WIRTSCHAFT: Airline KLM will vermehrt Reisen anbieten – Konkurrenz sieht Wettbewerbsverzerrung

Den HaagMD/Trouw/VK, 23. Februar 2021

Die angeschlagene Airline KLM hat angekündigt, dass sie in Zukunft vermehrt Reisepakete anbieten möchte. Helfen soll dabei die in Köln ansässige Firma Airtrade, an der KLM bereits eine Mehrheit der Anteile hält. Die beiden Unternehmen kooperieren bereits eine Weile miteinander. Airtrade liefert unter anderem die Technologie, mit der KLM-Kund:innen bereits seit 2015 Hotelzimmer und Leihwagen mieten können. Viele Reiseanbieter reagieren empört auf die Ankündigung und sehen darin Wettbewerbsverzerrung, da KLM Unterstützung vom niederländischen Staat in Milliardenhöhe erhält.

Dass KLM Reisepakete anbietet ist an sich nicht neu. Bereits seit 2015 bietet die Airline – ebenfalls in Zusammenarbeit mit Airtrade – Reisepakete unter dem Namen ‚Package Deals‘ an. Diese Angebote will die Airline nun voraussichtlich unter dem Namen ‚KLM Holidays‘ ausbauen. Der Name wurde noch nicht final bestätigt, die Ambitionen zum Ausbau der Sparte wurde allerdings bereits vom Geschäftsführer der KLM Harm Kreulen bestätigt. Laut seiner Aussage soll KLM sich gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen ‚Transavia Holydays‘ in den Top 3 der Anbieter für Urlaube mit Flugreisen in den Niederlanden etablieren.

Die Pläne der Airline sorgen bei anderen Unternehmen in der Reisebranche allerdings für Unverständnis. Diese sind zum Teil selbst Kunden bei KLM und sehen den Geschäftspartner nun plötzlich als Konkurrenten. Bei KLM kann man die Wut der Reiseanbieter allerdings nicht verstehen, da diese zum Teil selbst eigene Flugreisen anbieten und somit in einem gewissen Maße selbst in Konkurrenz mit KLM treten würden. Zum Unverständnis über die neue Konkurrenz kommt bei einigen Unternehmen allerdings auch die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Vorgehens. So stellt der Geschäftsführer des Unternehmens Corendon Steven van der Heijden die Legalität der Übernahme von Airtrade in Frage, da KLM als Folge der Corona-Pandemie aktuell auf Milliardenhilfen der Regierung angewiesen ist.

KLM argumentiert unterdessen, dass die Investition nicht durch staatliches Geld realisiert werden, sondern durch Einsparungen in anderen Bereichen und Vereinbarungen mit Banken. Das Finanzministerium hat bereits Stellung zu den Vorgängen genommen und sieht keinen Bedarf für einen Eingriff. In einem Statement des Ministeriums heißt es: „Um die Effizienz ihres Betriebs zu verbessern, hat KLM im Rahmen der Vereinbarungen des Hilfspakets den Spielraum, diese Art von Investitionen zu tätigen.“

Die Ankündigung von KLM hat sich bereits seit geraumer Zeit angekündigt. Bereits im Jahr 2019 sagte Harm Kreulen in einem Interview, dass das Unternehmen die Sparte mit Reisepaketen ausbauen möchte. Vor der Corona-Pandemie verzeichnete der Markt für solche Pakete ein starkes Wachstum. Die Airline hofft durch die Ankündigung wieder einen positiven Impuls setzten zu können. Die Übernahme von Airtrade kam nur einen Tag nach der Veröffentlichung der schlechtesten Bilanz in der Geschichte des Unternehmens. So verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust von 7,1 Milliarden Euro und einen Rückgang der Passagiere um rund 70%. Im Unternehmen geht man davon aus, dass im Sommer durch die fortschreitende Durchimpfung der Bevölkerung wieder mehr geflogen werden kann. Mit einer Anzahl an Passagieren wie vor der Corona-Pandemie rechnet die Airline allerdings erst wieder ab dem Jahr 2024.