POLITIK: Ministerin Van Ark: Kein Vorrang für Jüngere auf Intensivstationen

Den HaagMD/VK/NRC, 05. Januar 2021

Das Kabinett arbeitet an einem Gesetz, welches es Ärzten verbieten soll, jüngere Menschen auf Intensivstationen vorrangig zu behandeln, sollten diese überlastet sein. Dies gab die Ministerin für medizinische Versorgung Tamara van Ark (VVD) am Montag in einem Brief an die Zweite Kammer bekannt. Das Kabinett möchte damit eine Debatte um das Vorgehen im Falle eine Überlastung der Krankenhäuser – einem sogenannten „code zwart“ – beenden, welche seit Beginn der Corona-Pandemie geführt wird. Zuletzt wurde dieses Thema wieder stärker diskutiert, da Experten aufgrund der zuletzt stark steigenden Zahlen von Infizierten und schwer Erkrankten eindringlich vor einem solchen Szenario warnten.

Mit dem neuen Gesetz folgt das Kabinett nicht den Empfehlungen, welche die Fachärzteverbände FMS und KNMG der Zweiten Kammer vorgelegt haben. Die beiden Verbände haben vergangenes Jahr an einem Handbuch zur Triage gearbeitet, in welchem sie zum Schluss kamen, dass jüngere Menschen ein größeres Recht auf Leben genießen als ältere Menschen, die schon mehr Lebenszeit genießen durften. Diese Richtlinie sollte allerdings nur gelten, wenn alle anderen Voraussetzungen der Patienten gleich seien. Andere Faktoren könnten beispielsweise die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation sein. So sollten Patienten mit einem kurzen Aufenthalt auf der Intensivstation, wie beispielsweise durch eine Blutvergiftung, den Vorzug erhalten vor Patienten, die wegen Covid-19 über Wochen auf der Intensivstation liegen würden. Ebenso sollten Pflegemitarbeiter, die selbst an Corona erkranken, bevorzugt behandelt werden.

Diese Empfehlungen sollen laut Van Ark weiterhin bestand haben. Stattdessen soll nur der Abschnitt über das Alter der Patienten aus dem Protokoll genommen und ein solches Vorgehen verboten werden. Die Ministerin begründet den Schritt damit, dass das Kabinett keine Altersdiskriminierung zulassen möchte. Sie argumentiert, dass alle Menschenleben gleich viel wert seien und „Jüngere nicht immer eine höhere Lebenserwartung als Ältere“ hätten. Mit dem neuen Gesetz setzt sie auch den Willen der Mehrheit der Zweiten Kammer um. Die meisten Abgeordneten, ebenso wie viele Organisationen für ältere Menschen tun sich schwer damit, dass Ärzte eine Entscheidung auf Grund des Alters der Patienten treffen sollen und sehen darin wie die Ministerin eine Altersdiskriminierung.

Die Konsequenz aus dem neuen Gesetz wird sein, dass im Zweifelsfall per Los darüber entschieden werden muss, welcher Patient einen Platz auf der Intensivstation erhält. Van Ark schreibt in ihrem Brief an die Zweite Kammer: „Das ist, so tragisch es auch ist, das gerechteste, das ultimative Auswahlkriterium.“ Das neue Gesetz soll nun so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden, um eine Rechtssicherheit für die entscheidenden Ärzte zu garantieren.