GESELLSCHAFT: Raubkunst-Kommission: Umgang mit Betroffenen muss empathischer werden

Den HaagMD/VK/Trouw, 08. Dezember 2020

Eine Kommission, welche die niederländische Vorgehensweise der Restitutiecommissie (dt.: Wiedergutmachungskommission) bei der Rückgabe von Raubkunst der Nazis untersucht, hat nun ihren Abschlussbericht vorgelegt. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Umgang mit Raubkunst und deren Rückgabe empathischer ausgeführt werden könne, im Kern aber gut sei. Die Kommission zur Wiedergutmachung wurde 2001 eingerichtet, um die Rückgabe von Raubkunst an die rechtmäßigen Eigentümer zu koordinieren.

Die Untersuchungskommission bemängelt nun, dass seit 2007 keine Versuche mehr unternommen werden, die Herkunft von Objekten zu erforschen, welche von den Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg in die Niederlande gebracht wurden, weil sie mutmaßlich von dort gestohlen wurden. Die Untersuchung blieb für etwa 3.700 Objekte unvollständig, was einen Verstoß gegen die Washington Principles darstellt. Dabei handelt es sich um eine Erklärung, mit deren Unterschrift sich auch die Niederlande verpflichtet haben, die Herkunft von Raubkunst zu erforschen und diese zurückzugeben. Um diese Objekte durch das Kompetenzzentrum für Wiedergutmachung, welches zum NIOD gehört, untersuchen zu lassen, werden in den kommenden Jahren etwa 3 Millionen Euro nötig sein. Für die Untersuchung sollen vier Jahre benötigt werden.

Die Kommission kommt außerdem zu dem Schluss, dass die Vorgehensweise bei der Rückgabe von Raubkunst empathischer sein könnte. So sollen noch lebende Besitzer, deren Nachkommen oder jüdische Verbände persönlich angehört werden. Den Kontakt mit der Wiedergutmachungskommission bezeichneten die Betroffenen in einer Umfrage als kalt und distanziert. Die Kommission schlägt vor einen Helpdesk einzurichten, an den sich Betroffene wenden können. Außerdem sollen Menschen mit Besitzansprüchen in Zukunft aktiv kontaktiert werden. Es wurde außerdem betont, dass der Anspruch auf Rückgabe gestohlener Kunst höher anzusehen ist als der Anspruch von Museen auf die Objekte als Ausstellungsstücke. Dies gelte auch, wenn ein Objekt sich schon lange in einem Museum befinde und von diesem in gutem Glauben erworben wurde.

Mit dem Abschlussbericht hat die Kommission auch einen Beurteilungskatalog vorgestellt, welcher die bisherigen Richtlinien ersetzen könnte. Diese sind bisher unübersichtlich in 15 verschiedenen Dokumenten festgelegt.