BILDUNG: Onderwijsraad empfiehlt eine dreijährige „Brückenklasse“ für höhere Chancengleichheit

Den Haag, MD/VK/Trouw, 16. April 2021

Der Onderwijsraad hat in seinem Bericht an das Kabinett die mangelnde Chancengleichheit im niederländischen Bildungssystem kritisiert. Der Bericht war zuvor vom Bildungsministerium in Auftrag gegeben worden. Der Onderwijsraad sollte darin weitreichende strukturelle Veränderungen des Bildungssystems vorschlagen. Das Beratungsorgan der niederländischen Regierung schlägt nun vor, die Verteilung der Schüler:innnen auf die verschiedenen Schultypen durch eine dreijährige Brückenklasse nach hinten zu verschieben. Die Vorsitzende des Onderwijsraad Edith Hooge kündigte den Bericht an mit den Worten: „Jeder erkennt, dass die Chancenungleichheit wächst. Das Bildungssystem muss sich verändern. Wie das möglich ist, präsentieren wir nun auf dem Silberteller.“

Im aktuellen System bekommen die Schüler:innen nach der Grundschule (nl.: basisschool) eine Empfehlung für eine weiterführende Schule. Die Grundschule dauert in den Niederlanden sechs Jahre. Die Kinder kommen somit in einem Alter von 12 bis 13 Jahren auf die weiterführenden Schulen. Nach dem Willen des Onderwijsraad soll diese Trennung allerdings um drei Jahre nach hinten verschoben werden. Die Schüler:innnen sollen so lange weiterhin gemeinsam in einer sogenannten „Brückenklasse“ (nl.: brugklas) unterrichtet werden. So sollen die Schüler:innen länger die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und zu entdecken.

In den letzten Jahren stieg die Aufmerksamkeit für die Ungleichheiten des Schulsystems. So erhielten Kinder hoch gebildeter Eltern häufiger eine Empfehlung für einen höheren Schultyp als Kinder aus weniger gebildeten Familien. Durch die Corona-Pandemie sind diese Unterschiede noch deutlicher sichtbar geworden. Auch sei es nach Angaben des Onderwijsraad in den vergangenen Jahren schwerer geworden, zwischen den Schultypen zu wechseln oder verschiedene Abschlüsse zu erwerben.

Bis die Anpassung des Schulsystems vollzogen ist, wird es nach Ansicht von Hooge noch mindestens fünf Jahre dauern, da zur Realisierung viele Umstellungen gemacht werden müssen. So müssen erst Möglichkeiten geschaffen werden, um alle Schüler:innen der Brückenklassen unterzubringen. Aktuell bieten nur wenige Schulen mehrere Unterrichtsniveaus unter einem Dach an. Der Onderwijsraad hofft deswegen auf die Dachverbände. Bereits bei 60% der Schulträger sind alle Bildungsniveaus vertreten. Diese Schulen werden in Zukunft enger zusammenarbeiten müssen. Schulen, die nur einen höheren Bildungsweg anbieten, werden voraussichtlich nicht gänzlich verschwinden, sondern die Schüler:innen drei Jahre später empfangen.

Der Onderwijsraad betont allerdings auch, dass es nicht nur auf die Umstrukturierung des Schulsystems ankommt, sondern vor allem auch auf die Lehrer:innen. Diese müssen die Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten fördern und immer auch die individuellen Bedürfnisse und Talente der Schüler:innen erkennen. „Schulen müssen neugierig auf das Potenzial ihrer einzelnen Schüler sein und ständig danach suchen“, sagt Hooge. „Davon profitieren nicht nur die begabteren, frühreifen und schnell lernenden Kinder, sondern auch die weniger fließend Lernenden und die Spätzünder.“

Weiterführende Informationen zum Bildungswesen in den Niederlanden finden Sie im Dossier "Bildung und Forschung":

Bildung und Forschung

Das niederländische Schulsystem