GESELLSCHAFT:  Zweiter Königstag in der Coronakrise – „Bitte nie wieder!“

Eindhoven, BJ/NRC/VK/Trouw, 28. April 2021

Am Dienstag feierte der niederländische König Willem-Alexander seinen 54. Geburtstag. Wie im letzten Jahr befanden sich die Niederlande aufgrund der Coronapandemie in einem Lockdown. Doch im Gegensatz zum letzten Jahr besuchte die Königsfamilie dieses Jahr wieder eine Stadt. In Eindhoven wurde unter Einhaltung der Corona-Regeln ein virtuelles Programm mit Kultur, Hightech und Sport organisiert. Die Bürger:innen wurden erneut gebeten im kleinen Kreis zu feiern. Im Gegensatz zum letzten Jahr hielten sich am Vorabend der Lockerungen jedoch weniger Menschen an diese Bitte. Obwohl Volksfeste, Mega-Flohmärkte und Straßen-Partys verboten waren, feierten in vielen Städten größere Gruppen zusammen.

Während im letzten Jahr der Besuch der Königsfamilie in Maastricht abgesagt wurde und der „Koningsdag“ zum „Woningsdag“ (Haustag) wurde, fand der geplante Besuch in Eindhoven dieses Jahr statt. Das Programm stand im Zeichen der virtuellen Technik. Die Niederländer:innen konnten den Besuch der Königsfamilie live verfolgen: von der Ankunft des Königs am Tech-Campus in einem 55 Jahre alten Daf Kini und Maxima´s in einem elektrischen Auto, über einem Rennen mit Hoverkrafts und einem Quiz sowie Livestreams mit ausgewählten Bürger:innen. Außerdem präsentierte der blinde Simon Dogger seine Erfindung: den Emotions-Flüsterer. Er arbeitet an einer App, mit der Gesichtsausdrücke auf einem Apparat in Töne umgewandelt werden können. Insgesamt hat die Gemeinde Eindhoven 1,75 Millionen Euro für den Königstag ausgegeben. Das Fazit des Königs zum bislang teuersten Königstag in der Geschichte der Niederlande lautet: „Es war unvergesslich.“ Mit Blick auf Corona fügte er hinzu: „Aber bitte nie wieder!“.

Beim Gespräch mit der Presse standen die Prinzessinnen im Mittelpunkt. Amalia (17) erzählte, dass sie mit ihrem Führerschein begonnen sei. Wegen der Corona-Regeln konnte sie bislang aber nur eine Fahrstunde machen. Aktuell will sie sich auf die kommenden Abschlussarbeiten Mitte Mai konzentrieren. Außerdem freut sie sich auf das geplante Zwischenjahr nach ihrem Abschluss, in dem sie die Welt entdecken und Praktika bei tollen Unternehmen machen möchte – Dinge, die sie in 20 Jahren vielleicht nicht mehr machen kann. Ihre 15-jährige Schwester Alexia gab an froh zu sein, dass sie die Freiheit hat ihren eigenen Interessen zu folgen, auch wenn sie noch nicht weiß, wo ihr Weg sie hinführt. In der aktuellen Coronakrise vermisst sie vor allem die kleinen Dinge, wie ihre Freunde zu treffen oder durch die Stadt zu bummeln. Dieses Gefühl teilt auch die jüngste Prinzessin Ariane (14), welche gerne mal wieder ins Kino gehen möchte.

In der jährlichen zum Königstag veröffentlichten Umfrage erhielt die Königsfamilie dieses Jahr kein sonderlich freundliches Zeugnis. Weniger als ein Viertel der Befragten fühlten sich während der Coronakrise vom König unterstützt. Im Dezember letzten Jahres lag der Anteil noch bei 40 Prozent. Nur eine knappe Mehrheit der Bürger:innen hat noch Vertrauen in die Königsfamilie. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 76 Prozent. Die schlechten Umfragewerte spiegeln die Unzufriedenheit der Niederländer:innen mit den Auftritten und Fehltritten der Königsfamilie in der Coronakrise wieder.

Trotz dieser Unzufriedenheit feierten die Niederländer:innen den Geburtstag ihres Königs. Während die Parks im letzten Jahr am Königstag offen blieben und die Menschen sich an die Regeln hielten, scheint dieses Jahr das Königstag-Virus stärker zu sein als das Coronavirus. In Leiden, Groningen, Maastricht, Zwolle und Utrecht wurden Parks geschlossen, da zu viele Menschen zusammenkamen und die Corona-Regeln nicht befolgten. In Breda und Haarlem mussten Cafés und Restaurants früher schließen. In Amsterdam kamen den ganzen Tag über viele Menschen zusammen, weshalb die Gemeinde die Bürger:innen dazu aufrief nicht mehr in die Stadt zu kommen. In vielen Städten musste die Polizei eingreifen, um die Bildung von Menschenmassen zu verhindern.