GESELLSCHAFT: Amsterdam will Verkauf von Cannabis an ausländische Touristen verbieten

Amsterdam, SW/NOS/NRC, 08. Januar 2020

Amsterdam ist als Destination des Fremdenverkehrs nicht nur aufgrund seiner bewegten Geschichte und kulturellen Schätze bekannt, sondern zieht wegen seiner zahlreichen Coffeeshops jedes Jahr auch große Mengen von feierwütigen Touristen an, die auf den Rausch von Cannabis und Alkohol aus sind. Bürgermeisterin Femke Halsema will dem nun ein Ende bereiten, indem in Zukunft nur noch an Niederländer Marihuana verkauft werden soll. So erhofft sie sich leerere Straßen und damit weniger Belästigung der Anwohner durch Lärm und Schmutz.

Dies schrieb sie am Freitag in einem Brief an den Gemeinderat der niederländischen Hauptstadt. Als juristische Vorlage der Umsetzung soll eine Regel dienen, die bereits seit 2013 im Rest der Niederlande existiert. Hierbei handelt es sich um das inzwischen in vielen Gemeinden gelockerte ingezetencriterium (dt. Einwohnerkriterium), wonach nur Niederländer zum Kauf in Coffeeshops berechtigt sind. Amsterdam beanspruchte bei der Einführung eine Ausnahmeposition, die aber jetzt, wenn es nach Halsema geht, revidiert werden soll. Damit wolle sie die Anziehungskraft der Stadt als Ziel des Drogentourismus vermindern.

In den vergangen zwanzig Jahren ist die Anzahl von Coffeeshops in Amsterdam zwar von 283 auf 166 gesunken, jedoch steigt der Umsatz der Läden mit Sonderstatus stetig an. Verantwortlich sind dafür meist junge Ausländer, die gerade wegen der lockeren Drogenpolitik in die Grachtenstadt kommen. Ohne sie würden, laut einer neuesten Untersuchung der Stadt, gerade einmal 68 Coffeeshops zur Bedienung des lokalen Markts notwendig sein.

Die Initiative Halsemas ordnet sich in eine Reihe von Entwicklungen gegen den Massentourismus in Amsterdam ein, die entweder von ihr selbst oder der Bevölkerung losgetreten wurden. Nachdem sich der Widerstand der Ortsansässigen in den letzten Jahren immer weiter aufgebauscht hatte, scheint er nun in konkrete Maßnahmen überzugehen. Als Reaktion auf die positiv befundene menschenleere Innenstadt während des ersten Corona-Lockdowns formulierte ein Zusammenschluss von lokalen Unternehmern einen Zehnpunkteplan, um das von Sex und Drogen behaftete Image loszuwerden. Ihnen dürfte der Vorstoß der Bürgermeisterin ebenso zusagen wie einer Volksinitiative aus dem letzten Jahr, die innerhalb kürzester Zeit genügend Stimmen für eine Petition an den Gemeinderat sammelte, um die lokalen Übernachtungen zu begrenzen.

Halsema, die in diesem Winter bereits einen Plan vorstellte, um einen Teil der Prostitution in der Innenstadt in ein „Erotikzentrum“ weiter außerhalb zu verbannen, ist sich jedoch darüber im Klaren, dass der illegale Drogenhandel in Folge der Verbote ansteigen könnte. Deshalb sieht sie eine „geeignete Übergangsfrist“ vor, über deren tatsächliche Länge aber noch nichts bekannt ist. Neben dieser Maßnahme will die Bürgermeisterin im Übrigen auch die Kettenbildung von Coffeeshops und die Erstellung von Gütezeichen unterbinden.

Mehr Informationen finden Sie auch in unserem Dossier zur niederländischen Drogenpolitik.