wahrscheinlich. Zu dieser Einschätzung kommt auch Peter ter Velde: „RTL Boulevard hat ein hohes Ansehen im Bereich der Kriminalberichterstattung und wir gegen davon aus, dass sie nicht wegen ihrer letzten Berichte zu André van Duin [niederländischer Komiker; Anm. der Redaktion] bedroht wurden.“

Nach der Zwangspause am Wochenende gab der Sender bekannt, die Sendung ab dem heutigen Montag, dem 12. Juli, wieder aufzunehmen. In einem Statement heißt es: „Die Niederlande sind ein freies Land und unabhängige Medien sind essenziell für das Funktionieren unseres Rechtsstaates. Wir werden weiterhin dafür kämpfen, diese Rollen zu erfüllen, sicherlich auch mit RTL Boulevard, und sind stolz auf das Team, das mit derselben Überzeugung und dem gleichen Elan den Faden aufnehmen wird.“ Berichte, dass die Sendung in den kommenden Tagen von einem anderen, geheimen Ort aufgezeichnet wird, wollten Sender und Mitarbeiter:innen nicht bestätigen.